Frauen in Kärnten verdienen 10.685 Euro weniger im Jahr

Mona HopfingerMona Hopfinger
Equal Pay Day Kärnten: Frauen erhalten 10.685 € weniger pro Jahr als Männer
© Mit KI (Gemini) generiert

Am heutigen Equal Pay Day haben Männer bereits jenes Einkommen erzielt, für das Frauen bis Jahresende arbeiten müssen. In Kärnten beträgt die Einkommenslücke 16,2 Prozent. Besonders dramatisch: Die Arbeitslosigkeit bei Frauen zwischen 60 und 65 Jahren ist um 42,8 Prozent gestiegen.

Der Equal Pay Day fällt dieses Jahr in Kärnten auf den 3. November. Statistisch gesehen haben Männer bis zu diesem Datum so viel Einkommen erwirtschaftet wie Frauen erst am Ende des Jahres. Die Einkommenslücke liegt im Bundesland bei 16,2 Prozent, was durchschnittlich 10.685 Euro weniger pro Jahr bedeutet.

„Die Lohnlücke entsteht Tag für Tag am Arbeitsmarkt“, erklärt Michaela Eigner-Pichler, Referatsleiterin Beruf, Familie & Gleichstellung der AK Kärnten. Sie sei das Ergebnis undurchsichtiger Entlohnungssysteme, geringer Verhandlungsmacht und struktureller Benachteiligung.

Regionale Unterschiede massiv

Innerhalb Kärntens zeigen sich erhebliche Differenzen: Im Bezirk Spittal an der Drau beträgt der Einkommensunterschied 24,7 Prozent, in Klagenfurt-Stadt liegt er bei 10,9 Prozent. Die Folgen reichen weit: Geringeres Einkommen, häufigere Teilzeitarbeit und längere Erwerbsunterbrechungen führen dazu, dass Frauen bis zu 40 Prozent weniger Pension erhalten.

EU-Richtlinie liegt auf Eis

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie sollte bis 7. Juni 2026 umgesetzt werden. Österreich hat die Frist verstreichen lassen, ein Gesetzesentwurf liegt seit Monaten in der politischen Koordination. „Damit riskiert die Bundesregierung ein Vertragsverletzungsverfahren und verhindert gezielt den Abbau der Einkommensunterschiede“, kritisiert Eigner-Pichler.

Arbeitnehmerinnen und Gerichte können sich seit Juni dennoch auf einzelne Bestimmungen der Richtlinie berufen. Arbeiterkammer und Gewerkschaft bieten Unterstützung an.

Dramatischer Anstieg bei Arbeitslosigkeit

Parallel zur Anhebung des Pensionsalters verschärft sich die Lage am Arbeitsmarkt. Im Oktober 2026 waren in Kärnten 182 Frauen zwischen 60 und 65 Jahren arbeitslos gemeldet – ein Plus von 42,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Bereits im August und September lagen die Steigerungsraten bei 30 beziehungsweise 37 Prozent.

Auch die Langzeitarbeitslosigkeit nimmt zu: Im September waren um 34 Prozent mehr Frauen dieser Altersgruppe länger als ein Jahr ohne Beschäftigung. „Wer das Pensionsalter anhebt, muss auch dafür sorgen, dass Frauen über 60 realistische Chancen auf Beschäftigung haben“, fordert AK-Präsident Günther Goach.

Jürgen Kopeinig, Wirtschaftsexperte der AK Kärnten, warnt: „Zusätzliche Jahre im Erwerbsleben bedeuten nicht automatisch zusätzliche Chancen.“

Forderungen der Arbeiterkammer

Die AK Kärnten verlangt die rasche Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie sowie gezielte Arbeitsmarktprogramme für Frauen über 60 Jahre. Zudem brauche es Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote, die auf ältere Arbeitnehmerinnen abgestimmt sind, sowie die Förderung altersgerechter Arbeitsplätze und flexibler Arbeitszeitmodelle.

Quelle: https://kaernten.arbeiterkammer.at/service/presse/Equal-Pay-Day-1.html

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