Feuerwehrärzte trainierten Notfälle bei Hitze und Kälte

Feuerwehr- und Einsatzärzte haben sich am 17. Oktober in Hörgas mit medizinischen Extremsituationen auseinandergesetzt.
Im Medizinischen Simulations- und Trainingszentrum der KAGes in Hörgas haben Medizinerinnen und Mediziner der Feuerwehr sowie anderer Einsatzorganisationen am Samstag, dem 17. Oktober 2026, eine Fortbildung absolviert. Die Veranstaltung widmete sich der Frage, wie Einsatzkräfte bei extremen Temperaturbedingungen medizinisch versorgt werden können – etwa wenn ein Atemschutzgeräteträger bei großer Hitze zusammenbricht, ein Mensch ins Eis einbricht oder ein Lawinenopfer schwer unterkühlt geborgen wird.
Nach Fachvorträgen zu aktuellen Erkenntnissen aus der Notfallmedizin konnten die Teilnehmenden verschiedene Notfallsituationen unter realitätsnahen Bedingungen trainieren. Auch die Erfahrungen aus dem 17 Tage dauernden Waldbrandeinsatz in Eisbach-Rein wurden thematisiert.
Premiere für neuen Landesfeuerwehrarzt
Für Landesfeuerwehrarzt Dr. Johannes Heidinger war es die erste selbst organisierte Fortbildungsveranstaltung in seiner neuen Funktion. Die Rückmeldungen der Teilnehmerschaft fielen durchwegs positiv aus. Zu den Ehrengästen zählten unter anderem Landesfeuerwehrkommandant-Stellvertreter LBDS Christian Leitgeb, Bundesfeuerwehrarzt Dr. Clemens Novak sowie Mag. Alfred Meißl, Leiter des Medizinischen Simulations- und Trainingszentrums der KAGes.
Ein besonderer Programmpunkt war die Ehrung von MR Dr. Josef Rampler, MSc., der über zwei Jahrzehnte als Landesfeuerwehrarzt die Feuerwehrmedizin und den Feuerwehr-Sanitätsdienst in der Steiermark geprägt hat. Rampler wurde im November 2005 zum Bereichsfeuerwehrarzt im BFV Liezen bestellt und übernahm im Juni 2006 die Funktion des Landesfeuerwehrarztes. Auf eigenen Wunsch legte er die Funktion zurück, nachdem er die Nachfolge frühzeitig vorbereitet hatte.
Als Anerkennung erhielt Rampler das Verdienstkreuz des ÖBFV sowie den Ehrendienstgrad „Ehren-Landesfeuerwehrarzt“. Die Auszeichnungen hätten bereits beim Landesfeuerwehrtag Ende Juni überreicht werden sollen, doch aus gesundheitlichen Gründen war ihm damals eine Teilnahme nicht möglich gewesen.
Hitzekollaps, Hitzschlag und Sonnenstich
Den fachlichen Auftakt gestaltete LFA Dr. Johannes Heidinger mit einem Beitrag zu aktuellen Entwicklungen und Schwerpunkten des Feuerwehrmedizinischen Dienstes im LFV Steiermark.
Prim. Dr. Reinhard Doppler widmete sich anschließend unter dem Titel „Heiße Einsätze, kühler Kopf“ den gesundheitlichen Gefahren durch hohe Temperaturen. Er erläuterte die Unterschiede zwischen Hitzekollaps, Hitzeerschöpfung, Hitzschlag und Sonnenstich sowie die jeweils erforderlichen medizinischen Maßnahmen. Anhand konkreter Fallbeispiele, darunter der Notfall einer 73-jährigen Wanderin, wurde deutlich, wie rasch eine zunächst harmlos wirkende Überhitzung lebensbedrohlich werden kann.
Die Feuerwehrmedizin braucht dieses Wissen vor allem bei Einsätzen, die den Körper stark belasten. Das gilt auch, wenn die Einsatzkräfte schwere Schutzausrüstung tragen oder bei Großveranstaltungen große Hitze herrscht. Wichtig ist, Warnzeichen früh zu bemerken. Außerdem muss man schnell kühlen und den Betroffenen medizinisch versorgen.
17 Tage Waldbrand: 2.500 Feuerwehrmitglieder im Einsatz
ABI Hannes Koch hielt den Vortrag „Hitze hautnah – Waldbrandeinsatz”. Darin blickte er auf den Einsatz am Mühlbachkogel in Eisbach-Rein zurück. Insgesamt kämpften rund 2.500 Feuerwehrleute 17 Tage lang gegen den Brand, und das im schwierigen Gelände. In den ersten Tagen flogen bis zu acht Hubschrauber. Sie warfen zusammen etwa 3,34 Millionen Liter Löschwasser aus der Luft ab.
