Frauen werden seltener wiederbelebt als Männer

Mathias FischerMathias Fischer
Mann mit Tattoo gibt Wiederbelebungsmaßnahmen auf einer Wiese in Wien.
© roteskreuz.at

Das Rote Kreuz Vorarlberg warnt anlässlich des Welttags der Wiederbelebung am 16. Oktober vor Unsicherheiten bei der Reanimation von Frauen. Die Zurückhaltung kann lebensbedrohlich sein.

Frauen erhalten in der Öffentlichkeit seltener eine Wiederbelebung als Männer, obwohl ein Atem-Kreislauf-Stillstand beide Geschlechter gleichermaßen treffen kann. Laut einer Untersuchung der Medizinischen Universität Innsbruck führen Ersthelfende selbst in nachgestellten Notfallszenarien Reanimationsmaßnahmen an weiblichen Übungspuppen weniger wirksam durch. Der Grund liegt nicht in mangelnder Hilfsbereitschaft, sondern in Verunsicherung: Viele fragen sich, ob sie Kleidung entfernen dürfen, wo genau sie drücken müssen und ob die Berührung angemessen ist.

Diese Hemmungen können lebensrettende Zeit kosten. In Österreich erleiden pro Jahr etwa 10.000 Menschen außerhalb eines Spitals einen Atem-Kreislauf-Stillstand. Lediglich rund jede zehnte Person überlebt. Mit jeder verstrichenen Minute ohne Reanimation sinkt die Überlebenschance um circa zehn Prozent.

Geschlecht spielt keine Rolle

„Bei einem Atem-Kreislauf-Stillstand gibt es keinen Grund zu zögern. Entscheidend ist, sofort den Notruf zu wählen und mit der Herzdruckmassage zu beginnen, egal wer vor einem liegt. Mit beherztem Handeln kann man ein Leben retten“, erklärt Rotkreuz-Direktorin Janine Gozzi.

Die Herzdruckmassage wird bei allen Menschen an derselben Körperstelle durchgeführt: in der Mitte des Brustkorbs. Behindert eine dicke Winterjacke oder andere Kleidung die Maßnahme, sollte sie rasch geöffnet oder entfernt werden. Ansonsten kann sofort auf der Kleidung mit dem Drücken begonnen werden.

Beim Einsatz eines Defibrillators müssen die Elektroden direkt auf der nackten Haut platziert werden. Deshalb sind BHs, enge Sport-Bustiers oder Binder immer zu entfernen, notfalls auch aufzuschneiden. „Dass viele Menschen davor zurückschrecken, ist verständlich. In dieser lebensbedrohlichen Situation hat aber rasche Hilfe Vorrang. Das Freimachen und Berühren des nackten Brustkorbs ist einfach Teil der notwendigen Erste-Hilfe-Maßnahmen“, sagt Daniel Peter, Leiter Erste-Hilfe-Ausbildung beim Roten Kreuz Vorarlberg.

Drei einfache Schritte

Die 2026 angepassten Erste-Hilfe-Empfehlungen machen das korrekte Vorgehen besonders einfach und gelten für alle Menschen gleich:

  1. Prüfen: Ist es sicher, sich zu nähern? Ist die Person ansprechbar?
  2. Rufen: Reagiert sie nicht, sofort den Notruf 144 wählen und das Telefon auf Lautsprecher stellen. Die Notrufleitstelle begleitet die Ersthelfenden bei den nächsten Schritten.
  3. Drücken: Atmet die Person nicht normal, sofort kräftig und schnell in die Mitte des Brustkorbs drücken. Nach jeweils 30 Herzdruckmassagen folgen zwei Beatmungen. Wer nicht beatmen kann oder möchte, drückt ohne Unterbrechung weiter. Ist ein Defibrillator verfügbar, diesen einschalten und den gesprochenen Anweisungen folgen.

Die Wiederbelebung wird fortgeführt, bis die betroffene Person wieder normal atmet oder professionelle Hilfe eintrifft. „Das Einzige, was sicher falsch ist, ist nichts zu tun“, lautet die zentrale Botschaft des Roten Kreuzes.

Kostenlose Übungsstation in Dornbirn

Ein Erste-Hilfe-Kurs hilft, Unsicherheiten abzubauen und im Ernstfall entschlossen zu handeln. Das aktuelle Kursangebot des Roten Kreuzes Vorarlberg ist unter www.erstehilfe.at beziehungsweise www.roteskreuz.at/vorarlberg abrufbar.

Anlässlich des Welttags der Wiederbelebung am 16. Oktober bietet das Rote Kreuz eine kostenlose Erste-Hilfe-Station im Messepark Dornbirn an. Interessierte können direkt an Trainingspuppen üben und sich Tipps von den Profis holen.

Quelle: https://www.roteskreuz.at/vorarlberg/news/aktuelles/weltreanimationstag-1

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