FHV setzt auf KI-gestützte Prüfungen in der Pflege

An der Fachhochschule Vorarlberg kommt künstliche Intelligenz bei der Entwicklung neuer Prüfungsformate zum Einsatz. Im Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege werden Studierende nun anhand realistischer Fallbeispiele geprüft.
Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Hochschuldidaktik: An der FHV nutzen Lehrende generative KI-Tools wie ChatGPT oder Claude, um neue Lehr- und Prüfungsformate zu entwickeln. Im Bachelorstudium Gesundheits- und Krankenpflege wurde damit ein praxisnahes Prüfungskonzept erarbeitet.
Vom Wissenstest zum Dialog
Hochschullehrer Peter Jäger entwickelte gemeinsam mit Samuel Ganahl und Irene Müller ein neues Format für die Abschlussprüfung. Unterstützt wurden sie von Diana Brodda, Leiterin des Fachbereichs Soziales & Gesundheit, und Studiengangsleiter Arno Geiger. Beim Erstellen der Fallbeschreibungen und der Prüfungsstruktur kam generative KI zum Einsatz.
„Die Bachelorprüfung basiert nun auf konkreten Fällen, zu denen die Studierenden interdisziplinäre Fragestellungen bearbeiten. Anders als zuvor mit einer klassischen Abfrage des Wissens in Form von Fragen und Antworten hat sich die Prüfung nun viel mehr zu einem Dialogformat entwickelt“, erklärt Jäger.
Komplexe Fälle statt Faktenwissen
Ein Beispiel: Ein zehnjähriges Kind mit Diabetes Typ 1, dessen Familie im Umgang mit Behandlung, Ernährung und Unterzuckerungen noch unsicher ist. Aus dieser Ausgangslage entwickelte das Team mit KI-Unterstützung eine vielschichtige Fallbeschreibung samt Prüfungsfragen. Die Studierenden müssen dabei nicht nur pflegerische und medizinische Aspekte analysieren, sondern auch Alter, familiäres Umfeld, kulturelle Einflüsse und die Versorgung im ländlichen Raum berücksichtigen.
Statt Gelerntes wiederzugeben, müssen sie Zusammenhänge erkennen, Maßnahmen ableiten und ihre Entscheidungen begründen. Die Prüfungssituation bildet damit realitätsnah ab, was den Studierenden später im Berufsalltag begegnet.
Kompetenzfelder besser abgedeckt
„Es gelingt uns nun, die Kompetenzfelder im Sinne der Curriculum-Anforderungen viel besser zu prüfen. Die Verknüpfung mit den Fällen ist viel anwendungsorientierter und fordert die Studierenden auf, selbst Lösungen aus dem gelernten Wissen zu entwickeln“, resümiert Jäger. Die anwendungsorientierte Auseinandersetzung fördere zugleich kritisches Denken, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Anpassungsfähigkeit und Selbstreflexion.
Bis der Prototyp stand, durchliefen Fälle und Fragen mehrere Evaluationsschleifen. Auch Lehrende im Studiengang und die Prüfungskommission wurden einbezogen. Das Team entwickelte einen Blueprint, der auch für andere Prüfungen funktioniert – die Ergebnisse bleiben dennoch individuell, betont Jäger.
Das Feedback der ersten Kohorte fällt positiv aus: „Sie verknüpfen ihr Wissen mit realen Situationen. Da sie im Studium einen hohen Praxisanteil absolvieren, gelingt ihnen dieser Transfer sehr gut.“
KI-Workshops für Lehrende
Die Weiterentwicklung von Hochschullehre hat an der FHV hohen Stellenwert. Im Teaching Excellence & Lifelong Learning Center (TELL) beschäftigen sich Lehrende in Workshops mit KI in der Lehrveranstaltungsplanung, Prüfungsdidaktik und im wissenschaftlichen Arbeiten. KI verändert damit nicht nur, wie Studierende lernen, sondern auch die Arbeit der Lehrenden selbst.
Quelle: https://www.fhv.at/magazin/prufen-mit-ki-mehr-praxis-weniger-wissensabfrage-35944
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