Führung durch Justizanstalt Stein im Februar 2027

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Die größte Männer-Strafvollzugsanstalt Österreichs öffnet für ORTE-Mitglieder ihre Tore. Am 17. Februar 2027 können Teilnehmer die historische Anlage in Krems-Stein besichtigen, die vom Kloster zum Gefängnis wurde.

Am 17. Februar 2027 zwischen 08.30 und 11 Uhr findet eine Spezialführung durch die Justizanstalt Stein statt. Treffpunkt ist das „Blaue Tor“ an der Steiner Landstraße 4 in Krems-Stein. Die Veranstaltung richtet sich ausschließlich an Mitglieder des Architekturvereins ORTE mit gültiger Mitgliedschaft 2027, die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Vom Kloster zur größten Haftanstalt des Landes

Die Anlage ist heute Österreichs größte Strafvollzugsanstalt für längere Haftstrafen zwischen 18 Monaten und lebenslänglich. Ihre Geschichte reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück: 1843 als Redemptoristinnenkloster errichtet, kaufte der Staat das Gebäude bereits 1850 und baute es zum Gefängnis um. Zunächst bot es Platz für 150 Häftlinge.

Zwischen 1871 und 1873 entstand ein neues Zellengefängnis mit 348 Zellen. Hintergrund war ein Gesetz, das Einzelunterbringung vorschrieb. Der vierflügelige Sterntrakt folgte dem Pennsylvanischen System: Über offene Mittelgänge wurden die Zellen in einem viergeschoßigen, von oben belichteten Luftraum erschlossen. Die kunstvoll gestalteten Gusseisenkonstruktionen stehen heute unter Denkmalschutz.

Umbauten veränderten die historische Struktur

Während die Außenfassade weitgehend erhalten blieb, musste das Innere wiederholt angepasst werden. Der größte Eingriff war das Schließen der Lufträume zwischen den Laubengängen – eine Maßnahme aus Vollzugsgründen. Die ursprüngliche Raumstruktur ist nur noch durch Glasfelder im Boden erkennbar. Ein verglaster Aufsichtsturm im Zentraltrakt vergrößerte später die Distanz zwischen Justizwache und Insassen.

Im Laufe der Jahrzehnte kamen Wirtschafts- und Werkstättengebäude hinzu. Die Anlage wurde immer wieder erweitert und an neue Anforderungen angepasst.

Dunkles Kapitel: Die „Kremser Hasenjagd“

Kurz vor Kriegsende 1945 ereignete sich ein Massaker. Von rund 2.000 Häftlingen, großteils politische Gefangene, wurde ein Teil massakriert und hingerichtet. Bereits Entlassene wurden von SS-Streifen, Gendarmerie und Privatpersonen gejagt und erschossen. Die Ereignisse gingen als „Kremser Hasenjagd“ in die Geschichte ein und machen Stein zu einem bedeutenden Erinnerungsort.

Heutige Nutzung und Angebot

Heute erstreckt sich die Justizanstalt über fast 66.000 Quadratmeter und ist für rund 800 männliche Strafgefangene ausgelegt. Neben dem Vollzug gibt es 28 Werkstätten – darunter Schlosserei und Tischlerei –, Lehrausbildungen, schulische Weiterbildung sowie soziale Trainings und Therapiegruppen.

Wichtig: Der Rundgang ist nicht barrierefrei und setzt uneingeschränkte Gehfähigkeit voraus, um im Alarmfall das Gelände schnell verlassen zu können.

Quelle: https://orte-noe.at/programm/justizanstalt-stein

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