Freudenthaler-Roman im Fokus der Literaturgeschichte

Am 23. November widmet sich eine Veranstaltung der Reihe „Grundbücher der österreichischen Literatur seit 1945“ dem preisgekrönten Roman „Geistergeschichte“ von Laura Freudenthaler. Brigitte Schwens-Harrant referiert, Klaus Kastberger moderiert.
Die Veranstaltung findet am Montag, 23. November 2026, um 19.30 Uhr statt. Im Mittelpunkt steht Laura Freudenthalers Roman „Geistergeschichte“, der 2019 erschien und mit dem Literaturpreis der Europäischen Union ausgezeichnet wurde.
Worum es im Roman geht
Freudenthaler beschreibt in ihrem Werk „Erschütterungen, die man nicht wahrnimmt, bis sich etwas weit genug verschoben hat, um zu fallen“. Die Protagonistin Anne, eine Pianistin, nimmt sich eine Auszeit vom Unterrichten. Ihr Ziel: zum eigenen Klavierspiel zurückfinden und ein Lehrbuch verfassen. Doch ihre Hände versagen den Dienst, und anstelle des geplanten Lehrbuchs entsteht ein völlig anderer Text.
Anne beginnt, die vermeintliche Geliebte ihres Mannes wahrzunehmen – sie hört und sieht, wie diese Raum einnimmt. Vertrautes wird fremd, Zeitebenen verschieben sich, Imagination und Realität lassen sich nicht mehr trennen. Der Roman zeichnet das Macht- und Besitzgefüge einer Beziehung nach, das sich besonders im Umgang mit Sprache zeigt.
Wie Brigitte Schwens-Harrant formuliert, horcht der vielschichtige Roman „in und hinter Wände, die durchlässig werden“. Er stellt Fragen nach Präsenz und Verlust, nach dem Imaginären und danach, was geschieht, wenn das Heimliche unheimlich wird.
Die Autorin und ihre Auszeichnungen
Laura Freudenthaler, 1984 in Salzburg geboren , lebt in Wien. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Gender Studies. Ihr Debütroman „Die Königin schweigt“ erschien 2017 und brachte ihr den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2018 ein. Beim Festival du Premier Roman 2018 in Chambéry wurde das Werk als bester deutschsprachiger Debütroman prämiert.
Seither folgten zahlreiche weitere Ehrungen: der 3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2020, der manuskripte-Preis 2021, der Anton-Wildgans-Preis 2024, der Outstanding Artist Award für Literatur 2024, der Reinhard-Priessnitz-Preis 2024 sowie der Christine Lavant Preis 2026. Ihr Roman „Iris“ war für den Österreichischen Buchpreis 2026 nominiert.
Referentin und Moderator
Brigitte Schwens-Harrant, geboren 1967 in Wels, ist Feuilletonchefin der Wochenzeitung „Die Furche“. Von 2020 bis 2026 war sie Jurorin beim Ingeborg-Bachmann-Preis. Sie studierte und promovierte in Wien und hat seit 2007 Lehraufträge an den Universitäten Innsbruck, Salzburg und Wien inne. 2015 erhielt sie den Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik.
Klaus Kastberger, geboren 1963 in Gmunden, ist seit 2015 Professor für Neuere Deutsche Literatur am Franz-Nabl-Institut der Universität Graz. Auch er gehörte von 2015 bis 2026 der Jury des Ingeborg-Bachmann-Preises an.
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