Frauen in NÖ erhalten 1.100 Euro weniger Pension

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

In Niederösterreich markiert der 8. August heuer den Equal Pension Day. Ab diesem Stichtag müssen Frauen statistisch ohne Pension auskommen, während Männer bereits jene Summe erhalten haben, die Frauen erst bis Jahresende bekommen.

Der Equal Pension Day fällt in Niederösterreich heuer auf den 8. August 2026. Dieser Tag zeigt, dass Männer zu diesem Zeitpunkt bereits so viel Pension erhalten haben, wie Frauen erst bis zum Ende des Jahres bekommen werden. Statistisch gesehen bleiben Frauen in Niederösterreich die restlichen 145 Tage des Jahres ohne Pension. Die geschlechtsspezifische Pensionslücke beträgt im Bundesland derzeit 39,60 Prozent.

Durchschnittlich 1.100 Euro Differenz monatlich

Die Unterschiede bei den Alterspensionen sind erheblich: Männer in Niederösterreich beziehen durchschnittlich rund 2.778 Euro, während Frauen im Schnitt nur 1.678 Euro erhalten. Das ergibt eine monatliche Differenz von durchschnittlich 1.100 Euro.

„Dass Frauen im Alter fast 40 Prozent weniger zum Leben haben, ist ein unhaltbarer Zustand. Altersarmut ist nach wie vor weiblich“, erklärt Markus Wieser, Präsident der AK Niederösterreich und Vorsitzender des ÖGB NÖ. Mehr als zwei Drittel der Bezieher:innen einer Ausgleichszulage seien Frauen. Mit einem aktuellen Richtsatz von 1.308,39 Euro liege diese deutlich unter der Armutsgefährdungsschwelle von 1.827 Euro.

Didem Strebinger, Landesfrauenvorsitzende des ÖGB Niederösterreich, betont, dass niedrige Pensionen kein persönliches Versagen seien, sondern das Resultat von Strukturdefiziten. Sie weist Versuche zurück, das staatliche Pensionssystem schlechtzureden: „Der Generationenvertrag lebt. Die Jungen finanzieren die Älteren, und die heutigen Pensionist:innen haben das Fundament unseres Wohlstands gebaut.“

Teilzeit und unbezahlte Arbeit als Hauptursachen

Die Ursachen für die Pensionslücke liegen im Erwerbsleben. Neben dem Einkommensunterschied von 17,6 Prozent bei den Bruttostundenverdiensten ist vor allem die ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit ausschlaggebend. Frauen leisten rund 57 Prozent ihrer Arbeitszeit unbezahlt, etwa für Kinderbetreuung, Pflege oder Haushaltsarbeit.

Die Folge ist eine hohe Teilzeitquote, die sich im Alter negativ auswirkt. In Niederösterreich arbeiten über 71 Prozent der unselbstständig beschäftigten Frauen mit mindestens einem Kind unter 15 Jahren in Teilzeit. Bei Männern in derselben Situation sind es nur rund 7 Prozent. Lange Teilzeitphasen wirken sich besonders negativ auf die Pensionshöhe aus.

Steigende Arbeitslosigkeit bei älteren Frauen

Die schrittweise Anhebung des Regelpensionsalters für Frauen verschärft die Situation. Aktuell liegt es bei 61,5 Jahren und wird bis 2033 auf 65 Jahre steigen. Im ersten Quartal 2026 war bereits jede dritte Frau über 60 Jahren erwerbstätig. Gleichzeitig ist ein deutlicher Anstieg bei den älteren weiblichen Arbeitslosen erkennbar. Birgit Schön, Leiterin der Abteilung Frauenpolitik der AK Niederösterreich, fordert ein Umdenken in den Betrieben und bessere Unterstützung für ältere Arbeitssuchende.

Forderungen der Arbeiterkammer

Die AK Niederösterreich fordert ein umfassendes Maßnahmenpaket, um die Pensionslücke zu schließen und Frauen vor Altersarmut zu schützen:

  • Arbeitsmarkt-Offensive: Konsequente Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie, finanzielle Aufwertung von frauendominierten Branchen und ein gesetzlicher Anspruch auf Vollzeit.

  • Ausbau der Infrastruktur: Flächendeckendes und kostenloses Angebot an vollzeittauglichen Kinderbildungseinrichtungen sowie leistbare Pflegeangebote.

  • Armutsfeste Pensionen: Deutliche Anhebung des Ausgleichszulagenrichtsatzes und Schutz des staatlichen Pensionssystems vor Privatisierung.

  • Bessere Rahmenbedingungen: Höhere Bewertung von Kindererziehungszeiten in der Pensionsversicherung und gezielte Förderung partnerschaftlicher Karenzmodelle.

Quelle: OTS

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