Frauen arbeiten 70 Tage im Jahr unbezahlt

Der Equal Pay Day zeigt in Oberösterreich die anhaltende Einkommenslücke: Frauen erhalten bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung durchschnittlich 19,1 Prozent weniger Gehalt als Männer. SPÖ-Vertreter fordern mehr Lohntransparenz und bessere Aufstiegschancen.
Rechnerisch bedeutet die Einkommenslücke von 19,1 Prozent, dass Frauen an 70 Tagen pro Jahr ohne Bezahlung tätig sind. Darauf machen SPÖ-OÖ-Landesparteivorsitzender Landesrat Martin Winkler und SPÖ-OÖ-Landesfrauenvorsitzende Renate Heitz anlässlich des Equal Pay Day aufmerksam. Sie verlangen konkrete Schritte für gerechte Gehaltsstrukturen und gleiche berufliche Chancen.
Frauenberufe werden schlechter bezahlt
Täglich leisten Frauen unverzichtbare Arbeit in Betrieben, Handel, Pflege und Sozialbereich. Trotzdem erhalten Tätigkeiten in Branchen mit hohem Frauenanteil oft weniger Anerkennung und niedrigere Gehälter. Die Einkommenslücke ist zwar gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen, von Gleichstellung könne aber keine Rede sein, so die SPÖ-Vertreter.
Selbst bei Vollzeitbeschäftigung verdienen Frauen deutlich weniger als Männer. Das zeige strukturelle Probleme bei der Arbeitsbewertung, bei Gehaltsverhandlungen und bei Entwicklungsmöglichkeiten im Beruf. Winkler betont, Respekt für Leistung müsse auch auf dem Gehaltszettel erkennbar sein. Wer Verantwortung übernehme und zum Wohlstand beitrage, habe Anspruch auf faire Bezahlung – unabhängig von Branche, Geschlecht oder Rollenbildern.
Transparenz als Schlüssel gegen Lohnschere
Mehr Lohntransparenz sei ein wichtiger Hebel gegen die Einkommensschere. Nachvollziehbare Gehaltsstrukturen ermöglichen es, ungerechtfertigte Unterschiede zu erkennen und zu korrigieren. Faire Bezahlung für gleichwertige Arbeit müsse in allen Branchen selbstverständlich werden.
Heitz fordert eine deutliche Aufwertung von Berufen mit überwiegend weiblichen Beschäftigten. Pflege, Betreuung, Handel und Sozialarbeit seien für das tägliche Zusammenleben unverzichtbar. Ihre gesellschaftliche Bedeutung müsse sich in angemessener Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen widerspiegeln.
Ebenso wichtig seien echte Karrierechancen. Frauen sollen gleiche Möglichkeiten auf Führungspositionen, Weiterbildung und beruflichen Aufstieg erhalten. Dafür brauche es faire Auswahlverfahren, transparente Beförderungskriterien und eine Unternehmenskultur, die Leistung unabhängig vom Geschlecht anerkennt.
Betreuungsarbeit bremst Einkommen
Die Einkommenslücke hängt eng mit der Verteilung von Betreuungs- und Familienarbeit zusammen. Frauen leisten nach wie vor einen Großteil der unbezahlten Arbeit im Haushalt, bei der Pflege und bei der Kinderbetreuung. Deshalb arbeiten sie häufig in Teilzeit, verdienen weniger und haben schlechtere Chancen auf Karriere.
Der Ausbau ganztägiger Kinderbildungsangebote könne Eltern dabei unterstützen, Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Gleichzeitig brauche es Rahmenbedingungen für eine gerechtere Aufteilung der Betreuungsarbeit zwischen Frauen und Männern.
Einkommensgerechtigkeit sei nicht nur eine Frage sozialer Fairness, sondern auch ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor für Oberösterreich. Wenn Frauen ihre Qualifikationen, Ideen und Talente gleichberechtigt einbringen können, profitieren Unternehmen, Beschäftigte und die gesamte Gesellschaft.
Quelle: https://www.spooe.at/2026/10/23/70-tage-ohne-bezahlung-sind-70-tage-zu-viel
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