Frau rettet Mann aus steiler Felswand am Breitenberg

Mathias FischerMathias Fischer
Helikopter und Drohne im Einsatz am Breitenberg, 300 Meter Höhe
© Mit KI (Gemini) generiert

Eine Vorarlbergerin hat mit ihrer Aufmerksamkeit einem 42-Jährigen das Leben gerettet. Der Mann klammerte sich halbnackt in 300 Metern Höhe an eine Felswand, nachdem er „einfach mal“ das Bergsteigen ausprobieren wollte, so der ORF.

Gülsen Nergiz Saskin-Sisman verbrachte mit ihrer Cousine einen gemütlichen Abend auf der Veranda, als sie plötzlich Rufe hörten. Zunächst klang es nach einem einfachen „Hallo“, doch dann wurden daraus verzweifelte Hilferufe. Die beiden Frauen horchten genauer hin – eine Entscheidung, die lebensrettend sein sollte.

Um die genaue Position des Hilfesuchenden zu bestimmen, holte der Ehemann von Saskin-Sisman einen hellen Bauscheinwerfer in den Garten. Er schwenkte das Licht hin und her. Der Mann in Not reagierte: Sobald der Lichtstrahl in Richtung Felswand zeigte, schrie er. Wurde das Licht weitergeschwenkt, verstummte er. So konnten die Helfer feststellen, dass sich der Verunglückte irgendwo am Steinbruch am Breitenberg befinden musste.

Präzise Ortsangabe ermöglichte Rettung

Saskin-Sisman setzte einen Notruf ab und konnte den Einsatzkräften die Richtung beschreiben, aus der die Hilferufe kamen. Diese Information erwies sich als entscheidend, wie die Bewertungskommission für den Zivilcourage-Preis DECUS des ORF Vorarlberg später feststellte.

Die Feuerwehr Dornbirn setzte eine Drohne ein, die von der Veranda aus beobachtet werden konnte. Die Felswand liegt etwa 300 Meter vom Haus entfernt. Die Drohne entdeckte schließlich einen halbnackten Mann, der sich rund 300 Meter über dem Boden an die Felswand klammerte. Er trug lediglich eine Hose und eine Wollhaube.

Hubschrauber-Einsatz wegen Absturzgefahr

Wegen der akuten Absturzgefahr musste ein Hubschrauber angefordert werden, da die Rettungskräfte vom Boden aus nicht schnell genug zu dem Mann gelangen konnten. Die Schweizer Rettungsflugwacht REGA wurde zur Unterstützung gerufen. Saskin-Sisman verfolgte die gesamte Aktion von der Veranda aus.

Der 42-Jährige wurde schließlich mit einer Rettungswinde aus seiner lebensgefährlichen Lage befreit. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits stark unterkühlt und litt unter massiven Muskelkrämpfen. Nach der Erstversorgung wurde er ins Krankenhaus Dornbirn gebracht.

Die beiden Frauen blieben bis zum Schluss wach. Die Cousine ging erst danach nach Hause, Saskin-Sisman fiel am frühen Morgen erschöpft ins Bett – musste aber wenig später bereits wieder zur Arbeit aufbrechen.

Bergsteigen „einfach mal ausprobieren“

Die Hintergründe des Vorfalls bleiben weitgehend unklar. Bei den polizeilichen Ermittlungen gab der Mann an, er habe das Bergsteigen „einfach mal ausprobieren wollen“. Warum er ohne Vorkenntnisse und halbnackt auf einen Berg stieg, kann sich Saskin-Sisman ebenso wenig erklären wie die Einsatzkräfte. Sie zeigt sich bescheiden: „Aber ich bin froh, dass ich ihn gehört habe und er gerettet worden ist.“

Die Bewertungskommission würdigte bei der Preisverleihung im ORF Landesstudio Vorarlberg ihr „sofortiges, mutiges und koordiniertes Handeln in einer akuten Gefahrensituation“ mit dem DECUS-Preis.

Die DECUS-Verleihung ist eine gemeinsame Initiative von ORF Vorarlberg, Rotes Kreuz Vorarlberg und den Vorarlberger Raiffeisenbanken – in Zusammenarbeit mit Arbeiter-Samariter-Bund, Wasserrettung, Feuerwehr, Bergrettung und Polizei. Mit der Ehrung unterstreichen die beteiligten Organisationen die Bedeutung von Erster Hilfe und Zivilcourage.

Quelle: https://vorarlberg.orf.at/stories/3375074/

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