Koch erklärte, was bei der Einsatzführung, der Logistik, der Versorgung und der Zusammenarbeit der Organisationen besonders schwierig war. Neben dem Löschen forderten vor allem das steile Gelände, die harte körperliche Arbeit und die lange Dauer die Einsatzkräfte. Dabei zeigte sich auch, wie wichtig der Feuerwehrmedizinische Dienst ist. Bei langen Wald- und Vegetationsbränden brauchen die Einsatzkräfte nämlich passende medizinische Betreuung.
Lawinen, Erfrierungen und Unterkühlung
Nach den Themen Hitze und Waldbrand ging es nun um die Gefahren durch Kälte. Priv. Doz. Dr. Christoph Castellani aus dem BFV Feldbach hielt den Vortrag „Rettung bei Schnee und Eis – Lawinennotfälle und Erfrierungen”. Er erklärte, wie niedrige Temperaturen auf den Körper wirken und was man beachten muss, wenn man unterkühlte Menschen versorgt.
Im Zentrum standen die verschiedenen Stufen der Unterkühlung, die ärztliche Einschätzung der Betroffenen und das richtige Vorgehen bei Rettung und Weiterbehandlung. Vor allem bei schwerer Unterkühlung müssen alle beteiligten Einsatzorganisationen gut zusammenarbeiten.
Auch den Beitrag „Zusammenarbeit am Lawinenkegel: Gemeinsam gegen die Zeit” übernahm Dr. Christoph Castellani kurzfristig. Er zeigte, wie wichtig eine schnelle und abgestimmte Rettung nach Lawinenunfällen ist. Wichtig sind dabei die rasche Ortung und Rettung der Verschütteten, die medizinische Erstversorgung, die Sicherung der Atemwege und die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte.
Fünf Stationen für die Praxis
Nach den Vorträgen trainierten die Teilnehmenden im Stationsbetrieb medizinische Notfälle unter realitätsnahen Bedingungen, mit Technik und Instruktorinnen und Instruktoren des Simulations- und Trainingszentrums sowie Unterstützung der Feuerwehr Kirchberg a.d. Raab. Von fünf Stationen konnten jeweils zwei besucht werden:
Basic Life Support: Basismaßnahmen bei Kreislaufstillstand, v. a. Herzdruckmassage und strukturierte Reanimation.
Reanimation bei Kälte (ALS): erweiterte Wiederbelebung schwer unterkühlter Personen.
Hypothermie-Rettung & Eiseinbruch: Versorgung und schonende Rettung nach Eiseinbruch.
Atemschutznotfall: Hyperthermie: Notfall bei hitzebelastetem Atemschutzgeräteträger erkennen und versorgen.
Space Blanket – das NASA-Tool im Notfallrucksack: Rettungsdecken für Wärmeerhalt und Temperaturmanagement.
So konnten die Mediziner Abläufe festigen, unter Zeitdruck entscheiden und Teamarbeit üben; zusätzlich wertvoll war der Austausch zwischen Feuerwehrärzten und Einsatzärzten anderer Organisationen.
Dank an viele Beteiligte
Am Ende bedankte sich LFA Dr. Johannes Heidinger bei allen, die geholfen haben, die Veranstaltung gelingen zu lassen. „Es braucht viele Zahnrädchen, die reibungslos ineinandergreifen müssen, damit ein Fortbildungstag auf diesem fachlich hohen Niveau und in dieser Qualität überhaupt möglich wird”, sagte Heidinger. Besonders dankte er seinem Vorgänger, Ehren-Landesfeuerwehrarzt MR Dr. Josef Rampler, MSc. Nach zwanzig Jahren engagierter Arbeit konnte Heidinger von ihm ein, wie er es nannte, „bestens bestelltes Haus” übernehmen.
Heidinger dankte außerdem der KAGes und vor allem dem Medizinischen Simulations- und Trainingszentrum unter der Leitung von Mag. Alfred Meißl. Auch die Geschäftsführung und alle Instruktorinnen und Instruktoren bekamen Dank für ihre professionelle Hilfe. Ebenso dankte er allen Referenten, deren Fachwissen die Qualität der Tagung stark geprägt hat.
Ein besonderes Lob ging an die FF Kirchberg a.d. Raab mit HBI Wolfgang Dirnbauer und seinem Team und an BFA Dr. Christoph Castellani. Beide halfen vor Ort tatkräftig bei Organisation und Durchführung mit. Zuletzt dankte Heidinger dem Team des LFV Steiermark, vor allem der Sachbearbeiterin BI d.LFV Helga Scheer. Sie hatte großen Anteil an der Vorbereitung und Abwicklung.
LFA Dr. Heidinger sagte zum Schluss: „Mein Dank gilt aber auch allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Mit ihrem Interesse, ihrer Mitarbeit und dem fachlichen Austausch haben sie diesen Fortbildungstag zu dem gemacht, was er letztlich war, eine rundum gelungene Veranstaltung.”
Quelle: https://www.lfv.steiermark.at/Home/Aktuelles/feuerwehr-und-einsatzaerzteseminar-2026.aspx
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