Flugbegleiter üben Notfälle am Flughafen Wien-Schwechat

Mathias FischerMathias Fischer
Flugzeug auf Rollfeld mit Bergkulisse im Hintergrund
© Frederick Sams/sams-foto.com

Am Trainingsgelände des Flughafens Wien-Schwechat werden Kabinenpersonal-Mitarbeiter in Ernstfallszenarien geschult. In einem Flugzeug-Nachbau trainieren sie Druckverlust, Erste Hilfe und Evakuierungen, so der ORF.

Wenn im Flugzeug plötzlich die Sauerstoffmasken herunterfallen, muss das Kabinenpersonal schnell reagieren. Am Trainingsgelände des Flughafens Wien-Schwechat im Bezirk Bruck an der Leitha wird ein solcher unerwarteter Druckverlust in einem Mock-up simuliert. Die Aufgabe der Flugbegleiterinnen: Die Sicherheit aller Personen an Bord bestmöglich gewährleisten, während das Flugzeug die Reisehöhe reduzieren muss.

Die Austrian Airlines (AUA) gewährte bei einem nachgestellten Training Einblicke in die Sicherheitsszenarien. Bei echten Trainings sind Filmaufnahmen nicht erlaubt. In ziviler Kleidung müssen vier Flugbegleiterinnen in jedem Szenario als Team funktionieren und trotz Stress einen kühlen Kopf bewahren.

Wiederholungen schaffen Sicherheit

Daniela Zafiriadis, Teamleiterin für das Safety and Security Training bei der AUA, betont die Bedeutung der Übungen: „Ich glaube, jedes einzelne Szenario ist eine Herausforderung und deswegen trainieren wir, damit wir in einem solchen Szenario immer auf unser Wissen zurückgreifen können. Sicherheit basiert auf Wiederholungen“, so Zafiriadis.

Flugbegleiterin Petra Hochreiter spricht von Sicherheit und Selbstvertrauen durch die Trainings. Druck und Stress würden simuliert, was das Ganze intensiv, aber auch wertvoll mache.

Evakuierung in 90 Sekunden

Neben Erste-Hilfe-Maßnahmen müssen die Flugbegleiterinnen auch eine schnelle Evakuierung nach einer Notlandung beherrschen. In einem weiteren Szenario erhalten sie die Anweisung zur Evakuierung und beginnen zu rufen: „Notfall, Sitzgurte öffnen, raus“. Mit Taschenlampen weisen sie den Weg zu den Notausgängen.

Julia Steiger-Tösch, ebenfalls Teamleiterin für das Safety and Security Training bei der AUA, erklärt: Wenn der Ernstfall eintrete, wisse jeder genau, welche Rolle er einnehmen müsse. Für Diskussionen an Bord gebe es dann keine Zeit mehr. In Sekundenschnelle müsse klar sein, wer welche Aufgabe habe.

Das laute Rufen während der Übungen hat einen wichtigen Grund: Passagiere müssen gegebenenfalls aus der Schockstarre geholt werden, erläutert Zafiriadis. Durch das Schreien zeige man ihnen den Weg und den richtigen Ausgang, um das Flugzeug so schnell wie möglich zu evakuieren.

Internationale Vorgaben schreiben vor, dass ein Flugzeug nach einem Notfallszenario und einer Notlandung innerhalb von 90 Sekunden evakuiert werden sollte – selbst wenn nur 50 Prozent der Türen benutzbar sind.

Spezielle Trainings für unterschiedliche Flugzeugtypen

Weil die Türen bei verschiedenen Flugzeugtypen unterschiedlich sind, gibt es am Trainingsgelände eigene „Doortrainings“. Von sämtlichen Flugzeugen wurden die Notausgänge nachgebaut. Die Flugbegleiterinnen müssen stets wissen, wie eine entsprechende Tür zu öffnen ist.

Zusätzlich werden sie auf unterschiedliche Szenarien abgeprüft. Ist beispielsweise außerhalb des Flugzeugs ein Feuer zu sehen, darf die Tür keinesfalls geöffnet werden. Eine Entscheidung, die binnen kürzester Zeit erforderlich ist.

Abwechslungsreicher Beruf trotz seltener Notfälle

Auch wenn Notfälle zum Glück nur selten vorkommen, sind sie Teil des Berufs. Dieser habe trotzdem viele Facetten. „Der Job ist so außergewöhnlich, weil er einfach extrem abwechslungsreich ist“, erzählt Steiger-Tösch. Es sei eben kein Nine-to-five-Job.

Für Flugbegleiterin Hochreiter überwiegen die positiven Seiten: Sie sei immer noch fasziniert, wenn sie aus dem Fenster schaue und über schöne Landschaften fliege.

Quelle: https://noe.orf.at/stories/3360591/

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