Flughafen Wien: Ermittlungen nach Bombendrohungen

Nach den Droh-E-Mails gegen mehrere Flüge am Donnerstag ermittelt das Landesamt Staatsschutz und Extremismusbekämpfung Niederösterreich. Die Behörden halten sich aus Angst vor Nachahmern bedeckt.
Spezialisten des Landesamts Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) Niederösterreich führen die Erhebungen zu den Droh-E-Mails, die am Donnerstag an den Flughafen Schwechat geschickt wurden. Die Landespolizeidirektion äußerte sich auf Anfrage nur zurückhaltend zur Causa – auch wegen der Gefahr möglicher Nachahmungstäter.
Quer durch Europa waren am Donnerstag Bombendrohungen gegen mehrere Flüge ausgesprochen worden. Vier Flüge waren am Wiener Flughafen per E-Mail bedroht worden. Eine Wizz-Air-Maschine auf dem Weg von Mailand-Malpensa nach Warschau musste wegen einer weiteren Drohung in Wien zwischenlanden. Nach der Landung fanden die Behörden keine verdächtigen Gegenstände, der Airbus A321 verließ den Airport noch am Vormittag. Keine der Drohungen erwies sich bisher als echt.
Auch ein Finnair-Flug von Helsinki nach Wien war von einer Bombendrohung betroffen, wie die finnische Fluggesellschaft mitteilte. Die von Jettime durchgeführte Verbindung landete planmäßig in Wien. Der laufende Flugbetrieb sei generell nicht beeinträchtigt, so der Flughafen Wien.
Rund 20 Flüge in Europa betroffen
Bereits zum dritten Mal innerhalb einer Woche brachten falsche Bombendrohungen den europäischen Flugverkehr durcheinander. Am Donnerstag waren rund 20 Flüge betroffen, mehrere Maschinen wurden umgeleitet oder von Militärflugzeugen eskortiert. Betroffen waren nach Angaben von Behörden und Fluggesellschaften vor allem Verbindungen von und nach Italien, Bulgarien und Tschechien. Unter anderem Ryanair, Finnair, Wizz Air und Aer Lingus waren betroffen. Alle Flugzeuge landeten sicher, Sprengsätze wurden nirgends gefunden.
An mehrere E-Mail-Adressen des Flughafens Sofia ging eine Nachricht, in der von Sprengkörpern auf mehreren Flügen und im Flughafen die Rede war. „Wir, die Kämpfer des Männerstaats, werden mit unseren heutigen Taten in die Geschichte eingehen. Euer feministisches Regime wird sich für immer daran erinnern“, hieß es darin.
Rechtsextreme Gruppierung aus Russland
In Russland existiert eine rechtsextreme und antifeministische Gruppierung namens „Männerstaat“. Ob sie hinter der Nachricht steckt, ließ sich zunächst nicht verifizieren. Lou Osborn von der NGO Inpact, die geheime russische Aktivitäten überwacht, zufolge hat die Gruppierung tausende Mitglieder und unterstützt den Krieg gegen die Ukraine. Auch die in Rom eingegangenen E-Mails in schlechtem Italienisch stammten Berichten zufolge von angeblichen Kämpfern eines „Männerstaats“.
In Europa ist die Zahl sogenannter hybrider Angriffe zuletzt gestiegen, die teilweise Russland oder dem Iran zugeschrieben werden. EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas erklärte am Donnerstag, es sei zu früh, um Rückschlüsse auf einen möglichen Zusammenhang zwischen den Bombendrohungen zu ziehen. Die Ermittlungen in den betroffenen Ländern dauern an.
Bereits am Dienstag waren zehn Flugzeuge auf innereuropäischen Verbindungen von Bombendrohungen betroffen gewesen, die sich später als falsch herausstellten. Unter anderem Ryanair war betroffen, ein Warschauer Flughafen wurde kurzzeitig gesperrt. Am Montag war eine Wizz-Air-Maschine wegen einer Drohung umgeleitet worden. In keinem Fall wurde bislang Sprengstoff gefunden.
Quelle: APA/AFP
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