GAK und der Balkan: Eine über 120-jährige Verbindung

Pia ProdingerPia Prodinger
Karte von Graz mit Pfeilen, Fußball und Pokal, 1902, 120+ Jahre
© Mit KI (Gemini) generiert

Die Geschichte des Grazer AK ist eng mit dem Balkan verwoben. Von den Gründern, die in Mostar geboren wurden, bis zu Jahrhundertspieler Savo Ekmecic – mehr als 50 Spieler aus der Region prägten den Verein.

Die Verbindung zwischen dem Grazer AK und den Balkanländern reicht bis zur Vereinsgründung 1902 zurück. Die Brüder Julius und Rudolf Stanger, die den GAK mitbegründeten, kamen in Mostar zur Welt, wo ihr Vater als Baumeister tätig war. Damals gehörten das Küstenland, Istrien, Dalmatien, Slawonien sowie Bosnien und die Herzegowina noch zur Habsburger-Monarchie.

Graz entwickelte sich als Universitätsstadt zu einem Anziehungspunkt für Studierende vom Balkan – auch nach dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Wirtschaftliche Verflechtungen und akademische Kontakte führten dazu, dass immer wieder Spieler aus der Region zum GAK fanden.

Frühe Reisen und internationale Begegnungen

Bereits in den Anfangsjahren unternahm der Verein regelmäßig Tourneen auf den Balkan. Ein nicht genehmigtes Spiel gegen eine Zagreber Mannschaft führte zu einer Sperre des GAK und war mitverantwortlich für die Gründung des „Deutsch Alpenländischen Fußballverbandes“, dem Vorläufer des StFV.

Nach dem Ersten Weltkrieg folgten zahlreiche Wettspielreisen: nach Sarajewo im Oktober 1920, eine große Balkanreise im Sommer 1926 mit Stationen in Belgrad, Sofia und Novi Sad sowie regelmäßige Begegnungen gegen Hajduk Split zwischen 1914 und 1928. Dazu kamen unzählige Partien in Maribor und Zagreb.

Auch in europäischen Bewerbsspielen trafen die Roten auf Teams aus der Region: im Messestädtepokal 1964 gegen NK Zagreb, im UEFA-Cup 1996 gegen Vojvodina Novi Sad oder im Mitropacup 1970 gegen NK Maribor. Im Intertoto-Cup gab es Duelle gegen Hrvatski Dragovoljac Zagreb, Vojvodina Novi Sad und NK Rijeka.

Seit dem Zweiten Weltkrieg fand rund ein Fünftel der etwa 500 internationalen Spiele des GAK gegen Teams aus Jugoslawien und dessen Nachfolgestaaten statt. Vor 1945 war es sogar mehr als ein Drittel von über 200 Begegnungen.

Savo Ekmecic: Der Jahrhundertspieler

Savo Ekmecic wurde zum Jahrhundertspieler des ersten GAK-Jahrhunderts gewählt. Der 1948 in Mostar geborene Torhüter kam 1977 mit 29 Jahren vom FK Sarajewo zu den Roten und hütete das Tor bis 1985. In dieser Zeit bestritt er 269 Spiele in Folge, ohne je ein- oder ausgewechselt zu werden.

Der Höhepunkt seiner Karriere war der Cupsieg 1981. Ekmecic ist bis heute eine rote Identifikationsfigur und wurde von einer Fangeneration gewählt, die ihn nicht mehr zwingend als Aktiven erlebt hatte. Heute verfolgt er die Karriere seines Enkels David, der bei den Jugendspielen in Skopje 2025 im Brustschwimmen antrat.

Bernard Vukas: Weltklasse für eine Saison

Bernard Vukas (1927–1983) gilt als der international hochkarätigste GAK-Akteur, auch wenn er nur in der Saison 63/64 für die Roten spielte. Der in Zagreb geborene Weltklassespieler wurde mit Hajduk Split dreimal jugoslawischer Meister, gewann zweimal Olympiasilber mit dem Nationalteam und wurde in die FIFA-Weltauswahl berufen.

Der Kroatische Fußballverband kürte ihn zum „besten kroatischen Fußballspieler aller Zeiten“. Vukas bestritt 58 Länderspiele für Jugoslawien und erzielte dabei 22 Tore. Er verstarb 55-jährig an einem Herzinfarkt. Nach ihm sind Straßen in Zagreb und Split benannt.

Verteidiger-Legenden aus dem Süden

Zu den besten Verteidigern der GAK-Geschichte zählen mehrere Spieler aus der Region: der Serbe Stojadin Rajkovic, der bosnische Kroate Mario Tokic, der kroatische und österreichische Teamspieler Zeljko Vukovic, der slowenische Spieler und Trainer Matjaz Kek sowie der Istrier Angelo Devescovi.

Diese fünf Verteidiger bringen es zusammen auf knapp 590 Spiele in der ersten und zweiten Liga und erzielten dabei 40 Tore. Vukovic weist mit 138 die meisten Erstligapartien auf, insgesamt hat Rajkovic mit 149 Einsätzen die Nase vorn.

