Geothermie-Streit verzögert 92-Millionen-Projekt

Mona HopfingerMona Hopfinger
Geothermiebohrung in Steiermark, Neudau mit 114°C und 92 Mio. € bis 2027
© Mit KI (Gemini) generiert

Ein geplantes Gewächshausprojekt in Neudau mit Geothermie-Heizung kommt nicht voran. Lebensmittelproduzent Manfred Hohensinner will auf 18 Hektar Glashäuser errichten, doch Thermenbesitzer Robert Rogner fürchtet um den Wasserdruck in seiner Anlage, so der ORF.

Manfred Hohensinner betreibt bereits Gewächshäuser mit Geothermie-Beheizung in Bad Blumau auf knapp 40 Fußballfeldern. Ein vergleichbares Vorhaben plant er nun in Neudau auf rund 18 Hektar.

Der Bohrplatz ist bereits erschlossen, um in 114 Grad heißem Wasser zu bohren. Doch die Arbeiten haben noch nicht begonnen. Hohensinner macht dafür einen „spitzfindigen Unternehmer“ verantwortlich, der „juristisch wahrscheinlich sehr versiert ist“ und das Vorhaben blockieren wolle.

Thermenbesitzer Rogner befürchtet Beeinträchtigung

In der Region liegt auch die Therme Bad Blumau. Deren Besitzer, der bekannte Unternehmer Robert Rogner, plant ebenfalls Thermalbohrungen – nur etwa 1.700 Meter von Hohensinners Bohrplatz entfernt. Rogner lehnt das Glashausprojekt ab, weil er befürchtet, die Bohrung könnte den Wasserdruck in seiner Therme negativ beeinflussen.

Behörde verweist auf Gerichte

Wer den Vorzug erhalten soll, müsse die zuständige Landesbehörde in der Steiermark klären, fordert der Gemüseproduzent. „Wenn die Behörden und die Politik feststellen, dass das Projekt Rogner wichtiger ist und besser ist als unseres, dann ist das okay. Aber sie sollen doch entscheiden“, so Hohensinner.

Die Landesbehörde verweist jedoch auf die Gerichte. Diese müssten klären, ob Rogner im Bewilligungsverfahren überhaupt Parteistellung hat und ob eine notwendige Probebohrung durchgeführt werden kann. Dabei soll auch geprüft werden, ob beide Projekte nebeneinander realisierbar wären.

Investor erwägt Ausweichen nach Kroatien

Hohensinner hängt mit seinem 92-Millionen-Euro-Projekt weiter in der Schwebe und schließt einen Wechsel ins Ausland nicht mehr aus. „Ich hätte mir niemals gedacht, dass wir mal über so etwas reden müssen. Und jetzt sind wir so weit“, sagt er. Viel mehr Zeit und Energie wolle er nicht mehr in Neudau investieren. Falls es nicht klappt, gebe es bereits ein Angebot aus Kroatien.

Bürgermeister sieht Fernwärme und Arbeitsplätze in Gefahr

Der Neudauer Bürgermeister Wolfgang Dolesch versucht, das zu verhindern. Er ist überzeugt, dass die gesamte Region vom Geothermie-Projekt profitieren würde. Die 92 Millionen Euro Investition würden ermöglichen, die Fernwärmeversorgung von Neudau von Hackschnitzeln auf Geothermie umzustellen. Zudem sollen bis zu 250 Arbeitsplätze direkt durch das Glashausprojekt entstehen.

Ursprünglich erste Erträge für 2027 geplant

Hohensinner hatte das Gewächshausprojekt bereits vor einem Jahr angekündigt. Die Umsetzung sollte in zwei Etappen erfolgen, der Abschluss der ersten Bauphase war für Anfang 2027 vorgesehen. Kurz darauf sollten bereits erste Erträge erzielt werden.

Anfang dieses Jahres kam das Projekt wegen des anhaltenden Streits ins Stocken. Laut Bürgermeister Dolesch hatten die Projektpartner zu diesem Zeitpunkt bereits drei Millionen Euro investiert, unter anderem für die Erschließung des Bohrplatzes.

Quelle: https://steiermark.orf.at/stories/3366766/

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