Gendermedizin: Frauen werden anders krank als Männer

Mona HopfingerMona Hopfinger
Gender-Medizin: Waage mit Stethoskop, Männer-Symbol, Pillen und Sanduhr, Herz
© Mit KI (Gemini) generiert

Eine Ergotherapeutin macht auf die Defizite in der geschlechtersensiblen Medizin aufmerksam. Frauen sind in Forschung und Behandlung noch immer unterrepräsentiert – mit teils lebensbedrohlichen Folgen.

Sarah Baumbach arbeitet als Ergotherapeutin und berichtet von einer Patientin, die bei ihrem letzten Hausarztbesuch mit der Diagnose „Sie haben Arthrose, da kann man nichts machen“ abgefertigt wurde. Ein typisches Beispiel für die Schnelligkeit, mit der medizinische Termine heute oft ablaufen müssen.

Gesellschaftlich habe sich in den vergangenen Jahren viel verändert, so die Therapeutin. Frauen würden sich mehr zutrauen, Grenzen setzen und selbstbestimmter auftreten. Doch gerade in der sogenannten Gendermedizin – auch geschlechtersensible Medizin genannt – sei noch ein weiter Weg zu gehen.

Frauen in Forschung und Behandlung benachteiligt

Baumbach stellt die Frage, warum Frauen in der Medizin noch immer unterrepräsentiert seien, obwohl sie fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmachten. Das betreffe Forschung, Behandlung und Prävention gleichermaßen.

Bei Frauen sei es notwendig, in der Medizin genauer hinzuschauen. Viele Krankheitssymptome zeigten sich bei ihnen völlig anders als bei Männern.

Herzinfarkt: Zwei Stunden Zeitverlust durch falsche Symptome

Als Beispiel nennt die Ergotherapeutin den Herzinfarkt. Während dieser sich bei Männern oft mit einem Stechen in der Brust bis in den linken Arm zeige, könnten bei Frauen völlig andere Symptome auftreten: Übelkeit, Erbrechen, Rücken- oder Nackenschmerzen, Atemlosigkeit. Aus diesem Grund kämen Frauen im Durchschnitt etwa zwei Stunden später in die Notaufnahme – kostbare Zeit gehe verloren.

Die medizinische Forschung habe jahrhundertelang den Mann als Standard verwendet. Das Ergebnis: Schlafmittel seien für Frauen oft zu hoch dosiert. Am Tag nach der Einnahme hätten diese häufiger einen Autounfall als Männer.

Körperliche Unterschiede werden zu wenig berücksichtigt

Es gebe zahlreiche körperliche Unterschiede in Anatomie, Erbgut, Stoffwechsel, Hormonhaushalt und Immunsystem. Der menschliche Körper sei viel komplexer, als schwarz-weiß-Denken zulasse. Menschen seien individueller.

Baumbach fordert, dass diese Individualität besser gesehen werde. Zudem gebe es nicht nur Männer und Frauen, sondern auch einiges dazwischen. In diesem Bereich fange das Verständnis in der Gesellschaft gerade erst an.

Auch Männer leiden unter dem System

Das derzeit patriarchale Gesundheitssystem habe auch negative Folgen für Männer. Auch sie würden einem Idealbild entsprechend behandelt, wodurch oft Depressionen oder Brustkrebs verspätet erkannt würden.

Die Therapeutin ruft dazu auf, mutig zu sein und sichtbar zu werden. Das medizinische System solle hinterfragt und Individualität eingefordert werden.

Ihrer Patientin gehe es mittlerweile etwas besser. Auch als Ergotherapeutin könne man nicht alle Erkrankungen heilen, aber man könne gewisse Symptome positiv beeinflussen und Informationen an die unterschiedlichen Lebenssituationen individuell weitergeben. Ihr Wunsch sei es, dass Patientinnen und Patienten zugehört werde – für mehr Lebensqualität.

Quelle: https://ooe.gruene.at/news/uber-mann-und-frau-im-gesundheitswesen

Worüber spricht Linz morgen?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.