Frühmittelalter-Ausstellung zeigt Verwandtschaft vor 1.200 Jahren

Mona HopfingerMona Hopfinger
GENchangers: Verwandtschaften im Frühmittelalter mit DNA-Strängen, Artefakten und Lupe über Europa
© Mit KI (Gemini) generiert

Ab 14. Oktober 2026 präsentiert das Naturhistorische Museum Wien eine Sonderausstellung über frühmittelalterliche Gräberfelder. Genetische Forschung macht erstmals Familienbande und Lebenswelten einfacher Menschen aus dieser Epoche sichtbar.

Das Naturhistorische Museum Wien eröffnet am 14. Oktober 2026 die Sonderausstellung „GENchangers“ im Saal 21 im zweiten Stock. Die Schau beleuchtet, wie genetische Analysen neue Einblicke in das Leben von Menschen ermöglichen, die vor mehr als 1.200 Jahren gelebt haben. Durch die Verbindung von Genetik mit archäologischer und anthropologischer Forschung werden Verwandtschaftsbeziehungen und soziale Strukturen einer Zeit großer Umbrüche rekonstruiert.

Gräberfelder bei Wien im Fokus

Im Zentrum der Ausstellung stehen zwei frühmittelalterliche Gräberfelder aus Leobersdorf und Mödling, beide in der Nähe von Wien gelegen. Anhand dieser Fundstätten wird gezeigt, wie sich Gemeinschaften ansiedelten, ihre Kultur pflegten und wer mit wem verwandt war oder gemeinsam Kinder hatte. Die Forschung gibt auch Aufschluss über Ernährungsgewohnheiten, Kindheit, Gesundheitszustand und Mobilität der damaligen Bevölkerung.

Die Ausstellung erweitert den Blick auf weitere Gemeinschaften in Mitteleuropa und zeigt Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede auf.

Größtes archäogenetisches Projekt weltweit

Die präsentierten Ergebnisse stammen aus dem Forschungsprojekt HistoGenes, das 2026 abgeschlossen wird. Es handelt sich um das bisher größte archäogenetische Forschungsvorhaben weltweit. Koordiniert in Österreich und angesiedelt an zwölf renommierten Forschungsstätten in Europa und den USA, arbeiten über 40 Forscherinnen und Forscher aus den Bereichen Anthropologie, Archäologie, Geschichte und Genetik zusammen.

Das Projekt wurde vom Europäischen Forschungsrat (ERC) im Rahmen des Programms „Horizont 2020“ unter der Fördervereinbarung Nummer 856453 finanziert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickelten gemeinsame Methoden, um durch detaillierte Untersuchungen von Knochen, Genen, Fundstücken und Schriftstücken neue Antworten zu finden.

Interaktive Vermittlung für Besucherinnen und Besucher

Die Ausstellung ermöglicht es den Besucherinnen und Besuchern, die Spurensuche der Forschenden nachzuvollziehen. In Hands-on-Bereichen und anhand zahlreicher Beispiele wird die Arbeitsweise von Archäologie, Anthropologie und Geschichte veranschaulicht. Die Schau widmet sich der Entstehung von Gemeinschaften, dem Generationenwechsel in Mitteleuropa und den neuen Erkenntnissen der Genforschung.

Umfangreiches Rahmenprogramm

Begleitend zur Ausstellung bietet das Museum ein vielfältiges Programm. Am 28. Oktober 2026 findet eine Themenführung zu neuen anthropologischen Untersuchungen zum Frühmittelalter statt. Am 25. November folgt eine Führung über die Awaren in Ostösterreich.

Am 6. November 2026 wird ein Workshop zur Erforschung menschlicher Skelette aus frühmittelalterlichen Gräbern angeboten. Vorträge behandeln unter anderem die Pest im Verlauf der Menschheitsgeschichte (18. November) und die Entstehung der Ausstellung (9. Dezember). Ein weiterer Vortrag am 13. Jänner 2026 beleuchtet die Awaren im Kontext frühmittelalterlicher Kleidung.

Quelle: https://www.nhm.at/gen_changers

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