Franziskanerinnen feiern 150 Jahre in Amstetten

Mathias FischerMathias Fischer
Gruppe von Geistlichen, Ordensschwestern und Kindern in einer Kirche in Österreich
© Wolfgang Zarl

Die Franziskanerinnen von Amstetten begingen ein Doppeljubiläum. In einem Festgottesdienst gedachte die Ordensgemeinschaft dem 800. Todestag des heiligen Franz von Assisi und blickte auf 150 Jahre Wirken in der Region zurück.

In der Klosterkirche versammelten sich zahlreiche Ordensfrauen aus verschiedenen Standorten, Priester, Wegbegleiter sowie Stadtvertreter zum Festakt. Bürgermeister Christian Haberhauer sowie die Vizebürgermeister Markus Brandstetter und Gerhard Riegler nahmen an der Feier teil. Die Generalvikarin der Gemeinschaft, Sr. Elvira Reuberger, zeigte sich erfreut über die volle Kirche und sprach von zwei bedeutenden Jubiläen.

Der 3. Oktober markierte den 800. Todestag des Ordensgründers Franz von Assisi. Gleichzeitig kann die Gemeinschaft auf eine 150-jährige Geschichte in Amstetten zurückblicken. Das dortige Mutterhaus bildet bis heute das Zentrum der Kongregation, die mit den Standorten Hainstetten, Zwettl, Langenlois und St. Pölten verbunden ist.

Von der Volksschule zum Bildungscampus

Die Anfänge der Schwestern-Gemeinschaft in Amstetten liegen in der Gründung einer Volksschule und eines Kindergartens im Jahr 1876. Seither begleiteten die Franziskanerinnen zahlreiche Kinder und Jugendliche auf ihrem Bildungsweg und prägten verschiedene Bildungseinrichtungen.

Das heutige Bildungsangebot umfasst einen Praxis-Kindergarten, eine Private Volksschule, die Private Mittelschule, Wirtschaftsschulen sowie die BAfEP Amstetten (Bildungsanstalt für Elementarpädagogik). Bis zu 700 Kinder und Jugendliche werden an den Einrichtungen unterrichtet, gefördert und begleitet. Seit dem Schuljahr 2022/23 wird das operative Bildungsnetzwerk über den Verein für Franziskanische Bildung (VfFB) geführt.

Predigt würdigt Bildungsarbeit für benachteiligte Mädchen

Pfarrer Peter Bösendorfer hob in seiner Predigt die große Bedeutung der Schwestern für die Region hervor. Sie hätten vielen Menschen Zugang zu Bildung ermöglicht, vor allem auch Mädchen aus armen Verhältnissen. Generationen hätten hier eine Stütze für das Leben bekommen.

Die Franziskanerinnen würden Kinder und junge Menschen in die Mitte stellen, so wie es Jesus gelehrt habe. Beim Blick auf die Vergangenheit – in der es auch Schwierigkeiten gegeben habe – stelle sich für die Franziskanerinnen auch die Frage nach der Zukunft. Die Schulen seien zwar stark vom franziskanischen Geist geprägt, aber Franziskanerinnen wirkten an den Bildungseinrichtungen nicht mehr. Die Geschichte habe jedoch gezeigt, dass die Franziskanerinnen immer wieder neue zukunftsorientierte Wege gefunden hätten.

Bösendorfer dankte den Schwestern für die besondere Vermittlung: „Du bist begabt, Du bist gesegnet, Du hast Zukunft“.

Bürgermeister betont franziskanische Werte

Bürgermeister Christian Haberhauer würdigte in seinen Grußworten 150 Jahre Schulschwestern der Franziskanerinnen in Amstetten als beeindruckende Erfolgsgeschichte gelebter Bildungsarbeit. Über Generationen hinweg hätten die Ordensfrauen die Stadt nachhaltig geprägt und unzählige junge Menschen auf ihrem Lebensweg begleitet.

Haberhauer betonte besonders die franziskanischen Werte wie Nächstenliebe, Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung, die gerade in einer Zeit großer Veränderungen von besonderer Bedeutung seien. Er dankte den Ordensschwestern sowie allen Pädagoginnen und Pädagogen für ihren unermüdlichen Einsatz und wünschte der gesamten Schulgemeinschaft weiterhin viel Kraft, Freude und Erfolg: „Bildung eröffnet Chancen. Bildung ist die Basis für das gesamte weitere Leben.“

Nach dem Festgottesdienst ließen die Schwestern und ihre Gäste den besonderen Tag bei einer gemeinsamen Agape im Klosterhof ausklingen. Der Kinderchor sowie weitere Kirchenmusiker gestalteten die Feier musikalisch.

Vom Mutterhaus Judenau nach Amstetten

Die Wurzeln der Amstettner Franziskanerinnen reichen bis ins Jahr 1723 zur Ordensgründung durch Maria Theresia Zechner in Hallein zurück. Am Osterdienstag 1876 bezogen die ersten vier Schulschwestern eine neu errichtete Lehr- und Erziehungsanstalt für Mädchen in Amstetten. Die Einrichtung war mit finanzieller Unterstützung von Kaiserin Karolina Augusta und dem lokalen Bauern Johann Datzberger erbaut worden.

Aufgrund des raschen Wachstums der Schule und der Gemeinschaft errichteten die Schwestern eine eigene, dem heiligen Franziskus geweihte Klosterkirche. Das Bildungsangebot wurde in den Folgejahrzehnten kontinuierlich ausgebaut, unter anderem durch die Gründung einer Bürgerschule im Jahr 1893 und der Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen im Jahr 1923.

Ein tiefgreifender Einschnitt folgte im Jahr 1938 unter dem Nationalsozialismus. Die Nationalsozialisten enteigneten das bisherige Mutterhaus in Judenau und verboten den Schwestern jegliche Unterrichts- und Erziehungstätigkeit. Infolge dieser Vertreibung wurde das Kloster in Amstetten zum neuen, offiziellen Mutterhaus der Kongregation bestimmt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahmen die Schwestern den Schulbetrieb sofort wieder auf und erweiterten ihn 1948 um die Wirtschaftsschulen, um jungen Menschen im Mostviertel eine fundierte berufliche Perspektive zu bieten. Heute sind alle diese Schulen an einem zentralen Campus in Amstetten vereint.

Quelle: https://www.amstetten.at/aktuelles/franziskanerinnen-feiern-grosses-doppeljubilaeum

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