Frauen in der Landwirtschaft: Land bleibt männlich

Bei einer Tagung der BOKU wurde deutlich: Frauen tragen wesentlich zur Landwirtschaft bei, doch beim Eigentum an Grund und Boden sowie bei Fördermitteln sind sie benachteiligt. Neue Daten zeigen eine wachsende Ungleichheit.
Frauen übernehmen in der Landwirtschaft Führungsaufgaben, entscheiden über Investitionen, entwickeln Geschäftsmodelle und kümmern sich um Sorgearbeit. Ihre Möglichkeiten hängen jedoch stark davon ab, ob sie Zugang zu Grund und Boden, Kapital und Entscheidungsmacht haben. Das war das zentrale Thema der 16. Herbsttagung des Centre of Agricultural Sciences (CAS) der BOKU University. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Gemeinsam ackern – für eine gleichberechtigte und zukunftsfähige Landwirtschaft!“ und fand anlässlich des von den Vereinten Nationen ausgerufenen Internationalen Jahres der Bäuerin statt.
Eva-Maria Holzleitner, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung, betonte: „Landwirtschaft hat noch nie ohne Frauen funktioniert. Trotzdem werden ihre Leistungen noch immer zu wenig gesehen. Das muss sich ändern. Frauen verdienen neben Sichtbarkeit aber auch die richtigen Rahmenbedingungen – von Bildung, Beratung und Finanzierung bis zu guten Netzwerken.“
Eigentum und Verantwortung klaffen auseinander
Zazie von Davier vom deutschen Thünen-Institut für Betriebswirtschaft verwies auf zahlreiche Bäuerinnenstudien. Viele Frauen seien an strategischen Entscheidungen beteiligt und verstünden sich als Mitunternehmerinnen. Im Eigentum am Betrieb schlage sich das jedoch oft nicht nieder. Traditionelle Familien- und Partnerschaftsmodelle sowie herkömmliche Muster bei der Hofnachfolge schränkten den Zugang von Frauen zu Land und Kapital weiterhin ein.
Heidi Leonhardt vom Institut für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung der BOKU präsentierte Zahlen für Ostösterreich. Die gemeinsam mit Marion Hacek durchgeführte Auswertung von Grundbuchdaten zeigt: Die Mehrheit der untersuchten landwirtschaftlichen Flächen ist im Alleinbesitz von Männern, rund ein Viertel im Alleinbesitz von Frauen und rund ein Fünftel in gemeinschaftlichem Besitz. Von 2012 bis 2024 gehörten Betriebe um rund zehn Prozent häufiger allein einem Mann. Gleichzeitig gab es fast ebenso viel weniger gemeinsamen Besitz. Leonhardt sagt dazu: „Das wirkt sich direkt auf die Vermögensungleichheit zwischen den Geschlechtern aus."
Unterschiede gibt es auch bei den Investitionsförderungen. Josef Hambrusch von der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen berichtete, dass Betriebe unter weiblicher Leitung zwischen 2014 und 2020 seltener Fördermaßnahmen nutzten als Betriebe unter männlicher Leitung. Bei den Arten der Investitionen waren die Unterschiede klein. Welche Rolle Eigentum und Entscheidungsstrukturen dabei spielen, soll weiter erforscht werden.
Sorgearbeit als Teil der Wertschöpfung
Die Bäuerin und Sozialwissenschaftlerin Kirstin Eckstein richtete den Blick auf grundlegende Fragen: Wessen Arbeit wird als solche anerkannt? Wer verfügt über Land und entscheidet über Investitionen? Ungleichheiten entstünden nicht allein auf individueller Ebene, sondern beträfen die Strukturen der Landwirtschaft. Eckstein plädierte dafür, neben der sichtbaren Produktion auch die oft unbezahlte Sorgearbeit für Menschen, Tiere und Böden als Teil landwirtschaftlicher Wertschöpfung anzuerkennen. „Was wäre, wenn wir nicht nur die sichtbare Produktion als Wertschöpfung betrachten würden, sondern auch die Sorge, die sie überhaupt erst ermöglicht?“, fragte sie.
Initiativen von Frauen sichtbar machen
Dass Frauen den Wandel bereits vorantreiben, belegten Stefanie Lemke, Chalotte Voigt, Andrea-Hilke Fröschl und Barbara Stadlmayr vom Institut für Entwicklungsforschung der BOKU. Das europäische Forschungsprojekt SWIFT begleitet von Frauen getragene Initiativen, die sich unter anderem für Geschlechtergleichstellung, soziale Absicherung und die Einbindung marginalisierter Gruppen in nachhaltige Ernährungssysteme starkmachen. Ziel sei es, diese Initiativen zu stärken und sichtbar zu machen, so Lemke. Eine gemeinsam mit zwölf österreichischen Bäuerinnen entwickelte Foto-, Podcast- und Videoausstellung trug deren Erfahrungen und Zukunftsvorstellungen in die Tagung.
Interaktive Beiträge widmeten sich den Gleichstellungsvorstellungen junger Menschen und der Frage, welche landwirtschaftliche Arbeit Anerkennung erfährt. Der abschließende Round Table „Who Cares?" stellte die Sorgearbeit für Menschen, Tiere, Betriebe und soziale Beziehungen ins Zentrum. Jochen Kantelhardt vom Centre of Agricultural Sciences zog Bilanz: Wer über die Zukunft der Landwirtschaft spricht, müsse auch fragen, wem das Land gehört, wer entscheidet und wessen Arbeit sichtbar wird.
Veranstaltet wurde die CAS-Herbsttagung gemeinsam von der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen, der Österreichischen Gesellschaft für Agrarökonomie und dem Institut für Entwicklungsforschung der BOKU University.
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