Bestattungsalternativen in Wien

Die Wiener Bestattungskultur wandelt sich grundlegend. Während klassische Sargbeisetzungen zurückgehen, entscheiden sich immer mehr Menschen für Urnen, Naturgräber oder digitale Gedenkformen.
Die Art, wie in Wien Abschied genommen wird, verändert sich deutlich. Das Gedenken an Verstorbene findet längst nicht mehr nur am Friedhof statt – auch die Natur und der digitale Raum werden zu Orten der Erinnerung. Die Bestattungsfirma "Himmelblau" und die Wiener Friedhöfe haben gegenüber der APA Einblick in neue Formen des Gedenkens gegeben.
Kremierung verdrängt Sargbestattung
In der Bundeshauptstadt vollzieht sich ein grundlegender Wandel: Feuerbestattungen haben die klassische Erdbestattung überholt. Laut "Himmelblau" hat sich das Verhältnis innerhalb von zwölf Jahren komplett umgekehrt. Während 2013 noch 62 Prozent der Verstorbenen in einem Sarg beerdigt wurden, lagen 2025 die Feuerbestattungen mit 60 Prozent vorne.
Die Wiener Friedhöfe verzeichnen ebenfalls eine Verschiebung. Zwar dominieren Erdbestattungen mit 59 Prozent noch knapp, doch Urnenbeisetzungen erreichen bereits 41 Prozent. Im Vergleich dazu lag das Verhältnis 2015 noch bei 70 zu 30 Prozent zugunsten der Erdbestattung. Österreichweite Vergleichszahlen existieren nicht, da die Daten bisher nicht einheitlich erfasst werden.
Hohe Kosten und Mobilität als Treiber
Georg Haas, Gründer und Gesellschafter von "Himmelblau", spricht von einer dramatischen Entwicklung: "Die Friedhöfe sterben aus." Er führt den Rückgang auf hohe Grabnutzungsentgelte und die Inflation zurück. "Man stirbt nur einmal im Leben, aber es kostet dann trotzdem zwischen fünf- und zehntausend Euro. Viele Menschen sagen, da geht mir finanziell die Luft aus", so Haas. Zudem wünschten sich viele Angehörige, die nicht mehr in ihrer Heimat leben, ortsunabhängige Gedenkformen.
Lisa Pernkopf, Sprecherin der Friedhöfe Wien, bestätigt den Wandel, betont aber: Der Friedhofsbesuch bleibe gerade an Feiertagen wichtig. "Allerheiligen und auch der Muttertag sind absolute Höhepunkte in der Saison. Das sind nach wie vor Fixpunkte für viele Wienerinnen und Wiener."
Naturgräber stark im Kommen
Das Angebot an Naturgräbern wächst kontinuierlich: Von Wald-, Baum- und Strauchgräbern bis zu Weinreben- und Rosenstockbestattungen reicht die Palette. Die Bestattungsbranche sieht hier großes Potenzial. Laut "Himmelblau" wünscht sich mittlerweile knapp ein Drittel der Kundinnen und Kunden einen Abschied in der Natur. Haas nennt als Vorteile: "Mitten in der Natur ist es extrem schön, ich bin preislich deutlich tiefer unten, und ich kann das flexibel gestalten."
Bei den Wiener Friedhöfen entfallen rund 11 Prozent aller Urnenbeisetzungen auf Naturgräber – 2015 waren es erst 6 Prozent. Pernkopf nennt als Gründe den geringeren Pflegeaufwand und die Naturverbundenheit. Viele wollten ihren Angehörigen die Grabpflege ersparen und nach dem Tod wieder Teil des natürlichen Kreislaufs werden. Am beliebtesten sind Waldgräber mit 79 Prozent, gefolgt von Baumgräbern (7 Prozent), Rasengräbern und Urnengarten (je 5 Prozent).
Digitales Grab als Ergänzung
Seit 2020 bieten die Friedhöfe Wien zu jeder der rund 550.000 Grabstellen ein digitales Pendant an. Neben Serviceleistungen wie Nutzungsverlängerung oder Adressänderung dient es als virtueller Erinnerungsort. In "Gedenkräumen" können Angehörige Kerzen entzünden oder Fotos der Grabstelle machen.
Aktuell nutzen rund 24.000 Menschen den digitalen Service, die Nachfrage steigt laut Pernkopf stetig. Die Friedhöfe Wien gehen aber nicht davon aus, dass der reale Kontakt verschwindet. Das Angebot sei eher eine Erweiterung, etwa für Angehörige, die weit entfernt wohnen. "Trauer ist individuell, aber ich glaube, den physischen Friedhof wird das digitale Grab nicht ablösen", meint Pernkopf. Friedhöfe seien ein Ort der Toten, aber auch für die Lebenden.
KI-Trauerreden mit Dompfarrer Faber
Auch künstliche Intelligenz hält Einzug in die Trauerkultur. Das steirische Start-up "Lebensstimmen" hat kürzlich KI-Trauerreden präsentiert. Aus Fotos lassen sich individualisierte Video-Reden für das eigene Begräbnis erstellen. Auch Wiens Dompfarrer Toni Faber wird als KI-Trauerredner angeboten.
In Kooperation mit "Himmelblau" sollen die KI-generierten Grußbotschaften von "Lebensstimmen" Anfang 2027 verfügbar sein. Wie viele Menschen das Angebot tatsächlich nutzen werden, zeigt sich erst in einem Jahr. Gesellschafter Haas beobachtet bei seinen Kundinnen und Kunden bereits jetzt den Wunsch nach Individualität. Mit einer eigenen KI-Grußbotschaft könnten Trauerfeiern künftig noch persönlicher werden.
Gemeinsame Ruhestätte für Mensch und Tier
Wer sich über den Tod hinaus nicht von seinem Vierbeiner trennen möchte, kann ein "Mensch-Tier-Grab" wählen. Seit 2018 gibt es am Friedhof Feuerhalle Simmering 64 Grabstellen, die eine gemeinsame Bestattung ermöglichen. "Im Normalfall ist es so, dass schon zu Lebzeiten Tierbesitzerinnen und -besitzer sich eine Grabstelle reservieren und meist das Tier vorangeht", erklärt Pernkopf.
Hunde sind auch am Friedhof Feuerhalle Simmering der beste Freund des Menschen: 78 Prozent der Beisetzungen entfallen auf Hunde, 17 Prozent auf Katzen und 5 Prozent auf Hamster. Am Tierfriedhof Wien sieht die Verteilung anders aus: Katzen führen mit 44 Prozent, Hunde folgen mit 42 Prozent. Die restlichen 14 Prozent verteilen sich auf Vögel, Schildkröten und Hamster. Seit der Eröffnung 2011 wurden dort bereits rund 1.300 Tiere bestattet.
Quelle: APA
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