Frauen bei Herzerkrankungen benachteiligt

Mona HopfingerMona Hopfinger
Frauen: Herz-OP Risiko, Asthma, chronische Schmerzen und Sterberate im Vergleich zu Männern.
© Mit KI (Gemini) generiert

Trotz zahlreicher wissenschaftlicher Erkenntnisse über geschlechtsspezifische Unterschiede in der Medizin hapert es an der praktischen Umsetzung. Besonders Frauen sind davon betroffen, wie Fachleute bei den Praevenire Gesundheitstagen in Eisenstadt darlegten.

Obwohl das Wissen über Gender-Unterschiede in der Gesundheitsversorgung längst vorhanden ist, mangelt es an der Umsetzung im medizinischen Alltag. Das stellten Fachleute am Freitag bei den Praevenire Gesundheitstagen in Eisenstadt fest. Vor allem Frauen erleiden dadurch gesundheitliche Nachteile.

Deutliche Unterschiede bei Herzerkrankungen

Anna Maria Dieplinger, die früher den ersten Österreichischen Frauengesundheitsbericht wissenschaftlich leitete, nannte konkrete Zahlen: Patientinnen mit Brustschmerzen kommen noch immer dreieinhalb Stunden später ins Spital als Männer. Bei Bypass-Operationen ist das Sterberisiko für Frauen 2,5- bis dreimal höher. Zudem verbringen sie mehr Zeit auf Intensivstationen, werden aber insgesamt kürzer stationär behandelt.

Ab einem Alter von 75 Jahren steigt die Todesrate durch Herzerkrankungen bei Männern um das Fünffache an. Bei Frauen erhöht sie sich um das Neunfache, so Dieplinger.

Frauen häufiger von chronischen Leiden betroffen

Die Benachteiligung zieht sich durch zahlreiche medizinische Bereiche. 70 Prozent der Patienten mit chronischen Schmerzen sind weiblich. „Rheumatische Erkrankungen sind prototypische Frauenkrankheiten“, erklärte Georg Stummvoll, Leiter des chefärztlichen Dienstes der Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS). Von rheumatoider Arthritis sind dreimal mehr Frauen als Männer betroffen.

Dieplinger fasste die Problematik zusammen: „Wir haben bei Frauen längere Wartezeiten, eine verzögerte Diagnostik, eine verzögerte Therapie und schlechtere Behandlungsergebnisse.“

Lungenerkrankungen zeigen geschlechtsspezifische Muster

Auch bei Atemwegserkrankungen gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Judith Löffler-Ragg, Leiterin der Abteilung für Pneumologie am LKH Hochzirl-Natters in Tirol, berichtete, dass Frauen häufiger über Atembeschwerden klagen. Das hänge mit der absoluten Lungengröße zusammen.

Unter Testbedingungen können gesunde Frauen binnen einer Sekunde rund 2,8 Liter Luft forciert ausatmen, Männer schaffen etwa 4,5 Liter. Bei Asthma zeigen sich bei Frauen oft zyklusabhängige Symptome: Unmittelbar vor und während der Menstruation treten bei Asthma-Patientinnen um 20 bis 40 Prozent häufiger Beschwerden auf. Die weiblichen Geschlechtshormone wirken dabei allergie- und entzündungsfördernd.

Nach der Menopause verschlechtert sich die Lungenfunktion bei Frauen schneller. „Das entspricht etwa 20 Jahren einer Packung Zigaretten pro Tag“, so die Pneumologin.

Politik sieht Versorgungslücken

Juliane Bogner-Strauß (ÖVP), Gesundheitssprecherin ihrer Partei, betonte, dass Frauengesundheit zu einem Thema der Bundesregierung gemacht worden sei. Sie ortete Defizite etwa nach Ende des Mutter-Kind-Passes. Junge Frauen sollten mit 18 Jahren – ähnlich wie junge Männer bei der Stellungsuntersuchung – eine „Gesundheitsstraße“ durchlaufen können, um Risiken frühzeitig zu erkennen. Auch rund um die Menopause gebe es eine „extreme Versorgungslücke“.

Quelle: APA

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