Franz-Nabl-Erstausgabe mit Widmung aufgetaucht

Pia ProdingerPia Prodinger
Buchcover: Franz Nabl, Die Zweite Heimat, Leykam Verlag Graz
© Lena Prehal

Ein Exemplar von Franz Nabls autobiografischer Textsammlung „Die zweite Heimat“ ist nach Umwegen über einen Grazer Flohmarkt an das Franz-Nabl-Institut gelangt. Die Erstausgabe von 1963 enthält eine eigenhändige Widmung des Autors und einen historischen Zeitungsausschnitt.

Das Franz-Nabl-Institut erhielt vor rund einem halben Jahr eine bemerkenswerte Schenkung: eine Erstausgabe von Franz Nabls autobiografischer Textsammlung „Die zweite Heimat“, die 1963 im Leykam-Verlag veröffentlicht wurde. Das Exemplar war zuvor auf einem Grazer Flohmarkt entdeckt worden und dürfte im Laufe der Jahre mehrfach den Besitzer gewechselt haben.

Besonders wertvoll ist das Buch aufgrund zweier Beigaben. Zum einen enthält es eine handschriftliche Widmung des Autors auf dem Vorsatzblatt, zum anderen wurde zwischen den Seiten ein Zeitungsausschnitt aus der steirischen Südost-Tagespost aufbewahrt. Über die Stationen, die das Buch bis zu seiner Wiederentdeckung durchlaufen hat, ist allerdings nichts Näheres bekannt.

Widmung für eine junge Empfängerin

Die persönliche Widmung deutet darauf hin, dass sich das Buch einst im freundschaftlichen oder familiären Umfeld von Franz Nabl befand. Für „Roswitha zum 13. Geburtstag“ verfasste der Schriftsteller ein kurzes Gedicht, in dem er an ihren offenbar bereits verstorbenen Vater erinnert. Dieser habe ihm auf dem Weg in seine „zweite Heimat“ unterstützend die Hand gereicht. Unterzeichnet ist die Widmung mit den Worten „Dein Wahl-Ururonkel“, was auf ein besonders vertrautes Verhältnis zur Adressatin schließen lässt.

Wer genau mit der Formulierung „Dein Vater“ gemeint ist, lässt sich anhand der vorhandenen Quellen nicht eindeutig klären. Inhaltliche Parallelen finden sich jedoch im einleitenden Prosatext des Buches. Darin erwähnt Nabl die Freunde Hans Kloepfer, Karl Adolph Mayer und Viktor von Geramb, die ihn nach seiner Ankunft in der Steiermark herzlich aufgenommen hätten.

Die Steiermark als zweite Heimat

Mit dem Titel „Die zweite Heimat“ bezieht sich Nabl auf die Steiermark und insbesondere auf Graz, das für ihn zur Wahlheimat wurde. Geboren wurde der Autor 1883 im böhmischen Lautschin, seine Jugend verbrachte er vor allem in Wien und Baden. Zwischen 1924 und 1927 arbeitete er als Feuilletonredakteur beim Grazer Tagblatt und lebte in dieser Zeit erstmals in Graz. Nach einem weiteren Aufenthalt in Baden kehrte er 1934 dauerhaft in die Steiermark zurück.

Der Band aus dem Jahr 1963 zeichnet diesen Lebensweg anhand von Erinnerungen, Anekdoten und persönlichen Betrachtungen nach. Nabl beschreibt Landschaften, Orte und kulturelle Besonderheiten der Steiermark ebenso wie verschiedene Arbeitswelten. In dem Text „Die mütterliche Stadt“ schildert er Graz als Ort von Ruhe und Geborgenheit, während andere Beiträge etwa die Eisenproduktion oder die Arbeit der Holzknechte thematisieren.

Zeitungsausschnitt erinnert an Festakt

Zur Schenkung gehört außerdem ein undatierter Zeitungsausschnitt aus der Südost-Tagespost, einer von 1945 bis 1987 erschienenen steirischen Tageszeitung. Der Beitrag berichtet über eine Ehrung Nabls anlässlich seines 85. Geburtstags im Rahmen des Steirischen Herbstes. Auf einem beigefügten Foto ist der Schriftsteller im Weißen Saal von Schloss Eggenberg gemeinsam mit Landeshauptmann Josef Krainer, Unterrichtsminister Theodor Piffl-Perčević und Landeshauptmannstellvertreter Hanns Koren zu sehen.

Die Feier fand am 6. Oktober 1968 statt. Für die musikalische Gestaltung sorgte die Bläservereinigung der Grazer Philharmoniker mit Mozarts Divertimento Nr. 8. Hanns Koren hielt die Festrede, Schauspieler Otto David las die Erzählung „Das Meteor“, ehe Nabl selbst aus seinen Werken vortrug. Die Veranstaltung unterstrich die bedeutende Stellung des Autors im damaligen steirischen Kulturleben.

Unklar bleibt sowohl, wer den Zeitungsausschnitt einst in das Buch legte, als auch, auf welchem Weg das Exemplar schließlich auf dem Flohmarkt landete. Mit der Übergabe an das Franz-Nabl-Institut hat die besondere Ausgabe nun jedoch einen dauerhaften Platz zur Aufbewahrung gefunden.

Quelle: https://www.literaturhaus-graz.at/news/franz-nabls-die-zweite-heimat

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