FSME-Erkrankungen in Niederösterreich nehmen zu

In Niederösterreich sind bis Montag 15 FSME-Erkrankungen registriert worden. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 13 Fälle. Österreichweit liegt die Zahl der schweren Erkrankungen bereits über dem gesamten Vorjahr, so der ORF.
Bis Montag wurden in Niederösterreich 15 FSME-Erkrankungen im Epidemiologischen Meldesystem erfasst, wie die Landessanitätsdirektion auf Anfrage mitteilte. Im Vergleichszeitraum 2025 waren es 13 Fälle. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch den Stich einer infizierten Zecke.
Die Erkrankungen werden im Meldesystem nach dem Wohnort der betroffenen Person erfasst. Drei Fälle wurden im Bezirk Amstetten registriert, zwei im Bezirk Zwettl. In den Bezirken Baden, Horn, Lilienfeld, Melk, Mödling, St. Pölten, Scheibbs, Tulln und Waidhofen an der Thaya sowie in Wiener Neustadt gab es jeweils einen Fall.
Eine besondere Häufung lässt sich aufgrund der geringen Fallzahlen nicht feststellen. Die Landessanitätsdirektion ordnet die Entwicklung 2026 als im Rahmen der üblichen jährlichen Schwankungen ein. Todesfälle wurden in Niederösterreich weder heuer noch im Vorjahr verzeichnet.
Altersverteilung der Erkrankten
Zwei der 15 Erkrankten sind bis zu 18 Jahre alt, drei zwischen 19 und 40 Jahren. Jeweils fünf Fälle entfallen auf die Altersgruppen von 41 bis 65 sowie von 66 bis 80 Jahren. Bei Menschen über 80 Jahren wurde heuer bisher keine FSME-Erkrankung gemeldet. Laut MedUni war die jüngste infizierte Person elf Jahre, die älteste 70 Jahre alt.
Die nationale Referenzzentrale am Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien sieht für Niederösterreich keine außergewöhnliche Entwicklung. Dort wurden heuer bisher neun hospitalisierte FSME-Fälle aus Niederösterreich bestätigt. Dazu kommt ein ambulant behandelter Fall.
Im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres waren sieben hospitalisierte Fälle bestätigt worden, sagte die Virologin Judith Aberle. 2024 waren es zu diesem Zeitpunkt 13. Heuer handle es sich zwar um ein etwas stärkeres Jahr, die Entwicklung liege aber noch im Bereich der üblichen Schwankungen.
Die FSME-Fälle waren 2025 gegenüber dem starken Jahr 2024 zurückgegangen, zwölf Menschen aus Niederösterreich mussten damals im Spital behandelt werden.
Österreichweite Entwicklung deutlicher
Österreichweit ist die Entwicklung heuer deutlicher. Laut Aberle wurden bis Montag bereits 155 hospitalisierte FSME-Fälle an der nationalen Referenzzentrale bestätigt. Im gesamten Jahr 2025 waren es 132.
Bei den hospitalisierten Patientinnen und Patienten handelt es sich um Erkrankte, bei denen es zu einer Entzündung der Gehirnhäute oder des Gehirns gekommen ist. FSME kann nicht ursächlich behandelt werden. Behandelt werden können lediglich die Symptome, aber es gibt eine „hochwirksame Impfung“, so Aberle. Wenn man sich an das empfohlene Impfschema halte, wirke die Impfung zu 99 Prozent.
Die Zahl der Erkrankungen schwankt von Jahr zu Jahr deutlich. Die MedUni Wien führt das auf ein Zusammenspiel verschiedener sozioökonomischer, klimatischer und ökologischer Faktoren zurück. Auch Aberle betont, es gebe nicht den einen Faktor, der starke oder schwache FSME-Jahre erklären könne.
Klimawandel spielt eine Rolle
Eine Rolle spielt dabei auch der Klimawandel. Wärmere Temperaturen reichen mittlerweile häufiger bis in den Herbst hinein, zugleich werden milde Winter wahrscheinlicher, sagt Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien. Zecken könnten dadurch länger aktiv bleiben.
Einen direkten Zusammenhang zwischen längerer Zeckenaktivität und mehr FSME-Erkrankungen gebe es aber nicht. „Der Schluss ist aus meiner Sicht zu einfach“, sagt Hutter. Die Tendenz gehe zwar in diese Richtung, eine längere Aktivitätsphase der Zecken sei aber nicht automatisch mit entsprechend mehr FSME-Fällen verbunden.
Auch sehr heiße und trockene Sommer können für Zecken ungünstig sein. „Die benötigen Feuchtigkeit“, sagt Hutter. Neben Temperatur und Feuchtigkeit spielen unter anderem die Zahl geeigneter Wirtstiere, die Verbreitung des Virus, das Freizeitverhalten der Menschen und der Impfschutz eine Rolle.
Mildere Bedingungen können zudem dazu führen, dass Menschen länger im Jahr und auch in höheren Lagen unterwegs sind. Dadurch kann die Wahrscheinlichkeit steigen, mit Zecken in Kontakt zu kommen.
Impfung wird empfohlen
Österreich gilt als Gebiet, in dem das FSME-Virus verbreitet ist. Der österreichische Impfplan empfiehlt die FSME-Impfung für die in Österreich lebende Bevölkerung. Zecken sind zwar nur wenige Millimeter groß, können bei einem Stich aber zu schweren Krankheitsverläufen durch FSME führen.
Nach Angaben von Aberle sind die allermeisten der heuer in Niederösterreich bestätigten hospitalisierten Erkrankten ungeimpft. Zwei waren zumindest früher gegen FSME geimpft worden, bei beiden lag die letzte Impfung laut Aberle allerdings bereits zehn bzw. 25 Jahre zurück.
Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen. Die erste Auffrischung wird drei Jahre nach Abschluss der Grundimmunisierung empfohlen. Danach soll bis zum vollendeten 60. Lebensjahr alle fünf Jahre, ab dem vollendeten 60. Lebensjahr alle drei Jahre aufgefrischt werden.
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