Matjaz Kek war zweimal Teamchef Sloweniens: von 2007 bis 2011 (49 Spiele, Qualifikation für die WM 2010) und von 2018 bis 2025 (75 Spiele, Qualifikation für die EM 2024). Beide Male war er der am längsten amtierende slowenische Teamchef. Rajkovic betreute den GAK nach dem Zwangsabstieg in die Regionalliga auch als Trainer.

Mittelfeld-Künstler: Bazina, Ceh und Vidovic

Ales Ceh spielte in zehn Jahren unglaubliche 287 Spiele für den GAK. Der slowenische Rekordnationalspieler bestritt insgesamt 74 Länderspiele und nahm an der WM 2002 und der EM 2000 teil, wo er im entscheidenden Gruppenspiel als Kapitän aufs Feld führte. Das Abschiedsspiel für Ceh gegen NK Maribor war zugleich das letzte Match in der Körösistraße. Als Trainer führte er den GAK 2011/12 zum souveränen Meistertitel in der Regionalliga Mitte mit 17 Punkten Vorsprung.

Mario Bazina war mit Ceh und Tokic prägend für die erfolgreichsten Jahre des GAK: Cup 2002 und 2004, Meistertitel 2004, Spieler des Jahres 2005. Der gebürtige Bosnier aus Siroki Brijeg erreichte mit den Roten das Sechzehntelfinale im UEFA-Cup gegen Middlesbrough FC. Nach der WM 2002 wurde er in die kroatische Nationalmannschaft einberufen.

Zelimir Vidovic prägte in den 80er-Jahren das Spiel des GAK. Der in Sarajewo geborene Bosnier kam vom FK Sarajewo über Eintracht Wels zu den Roten und glänzte durch Eleganz, Übersicht und ein exzellentes Auge für den richtigen Pass. Im Krieg in seiner Heimat wurde der bosnische Serbe von den die Stadt angreifenden Serben ermordet und in einem namenlosen Grab verscharrt. Erst nach Jahren wurden seine sterblichen Überreste identifiziert und feierlich bestattet.

Stürmer mit Kultstatus

Der Nordmazedonier Naumoski spielte nur 22 Partien für den GAK (8 Tore), war aber bis zu seinem Abgang nach einem Streit mit Trainer Schachner Teil der Meister- und Cupsiegermannschaft. Für Nordmazedonien bestritt er 45 Länderspiele (9 Tore). Bei den Feierlichkeiten erwies er sich als wahrer Meister und erlangte Kultstatus wegen seiner Nähe zu den Fans.

Alen Skoro war drei Jahre beim GAK (63 Spiele, 17 Tore) – so lange wie in seiner Wandervogelkarriere bei keinem anderen Verein. Der Bosnier kam vom FK Sarajewo und bestritt auch 10 Länderspiele für Bosnien und Herzegowina. In acht Derbys erzielte er fünf Tore, wobei er nur eines über die volle Spielzeit bestritt.

Igor Pamic erzielte in nur 10 Derbys beachtliche 7 Tore – manchmal auch mit dem Hinterkopf. Der „Bulle“ kam aus Rostock und spielte vier Saisons für die Roten (66 Spiele, 23 Tore) – seine längste Station als Profifußballer. Für Kroatien bestritt er 5 Länderspiele, war aber am Cupsieg 2000 maßgeblich beteiligt.

Trainer mit großen Namen

Südslawischen Trainern schenkte der GAK seltener Vertrauen. Zlatko „Cik“ Cajkovski, Deutscher Meister mit Köln und Europapokalsieger mit Bayern München, hielt sich 1981/82 nur 14 Runden. Ljubomir Petrovic, Sieger im Europacup der Meister mit Roter Stern Belgrad, blieb 1996 nur 9 Runden.

Milan Miklavic holte als Trainer 1992/93 Ales Ceh zum GAK. Nach einem souveränen Herbstmeistertitel und zwei Derbysiegen (2:0 und 4:0) schien der Wiederaufstieg sicher. Doch nach drei Niederlagen in Serie und einem Unentschieden in der letzten Runde hatte der GAK den Erfolg verspielt. Miklavic musste Jahrhunderttrainer Hans Ulrich Thomale Platz machen.

Erfolge mit südslawischen Spielern

Beim ersten Cupsieg 1981 stand lediglich ein Spieler aus Jugoslawien im Kader – Jahrhundertspieler Ekmecic. 2000 beim Cup- und Supercupsieg waren es drei Spieler, 2002 beim Cupsieg gegen den Stadtrivalen plus Supercupsieg sechs und 2004 beim Double fünf Spieler aus der Region.

Insgesamt haben mehr als 50 Spieler aus den Balkanländern für den GAK gespielt – genug für mehr als ein „Rotes Dream-Team“.

Quelle: https://www.grazerak.at/aktuelles/geschichte-suedslawischer-grazerak

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