Feldkirch sperrt städtischen Kindergarten in Tisis zu

Die Stadt Feldkirch schließt den Ganztageskindergarten Tisis. Die beiden städtischen Gruppen am Standort werden aufgelassen, während der Praxiskindergarten der Bildungsanstalt für Elementarpädagogik weiterbesteht, so der ORF.
Die Stadt Feldkirch wird den Ganztageskindergarten Tisis schließen. Betroffen sind die zwei städtischen Gruppen am Standort, während die beiden Gruppen des Praxiskindergartens der Bildungsanstalt für Elementarpädagogik (BAfEP) weiterhin in Betrieb bleiben. Nach der Schließung betreibt Feldkirch noch 19 Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen mit insgesamt 50 Gruppen – aktuell sind es 20 Einrichtungen mit 1.097 Kindern im Herbst 2026.
Kleine Standorte unter Druck
Tisis gehört mit nur zwei Gruppen zu den kleinsten städtischen Standorten. Größere Häuser würden mehr Flexibilität beim Personaleinsatz und bei pädagogischen Angeboten ermöglichen, argumentiert die Stadtverwaltung. „Kleine Standorte mit sinkender Auslastung können diese Standards langfristig schwerer aufrechterhalten als größere Häuser“, erklärt Sandra Miller-Marte, Leiterin der Abteilung Kinder, Schulen, Sport.
Investitionen in eigene Infrastruktur
Seit 2022 hat Feldkirch massiv in eigene Kinderbetreuungseinrichtungen investiert. Neue Standorte in Nofels, Altenstadt und Levis, die Erweiterung des Kindergartens Riedteilweg, das Kinderhaus Josefgasse und zuletzt der Kindergarten Kirchgasse wurden eröffnet. Bürgermeister Manfred Rädler betont, man wolle „langfristig stabile, qualitativ hochwertige Angebote aus eigenem Bestand sichern“. Die Schließung in Tisis sei der „nächste konsequente Schritt“.
Platzgarantie für betroffene Familien
Jedes Kind aus dem Ganztageskindergarten Tisis soll einen Platz in einer städtischen Einrichtung erhalten. Kurzfristig könnte es laut Stadt erforderlich sein, dass einzelne Familien auf Einrichtungen in benachbarten Stadtteilen ausweichen müssen. „Wir lassen keine Familie allein. Jedes Kind bekommt einen Platz“, versichert Bildungsstadträtin Andrea Zelger. Ein Elterninformationsabend, individuelle Beratungsgespräche und Schnuppertermine sind geplant, ab Februar 2027 können Anmeldungen für die neuen Plätze erfolgen. Das pädagogische Personal wird nach Angaben der Stadt vollständig in anderen städtischen Einrichtungen weiterbeschäftigt.
Spielgruppe „Zottelbär“ im Konkurs
Unabhängig davon ist in Feldkirch bereits eine private Einrichtung geschlossen worden. Über den Verein Spielgruppe „Zottelbär“ mit Sitz in der Hauptstraße wurde am Dienstag am Landesgericht Feldkirch ein Konkursverfahren eröffnet – auf Eigenantrag. Betroffen sind sieben Beschäftigte, die Verbindlichkeiten liegen bei rund 66.000 Euro, 13 Gläubigerinnen und Gläubiger sind betroffen. Offene Forderungen bestehen laut Schuldnerin vor allem gegenüber dem Land Vorarlberg und der Stadt Feldkirch. Der Betrieb der Spielgruppe war bereits im August eingestellt worden. Die Prüfungs- und Berichtstagsatzung findet am 14. Dezember statt.
Es ist nicht der erste Fall im Land: 2024 war in Lustenau der Trägerverein der Kinderbetreuungseinrichtung Blumengarten in Konkurs gegangen.
Geburtenrückgang als Hintergrund
Hintergrund der Entwicklung sind auch die sinkenden Geburtenzahlen. 2025 kamen in Vorarlberg 3.594 Kinder lebend zur Welt – so wenige wie noch nie seit Beginn der jährlichen Statistik 1961. Das Minus gegenüber 2024 lag bei 4,2 Prozent, es war nach dem Burgenland der zweitstärkste Rückgang Österreichs. Seit 1961 ist die Zahl der Lebendgeborenen im Land um 37,3 Prozent gesunken.
Das Land argumentiert bereits seit dem Frühjahr mit der Demografie: 18 Gemeinden erhalten keine Förderung mehr für zusätzliches Kindergartenpersonal, weil sie aus Sicht des Landes einen „überproportionalen Personaleinsatz“ haben. Landesweit seien heuer um 55 Kinder weniger zu betreuen, zudem sei mit weiter sinkenden Geburtenraten zu rechnen. Die Kürzungen hatten Kritik von Gemeinden und Opposition ausgelöst.
Beim Betreuungsangebot liegt Vorarlberg laut der aktuellen Kindertagesheimstatistik über dem Bundesschnitt: Bei den Drei- bis Fünfjährigen beträgt die Betreuungsquote 96,2 Prozent (Österreich: 94,5), bei den unter Zweijährigen 37,4 Prozent (Österreich: 35,8). Ganztägig betreut wird allerdings nur ein Bruchteil – 13,4 Prozent gegenüber 55,7 Prozent im Bundesschnitt. Insgesamt gibt es im Land 521 institutionelle Einrichtungen mit 1.204 Gruppen.
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