Flughafen Wien führt gekurvte Nachtanflüge ein

Am Flughafen Schwechat sollen ab dem ersten Halbjahr 2027 gekurvte Nachtanflüge auf Piste 16 möglich werden. Die satellitengestützte Navigation ermöglicht es, dicht besiedelte Gebiete zu umfliegen, so der ORF.
Maschinen, die aus dem Norden am Flughafen Wien in Schwechat (Bezirk Bruck an der Leitha) landen, können künftig auch über eine gekurvte Route anfliegen. Ermöglicht wird dies durch satellitengestützte Navigation. Ziel ist es, dicht besiedelte Gebiete nach Möglichkeit zu umfliegen.
Auf Piste 29 werden gekurvte Nachtanflüge bereits seit 2024 genutzt. Nun soll das Verfahren auf Piste 16 ausgeweitet werden. Das neue Verfahren mit der Bezeichnung PBN-to-ILS soll nach Angaben der Austro Control im ersten Halbjahr 2027 eingeführt werden.
Ursprünglich war die Umsetzung noch für Ende 2026 geplant. Wie Austro-Control-Sprecher Markus Pohanka am Donnerstag gegenüber noe.ORF.at bekanntgab, sind aber noch letzte Genehmigungs- und technische Vorbereitungsschritte erforderlich.
Zwölf bis 15 Landungen in der Nacht
Die neue Route ist für die Zeit zwischen 23.30 und 5.30 Uhr vorgesehen. In diesen Stunden ist das Verkehrsaufkommen geringer, sodass die gekurvten Anflüge möglich sind. Nach Angaben von Austro Control landen auf Piste 16 in diesem Zeitraum zwölf bis 15 Flugzeuge pro Nacht.
Die Flugsicherung erwartet durch die geänderte Routenführung eine deutliche Entlastung der Bevölkerung. Die veröffentlichten Lärmberechnungen zeigen, dass bei den neuen Verfahren weniger Menschen innerhalb bestimmter Fluglärmbereiche liegen würden als beim bisherigen Geradeausanflug. Konkrete Zahlen darüber, wie viele Menschen durch die tatsächliche Nutzung entlastet beziehungsweise zusätzlich belastet werden, gibt es laut Austro Control nicht.
Bürgerinitiative warnt vor Lärmverlagerung
Kritik kommt von der Bürgerinitiative Lärmschutz Großgemeinde Groß-Enzersdorf. Sie befürchtet gegenüber noe.ORF.at, dass der Fluglärm durch die neuen Routen teilweise verlagert wird. Während dichter besiedelte Gebiete entlastet würden, könnten einzelne Ortschaften künftig stärker betroffen sein.
„Was stört oder belastet und was den Schlaf unterbricht, sind die Stärke, Dauer und Häufigkeit der Einzelereignisse“, meint Adolf Obrist von der Bürgerinitiative.
Besonders kritisch sieht die Initiative eine zweite geplante Variante mit der Bezeichnung RNP AR. Diese ermöglicht eine stärker gekurvte Anflugroute. Nach Einschätzung der Initiative könnten dadurch unter anderem Oberhausen, Mühlleiten, Franzensdorf und Rutzendorf (alle Bezirk Gänserndorf) zusätzlich belastet werden.
Obrist verweist gegenüber noe.ORF.at auf die geringeren Abstände zwischen den geplanten Flugrouten und den Wohngebieten. Die Initiative fordert eine vollständige Nachtflugpause mit Ausnahmen nur für Notfälle. Für das zweite Anflugverfahren gibt es laut Austro Control noch keinen konkreten Einführungstermin.
Stadtgemeinde sieht Änderungen mit Bedenken
Auch die Stadtgemeinde Groß-Enzersdorf sieht die Änderungen mit Bedenken. Bürgermeisterin Monika Obereigner-Sivec (SPÖ) verweist darauf, dass eine Verlegung der Flugrouten innerhalb des Gemeindegebiets manche Ortsteile entlasten und andere zusätzlich belasten würde. Stärker betroffen sein werden laut der Bürgermeisterin die Ortschaften östlich der Stadtgemeinde, beginnend mit Oberhausen.
Die Gemeinde sei Mitglied des Dialogforums Flughafen Wien und habe die geplanten Änderungen deshalb kritisch beurteilt, weil dadurch neue Betroffene hinzukommen könnten. Sie fordert eine genaue Überprüfung der Auswirkungen sowie weitere Verbesserungen, etwa bei den Abflugrouten und den Nachtflugregelungen.
Gleichzeitig sieht die Bürgermeisterin in modernen Anflugverfahren langfristig die Möglichkeit, derzeit besonders betroffene Stadtgebiete zu entlasten. Die Gemeinde wolle sich weiterhin für Verbesserungen und Ruhezeiten in den Nachtstunden einsetzen.
Auswirkungen anhand von Simulationen untersucht
Die Auswirkungen der geplanten Routen wurden von der Austro Control anhand von Lärmsimulationen untersucht. Dabei wurden die Flugrouten mit der Bevölkerungsverteilung in den betroffenen Gebieten verglichen. In den veröffentlichten Informationen wird auch ein angenommener Maximalpegel von 80 Dezibel genannt. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass dieser Wert in einer bestimmten Ortschaft tatsächlich erreicht wird.
Worüber spricht Gänserndorf morgen?
Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.
Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.