Gericht gibt GLOBAL 2000 recht: Pestizid-Vorwurf unwahr

Pia ProdingerPia Prodinger
Pestizidfläche Österreich: Waage mit Datenanstieg und Pflanze, Richterhammer, Lupe
© Mit KI (Gemini) generiert

Das Handelsgericht Wien hat einen Vorwurf der IndustrieGruppe Pflanzenschutz gegen GLOBAL 2000 als unwahr eingestuft. Auch der Steirische Bauernbund hatte die falsche Behauptung verbreitet. Die Grünen Bäuerinnen und Bauern fordern nun eine öffentliche Richtigstellung.

Das Handelsgericht Wien hat eine zentrale Behauptung der Pestizidlobby gegen die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 als unwahr eingestuft. Die IndustrieGruppe Pflanzenschutz hatte behauptet, der von GLOBAL 2000 festgestellte Anstieg des Pestizideinsatzes beruhe auf einem Rechenfehler. Konkret sei CO₂, das bei der Lagerung von Obst und Gemüse eingesetzt wird, fälschlicherweise in die Berechnungen einbezogen worden. Diese Aussage muss die IndustrieGruppe nun widerrufen.

GLOBAL 2000 hatte bereits im Dezember des Vorjahres eine Auswertung veröffentlicht. Laut dieser ist die potenziell mit Pestiziden behandelte Fläche in Österreich zwischen 2010 und 2024 um 22 Prozent gestiegen. Bei besonders bedenklichen Wirkstoffen fiel der Anstieg noch deutlicher aus.

Bauernbund übernahm Vorwurf

Der mittlerweile widerlegte Vorwurf wurde auch vom Steirischen Bauernbund aufgegriffen. Gemeinsam mit dem Obstbauverband warf dieser GLOBAL 2000 in einer Aussendung die Verbreitung von „Falschinformationen“ sowie eine „absichtliche Falschinterpretation“ vor. Die betreffende Veröffentlichung ist weiterhin unverändert online abrufbar.

Andreas Lackner, Obmann der Grünen Bäuerinnen und Bauern, sieht darin ein wiederkehrendes Muster. Der Steirische Bauernbund greife Umweltschutzorganisationen oder andere NGOs rasch an, wenn deren Aussagen nicht ins eigene Bild passen würden. Dieses Mal sei diese Strategie jedoch gescheitert. Wer anderen öffentlich Fehlinformationen vorwerfe, sollte nach Ansicht Lackners auch bereit sein, falsche Anschuldigungen ebenso öffentlich richtigzustellen. Er fordert daher eine entsprechende Korrektur des veröffentlichten Beitrags.

Fokus auf die eigentliche Debatte

Für Lackner lenkt die Auseinandersetzung um Zahlen und Berechnungsmethoden von den eigentlichen Herausforderungen ab. Bäuerinnen und Bauern hätten nichts davon, wenn berechtigte Fragen zum Pestizideinsatz mit Ablenkungsmanövern beantwortet würden.

Landwirtschaft und Naturschutz seien eng miteinander verbunden und sollten gemeinsam gedacht werden. Statt Umweltorganisationen zu kritisieren, müsse verstärkt daran gearbeitet werden, besonders problematische Wirkstoffe zu reduzieren und praktikable Alternativen für landwirtschaftliche Betriebe zu fördern.

Grüne drängen auf mehr Transparenz

Nach Ansicht der Grünen sind verlässliche Daten eine wesentliche Grundlage für eine sachliche Diskussion über den Pestizideinsatz. Die steirischen Grünen setzen sich deshalb seit längerem für mehr Transparenz in diesem Bereich ein.

Bereits im Juni brachten sie im Landtag eine umfassende Anfrage zur Einführung einer bundesweiten Pestizid-Anwendungsdatenbank ein. Zwar dokumentieren landwirtschaftliche Betriebe ihre Anwendungen bereits, die Daten werden jedoch bislang nicht zentral erfasst und ausgewertet.

Lackner betont, dass für eine ehrliche Debatte über Pestizide belastbare Datengrundlagen notwendig seien. Die von den Landwirten ohnehin erfassten Informationen sollten daher auch für übergeordnete Analysen und Entscheidungen genutzt werden.

Mögliche Einsatzbereiche einer Datenbank

Eine bundesweite Pestizid-Anwendungsdatenbank könnte unter anderem genutzt werden für:

  • die Erforschung der Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln,

  • den Schutz von Trinkwasserressourcen,

  • den Gesundheitsschutz von Menschen, die regelmäßig mit Pflanzenschutzmitteln arbeiten.

Quelle: https://zukunftsteiermark.at/pestizid-vorwurf-bauernbund-richtigstellung

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