Geschworene sprachen Angeklagten von Mordversuch frei

Nach einer Messerattacke auf einen damals 15-Jährigen am 17. Dezember in einer Flüchtlingsunterkunft haben Geschworene den Angeklagten nicht des versuchten Mordes, sondern nur der schweren Körperverletzung schuldig gesprochen. Der Jugendliche hatte mehrere Stichverletzungen erlitten, so der ORF.
Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Eröffnungsplädoyer argumentiert, dass es sich um das schwerste Delikt des österreichischen Strafrechts handle und der Teenager nur dank ärztlicher Versorgung überlebt habe. Die Geschworenen bewerteten den Fall jedoch anders und verurteilten den Angeklagten wegen schwerer Körperverletzung.
Vom zusätzlichen Vorwurf der versuchten Körperverletzung an einem Freund des Opfers wurde der Libanese freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab, weshalb das Urteil noch nicht rechtskräftig ist.
Streit in Flüchtlingsunterkunft eskalierte
Am 17. Dezember hatte ein Bekannter drei Mädchen in die Flüchtlingsunterkunft des Angeklagten mitgebracht. Laut Staatsanwältin wurde dort „gechillt und getrunken“. Als die Lage für eines der Mädchen offenbar unangenehm wurde, rief dieses den damals 15-Jährigen an, der mit zwei Begleitern zur Unterkunft kam.
Unmittelbar danach entbrannte ein heftiger Streit. Der Angeklagte zog einen Dolch und stach laut Anklage mindestens dreimal zu, unter anderem in den linken Lungenlappen des Jugendlichen. Eine Notoperation rettete das Opfer. Der Beschuldigte wurde festgenommen und in Untersuchungshaft genommen.
Widersprüchliche Aussagen vor Gericht
Der Angeklagte gab an, stark betrunken gewesen zu sein und Marihuana geraucht zu haben. Er sei angegriffen worden und habe ohne Tötungsabsicht zugestochen. Er habe das Trio lediglich „erschrecken“ wollen. Sein Verteidiger sprach von „bewusster Fahrlässigkeit“ beim Zustechen.
Das inzwischen 16 Jahre alte Opfer schilderte vor Gericht eine andere Version: Der Angeklagte sei grundlos sofort auf ihn losgegangen und habe viermal zugestochen. Er leide noch heute an den Folgen der Attacke, könne nicht mehr wie früher Ausdauersport betreiben und habe „schlaflose Nächte und Flashbacks von der Tat“.
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