Forschung zu pflegenden Männern am IMC Krems gestartet

Mathias FischerMathias Fischer
Zwei Hände, die sich halten: eine jüngere und eine ältere Hand, die Trost spendet.
© Adobe Stock, Evelyn Haberl

Eine Wissenschaftlerin am IMC Krems untersucht in den kommenden drei Jahren, was Männer dazu motiviert, pflegende Angehörige zu werden. Im Fokus stehen Vorbilder, biografische Erfahrungen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen.

Evelyn Haberl vom Institut für Therapie- und Hebammenwissenschaften des IMC Krems erforscht, welche Faktoren Männer zur Übernahme von Sorgeverantwortung bewegen. Die ausgebildete Ergotherapeutin und Innenraumgestalterin erhielt eine Dissertant*innen-Stelle der Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich für ihr Projekt „Caring Partners“.

Persönliche Erfahrungen prägten ihren Forschungsweg: Der Schlaganfall ihres Großvaters konfrontierte sie früh mit häuslicher Pflege. Zudem lebt sie seit ihrer Jugend mit chronischen Erkrankungen und kennt die Situation, auf Unterstützung angewiesen zu sein. „Ich sehe mich an der richtigen Stelle, um mit meiner Arbeit einen sinnvollen Beitrag zu leisten“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Ressourcen statt Defizite im Blick

Das Forschungsprojekt nimmt bewusst Ressourcen in den Fokus. Haberl will analysieren, was Männer motiviert, sich als pflegende Angehörige zu engagieren – ein Thema, das bisher nur begrenzt erforscht wurde. Die Absolventin des Master-Studiengangs „Allgemeine Gesundheitswissenschaften“ möchte aus den Erfahrungen von Männern mit Sorgeverantwortung lernen.

Wenn sie von ihrem Projekt erzählt, reagieren Menschen meist mit Begeisterung und Anerkennung. Viele teilen eigene Erfahrungen und bestätigen traditionelle Rollenverteilungen, wonach Pflege als Aufgabe von Frauen gesehen wird. Männer erzählen etwa Geschichten, in denen Mütter nach einem Schlaganfall eher von Töchtern und Schwiegertöchtern als von Söhnen gepflegt wurden.

Konzept der „Caring Masculinity“

Die Forscherin arbeitet mit dem Konzept der „Caring Masculinity“ – einem Männlichkeitsbild, das Fürsorge und Verantwortung integriert. In qualitativen Interviews will sie prägende Erlebnisse und Einflussfaktoren in der Biografie analysieren. Dabei interessiert sie, welche Vorbilder es gab und ob die Männer selbst Pflege oder Unterstützung erfahren haben.

Parallel plant Haberl Befragungen von Millennials, die zwischen 1981 und 1996 geboren wurden. Mit ihnen will sie über Erwartungen, Vorstellungen und Befürchtungen beim Thema Sorgearbeit sprechen. Insgesamt sind je 20 persönliche Interviews in beiden Gruppen in Niederösterreich geplant. Mit kreativen Techniken der Life Course Theory sollen Lebenswege abgebildet werden.

Ihr methodischer Zugang ist die Grounded Theory: „Ich passe mit jedem geführten Interview meinen Interviewleitfaden weiter an, wenn es notwendig ist“, erläutert die Wissenschaftlerin. Abschließend sind Workshops geplant, in denen Männer verschiedener Altersgruppen und Lebenssituationen gemeinsam Handlungsempfehlungen für eine gerechtere Verteilung von Care-Arbeit für das Land Niederösterreich entwickeln sollen.

Studiendesign und internationale Vergleiche

Seit März 2026 arbeitet die Doktorandin an ihrem Studiendesign und stellt aktuell den Antrag bei der Ethikkommission. Sie blickt auch nach Schweden, wo Care-Arbeit vergleichsweise gleichmäßiger zwischen Frauen und Männern verteilt ist und entsprechende Forschungsergebnisse vorliegen.

Die Dissertation wird am IMC Krems von Hanna Köttl betreut und an der Universität Wien am Institut für Pflegewissenschaft. Parallel baut Haberl ein Netzwerk auf, um passende Interviewpartner zu rekrutieren.

Am wissenschaftlichen Arbeiten schätzt sie das Lösen von Rätseln und die Verbindung ihrer frühen Berufswünsche Schriftstellerin und Erfinderin: „Ich muss einerseits die richtigen Worte finden und bewusst setzen und andererseits verstehen, warum Dinge so sind, wie sie sind, und wie sie verbessert werden können.“

Quelle: https://www.imc.ac.at/ueber-uns/medien-presse/news/detail/ressourcen-fuer-neue-rollenbilder

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