Freiwillige für Jungsteinzeit-Forschung gesucht

In Asparn/Schletz im Weinviertel liegt eine rund 7.000 Jahre alte Siedlung, die zu den wichtigsten Fundstellen der frühen Jungsteinzeit in Mitteleuropa zählt. Nun werden Citizen Scientists gesucht, die bei der Auswertung des umfangreichen Fundmaterials mithelfen.
Die Siedlung in Asparn/Schletz ist vor allem wegen zahlreicher menschlicher Überreste bekannt, die auf ein massives Gewaltereignis hindeuten. Über mehrere Jahrhunderte wurde der Ort genutzt, entsprechend reich ist das Fundmaterial. Doch in den Depots der Archäologie stapeln sich die Objekte – für eine wissenschaftliche Analyse fehlen oft Zeit und Ressourcen.
Pilotprojekt holt Funde aus dem Dornröschenschlaf
Das Pilotprojekt „reCLAYm“, gefördert von der Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich, setzt auf Citizen Science. „Da es für eine Einzelperson oder ein einzelnes wissenschaftliches Team nicht möglich ist, die zahlreichen Funde auszuwerten, sind wir auf die Idee gekommen, dies gemeinsam mit Freiwilligen durchzuführen“, erklärt Mag. Jakob Maurer vom Zentrum für Museale Sammlungswissenschaften der Universität für Weiterbildung Krems.
Zwischen 1983 und 2005 bargen die Landessammlungen Niederösterreich sehr umfangreiches Material aus der zeitweise befestigten Siedlung, die ein bedeutendes regionales Zentrum der frühbäuerlichen Besiedlung Niederösterreichs bildete. Eine vollständige Auswertung und Publikation steht noch aus. „Wer mitmacht, arbeitet mit 7.000 Jahre alten Originalfunden und leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zur Forschung“, so Maurer.
Vielfältige Aufgaben für engagierte Laien
Freiwillige erfassen die Funde in einer Datenbank, zeichnen und fotografieren sie. Außerdem wirken sie an Analysen im Labor, an Sedimentbohrungen im Gelände sowie an der Rekonstruktion alter Herstellungstechniken mit. „Dafür suchen wir engagierte Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten“, sagt Julia Längauer, MA, von der Universität für Weiterbildung Krems, die für die Zusammenarbeit mit den Citizen Scientists verantwortlich ist.
Vorkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich. Gefragt sind Interesse an Archäologie und Wissenschaft sowie die Bereitschaft, Neues zu lernen und praktisch mitzuarbeiten. Die erfassten Daten werden gemeinsam ausgewertet.
Was Keramikscherben über die Vergangenheit verraten
Im Mittelpunkt stehen Keramikfunde aus Asparn/Schletz – Bruchstücke zahlreicher Gefäße, deren Verzierung typisch für die linearbandkeramische Kultur der frühen Jungsteinzeit ist. „Wenige Fundgruppen sind in ihrer Aussage so vielseitig wie Keramik“, sagt Dr. Michaela Schauer vom Naturhistorischen Museum Wien. Die Keramik ermögliche nicht nur, Siedlungsphasen und Häuser zeitlich einzuordnen. Mithilfe naturwissenschaftlicher Methoden könne man auch Unsichtbares sichtbar machen: Einblicke in die verwendeten Rohmaterialien sowie in das damalige Leben und regionale und überregionale Austauschbeziehungen.
Forschende und Ehrenamtliche suchen auch nach den Tonlagerstätten, die vor Ort genutzt wurden. „Die Tone, die wir heute oberflächlich finden, sind nicht unbedingt die, die damals genutzt wurden“, erklärt Doris Jetzinger, MA vom Naturhistorischen Museum Wien. Die Landschaft habe sich in den letzten 7.000 Jahren verändert, Lagerstätten von damals könnten inzwischen durch Ablagerungsprozesse überdeckt worden sein.
Sobald die Tonlagerstätten identifiziert sind, werden gemeinsam mit erfahrenen Töpferinnen und Töpfern die Herstellungsspuren auf den Originalfunden untersucht und der Herstellungsprozess experimentalarchäologisch rekonstruiert, erläutert Lukas Kerbler, MA, vom Krahuletz-Museum Eggenburg. Am Ende sollen die Ergebnisse gemeinsam mit den Freiwilligen diskutiert, interpretiert und präsentiert werden.
Mitarbeit an mindestens zehn Tagen erforderlich
Das Projekt läuft von 2027 bis 2029. Hauptarbeitsort ist das Archäologische Zentraldepot der Landessammlungen Niederösterreich in Hainburg, weitere Orte sind MAMUZ Schloss Asparn, das Naturhistorische Museum Wien sowie das nähere Umland von Asparn im Bezirk Mistelbach für Bohrungen.
Voraussetzung ist die Bereitschaft zur Mitarbeit an mindestens zehn Tagen, immer werktags. Das Projekt erfüllt die strengen Qualitätskriterien der österreichischen Citizen Science-Plattform Österreich forscht.
Weitere Projektbeteiligte sind das Naturhistorische Museum Wien (Prähistorische Abteilung), die Krahuletz-Gesellschaft Eggenburg und die Landessammlungen Niederösterreich. Projektverantwortlich für die Universität für Weiterbildung Krems ist Mag. Jakob Maurer.

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