Führung und Unternehmertum sind erlernbare Fähigkeiten

Die TU-Wien-Professorin Sabine Köszegi räumt mit dem Mythos auf, dass man zur Führungskraft geboren sein muss. Sie betont, dass konkrete Skills für erfolgreiches Entrepreneurship erlernt werden können – und erklärt, wie Digitalisierung und KI die Arbeitswelt verändern.
Sabine Köszegi ist überzeugt: Die Vorstellung, dass man zum Unternehmertum oder zur Führungskraft geboren sein muss, ist ein Mythos. „Es sind ganz konkrete Skills für die Entwicklung und Umsetzung von Ideen notwendig, die wir erlernen und uns erarbeiten können“, erklärt die Professorin an der TU Wien. Mit entsprechender Motivation und einem positiven Zukunftsbild könne jede Person eine ausgezeichnete Unternehmerin oder Führungskraft sein.
Studierende wollen die Welt verändern
Köszegi leitet den MBA Innovation Management & Entrepreneurship sowie das gleichnamige Masterclass-Kurzprogramm an der TU Wien Academy. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit der Interaktion von Menschen und Technik sowie den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeit. Ihre Beobachtung: Studierende sind heute weniger daran interessiert, mit ihrem Studium viel Geld zu verdienen. „Vielmehr haben unsere Studierenden heute den Wunsch und das Bedürfnis etwas in unserer Welt zu verändern, sei es im Bereich Gesundheit, Gesellschaft oder auch in puncto Nachhaltigkeit“, teilt sie ihre Erfahrung.
Selbstführung als Grundlage
Was bedeutet Führung in der heutigen Zeit? Im Zentrum der Leadership-Module an der TU Wien Academy steht der Gedanke „Leading from within“. „Zu Beginn steht das Erlernen der Selbstführung. Erst wenn ich meine eigenen Kompetenzen und Stärken kenne, verstehe und lerne sie bestmöglich einzusetzen, kann ich auch andere Menschen in ihrem Prozess des Wachsen begleiten und coachen“, erläutert Köszegi. Leadership bedeute nicht, Anweisungen zu geben, sondern Menschen für ein gemeinsames Ziel zu begeistern, ihnen Freiräume zu geben und dennoch einen sicheren Rahmen zu bieten.
Positive Zukunftsbilder entwickeln
Mit Hilfe von Technik und verschiedenen Tools könnten zukunftsorientierte Lösungsansätze entwickelt werden, ist die Forscherin überzeugt. „Wir müssen im Studium noch viel mehr darauf achten, dass unsere Studierenden nicht nur das kritische Denken anwenden, sondern auch die Fähigkeit erlernen, positive Bilder der Zukunft – Imaginaries - zu entwickeln“, sagt Köszegi. Das werde eine der wesentlichen Kernkompetenzen der Zukunft sein. Mit den richtigen Skills aus Entrepreneurship und Innovation könne man nicht nur die Selbstwirksamkeit stärken, sondern auch gemeinsam viel für die Gesellschaft bewirken.
Kritische KI-Stimme
Bekannt geworden ist Sabine Köszegi mit ihrem Engagement im Bereich KI. „Ich bin sozusagen die kritische KI-Stimme“, sagt sie. Sie ist vom digitalen Humanismus überzeugt – also vom Konzept, dass technologische Entwicklung und Digitalisierung an menschliche Werte, Grundrechte und der Menschenwürde ausgerichtet werden. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen sowie Doktorandinnen und Doktoranden arbeitet sie an verschiedenen KI-Projekten, beispielsweise am Projekt Caring Robots, einer transdisziplinären Forschungskooperation zwischen der TU Wien, der IT:U Interdisciplinary Transformation University Austria, der Caritas Wien und dem Technischen Museum Wien. Das Projekt will Robotik-Technologie in der Pflege neu denken und sichere sowie nützliche Technologien für den Einsatz in der Pflege entwickeln.
Ein neues Projekt ist „Der faire Karriereberater“, das mit einem Start-up-Unternehmen und der Wirtschaftsagentur Wien umgesetzt wird. Dabei soll faire KI als Karriereberater eingesetzt werden, mit Fokus auf faire Beschäftigung, Gleichberechtigung und transparente Bewertungen.
Beraterin der Bundesregierung
Köszegi ist Mitglied im KI-Beirat der österreichischen Bundesregierung, Vorsitzende des Beirats für Ethik der KI der Österreichischen UNESCO Kommission und berät das Bundeskanzleramt beim Thema KI und Digitalisierung. Sie war maßgeblich an der Konzeption von „She goes AI“ beteiligt, einer zentralen Informations- und Vernetzungsplattform, die Frauen rund um das Thema KI beraten und bei KI-Projekten unterstützen soll.
Für ihr Engagement wurde sie heuer von der Zeitung „Die Presse“ als „Österreicherin des Jahres“ in der Kategorie Forschung nominiert. Am 22. Oktober findet die Gala statt, bei der die Gewinnerinnen und Gewinner verkündet werden. „Natürlich würde ich mich sehr freuen zu gewinnen. Aber alleine schon nominiert zu sein, bestärkt mich, mein Engagement weiterzuführen und es zeigt mir, dass meine Arbeit in der Gesellschaft wahrgenommen und geschätzt werden“, sagt Köszegi.
KI soll Menschen stärken, nicht ersetzen
In all ihren Vorträgen und Vorlesungen ist der Professorin die Botschaft wichtig, dass KI nur dann wirklich sinnvoll und nachhaltig eingesetzt ist, wenn sie Menschen in ihren Kompetenzen stärkt und ergänzt – und nicht, wenn um jeden Preis automatisiert wird. „Was KI nie ersetzen wird können, ist die innere Motivation etwas Positives zu bewirken und beitragen zu wollen, um diese Welt zu einem besseren Ort für uns alle zu machen. Das können nur wir Menschen“, betont Köszegi.
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