Gaming-Studie: Spielzeit allein sagt nichts über Risiken aus

Mathias FischerMathias Fischer
E-Sport-Turnier in Vorarlberg: Junge Männer spielen vor großen Bildschirmen.
© Mayer / Weizenhofer / Stier

Ob langes Computerspielen schadet oder nützt, hängt nicht allein von der Dauer ab. Eine Studie aus Niederösterreich mit fast 4.000 Jugendlichen zeigt: Entscheidend ist, ob das Spielverhalten kontrolliert bleibt oder in eine Störung mündet.

Die Frage, ob ausgiebiges Computerspielen die geistigen Fähigkeiten von Jugendlichen stärkt oder schwächt, beschäftigt Forschende ebenso wie Eltern. Klare wissenschaftliche Antworten gab es bisher kaum. Ein Team der Karl Landsteiner Privatuniversität (KL Krems) hat nun eine Untersuchung vorgelegt, die zeigt: Langes Spielen muss nicht zwingend schaden – problematisch wird es erst bei krankhaftem Verhalten.

An der Studie unter der Leitung von David Willinger nahmen 3.854 Jugendliche zwischen zwölf und 16 Jahren teil, die Mittelschulen oder Gymnasien besuchten. Die Befragten verbrachten durchschnittlich rund 90 Minuten täglich mit Online-Gaming, wie das Team im Fachjournal „Computers in Human Behavior“ berichtet.

Von einer Stunde bis über sechs Stunden täglich

Die Bandbreite war allerdings erheblich: Knapp 2.000 Teilnehmende spielten weniger als eine Stunde pro Tag, während fast 500 Befragte als Hochintensiv-Spieler eingestuft wurden, die zwischen drei und über sechs Stunden vor den Bildschirmen saßen. Mit steigender Spieldauer nahm auch der Anteil jener zu, die Anzeichen einer „Internet-Gaming-Störung“ (IGD) aufwiesen. Diese Erkrankung ist durch Kontrollverlust, starkes Verlangen nach Spielen und fortgesetztes Spielen trotz negativer Konsequenzen gekennzeichnet.

Bisherige Forschungsarbeiten lieferten widersprüchliche Befunde: Einerseits wurde langes Gaming mit schlechteren Schulleistungen, Schlafproblemen und psychosozialen Belastungen in Verbindung gebracht. Andererseits zeigten sich positive Effekte auf Aufmerksamkeit, räumliches Denken und Problemlösungsfähigkeiten. Die Kremser Forschenden bieten nun eine Erklärung für diese Diskrepanz.

Kontrolliertes Spielen kann Leistungen sogar verbessern

„Die reine Spielzeit greift als alleiniges Maß zu kurz. Ein Teenager, der viele Stunden konzentriert ein komplexes Strategiespiel spielt, agiert völlig anders als jemand, der trotz negativer Folgen nicht mehr mit dem Spielen aufhören kann“, erklärte Willinger. Die Studie zeige, warum die Forschung diese Nutzungsmuster klarer trennen müsse.

Jugendliche mit Anzeichen einer IGD erzielten in allen untersuchten kognitiven Bereichen deutlich schlechtere Ergebnisse – etwa beim logischen Denken, bei visuell-räumlichen Fähigkeiten, bei verbalen und numerischen Kompetenzen sowie beim Langzeitgedächtnis. Bei Teilnehmenden, deren Gaming-Verhalten trotz langer Spielzeit kontrolliert, abwechslungsreich und zielgerichtet blieb, verbesserten sich die Testergebnisse in einigen Bereichen mit zunehmender Spieldauer sogar leicht.

Während frühere Arbeiten intensives Spielen oft mit einer Gaming-Störung gleichsetzten, habe die genauere psychologische Diagnostik nun mehr Klarheit gebracht. Dass kontrolliertes Gaming Fähigkeiten verbessere, lasse sich zwar nicht belegen – jedes lange Spielen aber pauschal als Risiko zu bewerten, greife ebenfalls zu kurz.

Genre und Spielauswahl spielen zentrale Rolle

Auch die Art der Spiele sei entscheidend, so die Forschenden. Strategie- und Rollenspiele standen eher mit besseren Fähigkeiten beim Schlussfolgern und in verbalen Bereichen in Zusammenhang. „Shooter“, also Schießspiele, waren hingegen mit einem hohen IGD-Risiko verbunden. Zwischen einzelnen Spielen zeigten sich ebenfalls Unterschiede: Actionspiele wie Fortnite, Roblox oder Brawl Stars wiesen die höchsten Zusammenhänge mit IGD auf.

Quelle: APA

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