Frauen verdienen 11.124 Euro weniger als Männer

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

In Niederösterreich fällt der Equal Pay Day heuer auf den 4. November. Frauen arbeiten ab diesem Stichtag statistisch gesehen 58 Tage ohne Bezahlung, während Männer für die gleiche Zeit entlohnt werden. Der Einkommensunterschied liegt bei 15,9 Prozent.

Rechnerisch erhalten Frauen in Niederösterreich um 11.124 Euro weniger Gehalt pro Jahr als ihre männlichen Kollegen. Das entspricht einem Einkommensnachteil von 15,9 Prozent. Basis der Berechnung sind die aktuellsten Daten der Lohnsteuerstatistik 2024 für ganzjährig vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Niederösterreich.

Männer verdienen im Schnitt 70.020 Euro brutto jährlich, Frauen lediglich 58.896 Euro. Daraus errechnen sich 58 unbezahlte Arbeitstage für Frauen ab dem 4. November bis zum Jahresende.

Vorarlberg mit größtem, Wien mit kleinstem Abstand

Österreichweit liegt der Equal Pay Day am 5. November, der bundesweite Pay Gap beträgt 15,5 Prozent. Zwischen den Bundesländern klaffen die Unterschiede weit auseinander: Vorarlberg weist mit 21,7 Prozent den höchsten Abstand auf, der Equal Pay Day fiel dort bereits auf den 13. Oktober. In Wien ist die Lücke mit 10,6 Prozent am geringsten, der Stichtag fällt auf den 23. November.

Auch innerhalb Niederösterreichs variiert der Gender Pay Gap erheblich. Im Bezirk Mödling beträgt er 22,6 Prozent, im Bezirk Horn nur 12,1 Prozent. Allerdings verdienen Frauen in Horn mit durchschnittlich 55.934 Euro brutto deutlich weniger als jene in Mödling mit 69.648 Euro.

AK und ÖGB fordern Lohntransparenz

„Es ist höchste Zeit, dass die EU-Lohntransparenzrichtlinie endlich auch in Österreich umgesetzt wird“, sagt Markus Wieser, Präsident der AK Niederösterreich und Vorsitzender des ÖGB Niederösterreich. Die Umsetzung hätte bereits seit Juni 2026 erfolgen sollen. Das Informations- und Auskunftsrecht stehe Beschäftigten aber schon jetzt zu und sollte aktiv eingefordert werden.

Bereits im Bewerbungsprozess können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Informationen zu Einstiegsgehalt und Gehaltsspanne verlangen, erfahren, nach welchen Kriterien ihre Einstufung erfolgte, und Auskunft über das durchschnittliche Einkommen vergleichbarer Beschäftigter erhalten.

Diskriminierung hält sich hartnäckig

Die Ursachen für die Einkommensunterschiede sind vielfältig. Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft in schlechter bezahlten Branchen, Berufen und Positionen. Dazu kommt die soziale Infrastruktur, die beeinflusst, ob und in welchem Ausmaß Frauen am Arbeitsmarkt teilnehmen können.

Birgit Schön, Leiterin der Abteilung Frauenpolitik der AK Niederösterreich, weist darauf hin, dass sich Diskriminierung beim Entgelt hartnäckig hält: „Bereits seit 1979 verbietet das Gleichbehandlungsgesetz in Österreich ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern bei gleicher Arbeit grundsätzlich und dennoch existiert diese auch noch heute fast ein halbes Jahrhundert später!“ Häufig entstehe diese durch falsche, teils auf Geschlechterstereotype basierende Einstufung. Die Kultur der Verschwiegenheit rund ums Gehalt verhindere, dass Ungleichheiten bemerkt werden.

Gesamtgesellschaftlicher Schaden

Didem Strebinger, Frauenvorsitzende des ÖGB Niederösterreich, betont die gesamtgesellschaftlichen Folgen: „Es bringt nicht nur Frauen nachhaltig in finanzielle Schwierigkeiten, der Schaden ist noch viel größer.“ Es gehe um Einkommen von Ehefrauen, Partnerinnen und Töchtern, um Familieneinkommen. „Man muss ja nicht herausragend mathematisch begabt sein, um zu erkennen, welchen Unterschied teils weit über 10.000 Euro mehr oder weniger im Jahr ausmachen können“, so Strebinger.

Quelle: OTS

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