Getreideernte im Burgenland um bis zu 50 Prozent eingebrochen

Mathias FischerMathias Fischer
Erntepresskonferenz: Josef Plank, Karl Schmid, Hannes Mairhofer, Elisabeth Mairhofer und Andreas Mairhofer mit Produkten
© WKB, PANNATURA/Hafenscher

Extreme Trockenheit und Hitze haben die Getreideernte im Burgenland massiv beeinträchtigt. Die Erträge liegen heuer um 30 bis 50 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Während die Qualität zufriedenstellend ausfällt, kämpft der Agrarhandel mit hohen Lagerbeständen und schwieriger Preisfindung.

Die Getreideernte 2026 stellt die burgenländische Landwirtschaft vor erhebliche Probleme. Fehlender Regen im Herbst, das trockenste Frühjahr seit Messbeginn und extreme Temperaturen im Juni haben zu deutlichen Ertragseinbußen geführt. Bei einer Präsentation der Erntebilanz auf dem Bio-Landgut Esterhazy in Donnerskirchen zogen Vertreter des Agrarhandels, der Landwirtschaft, der Österreichischen Hagelversicherung und des Landes Burgenland eine erste Bilanz.

Hohe Lagerbestände erschweren Vermarktung

Hannes Mosonyi, Obmann des burgenländischen Agrarhandels in der Wirtschaftskammer, berichtet von einer schwierigen Situation. Die Preisfindung gestalte sich heuer besonders kompliziert, da die Lagerbestände weiterhin hoch seien. Die Landwirtinnen und Landwirte müssten sich auf deutliche Mengeneinbußen einstellen – die Erträge lägen um 30 bis 50 Prozent unter jenen von 2025. Positiv sei hingegen die Qualität des heurigen Getreides, die insgesamt als zufriedenstellend eingeschätzt werde.

Die 144 Mitgliedsbetriebe des burgenländischen Agrarhandels stünden vor großen Herausforderungen, so Mosonyi. Versorgungssicherheit, faire Wettbewerbsbedingungen und verlässliche Rahmenbedingungen seien zentrale Voraussetzungen, um die Zukunft der heimischen Landwirtschaft langfristig abzusichern. Die Branche fungiere als Bindeglied zwischen Landwirtschaft, verarbeitender Industrie sowie Konsumentinnen und Konsumenten.

Klimakrise in der landwirtschaftlichen Praxis angekommen

Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner wertet die heurige Ernte als deutliches Zeichen dafür, dass die Auswirkungen der Klimakrise längst in der landwirtschaftlichen Praxis angekommen seien. Die Ernte mache sichtbar, was viele Bäuerinnen und Bauern schon seit Jahren erleben: Hitze und Trockenheit seien längst keine Ausnahme mehr, sondern die Realität der Klimakrise. Wenn Böden austrocknen und Erträge zurückgehen, lasse sich das nicht mit immer mehr chemisch-synthetischem Dünger ausgleichen. Entscheidend seien gesunde, humusreiche Böden, die Wasser speichern.

Gerade in Zeiten internationaler Krisen und wachsender Abhängigkeiten sei eine starke heimische Lebensmittelproduktion ein wesentlicher Teil der Versorgungssicherheit. Wer hochwertige Lebensmittel auf dem Teller wolle, müsse aber auch dafür sorgen, dass sie unter guten Bedingungen produziert werden können, so Haider-Wallner. Das brauche faire Preise für die Bäuerinnen und Bauern, regionale Wertschöpfung und eine Landwirtschaft, die auch unter veränderten Klimabedingungen Zukunft habe.

Erntebeginn um zehn Tage verfrüht

Markus Fritz, Prokurist der PANNATURA GmbH, verweist auf die schwierigen Rahmenbedingungen des heurigen Anbaujahres. Die Trockenheit habe zu einer verfrühten Abreife der Kulturen und zu einem um rund zehn Tage früheren Erntebeginn geführt. Ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Zukunft liege darin, sich noch intensiver mit dem Thema Boden auseinanderzusetzen. Das Ziel müsse es sein, Wasser möglichst lange im System Boden zu halten.

Neben einer vielfältigen Fruchtfolge setze man auch auf neue technische Ansätze wie den Strohstriegel, der die Keimung von Ausfallgetreide und Beikräutern anrege, während gleichzeitig die Kapillarwirkung des Bodens unterbrochen werde. Das reduziere die Verdunstung und helfe, die vorhandene Bodenfeuchtigkeit länger zu speichern, so Fritz.

Bio-Ernte mit höherer Qualität

Auch im biologischen Landbau hinterlässt die Trockenheit deutliche Spuren. Martin Pinczker, Geschäftsführer der Bioprodukte Pinczker GmbH, berichtet von niedrigeren Erträgen als im Rekordjahr 2025. Gleichzeitig bewahrheite sich, dass ein Minus beim Ertrag oftmals ein Plus an Qualität bedeute. Speziell bei Weizen beobachte man einen höheren Gehalt an Eiweiß – ein wichtiges Qualitätsmerkmal, das heuer weit über dem Durchschnitt liege. In der Vermarktung profitiere man nach wie vor von der wiedererwachten Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln in Österreich und Deutschland. Man blicke deshalb optimistisch in die anstehende Vermarktungssaison.

250 Millionen Euro Schäden in zehn Jahren

Mario Winkler, Prokurist der Österreichischen Hagelversicherung, warnt vor den langfristigen Folgen der Klimaerhitzung. Die vergangenen drei Jahre seien global die wärmsten Jahre der Messgeschichte gewesen, in Österreich sei 2024 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen.

Besonders deutlich zeige sich die Entwicklung im Burgenland. Während in den 1980er-Jahren in Eisenstadt durchschnittlich zwölf Hitzetage pro Jahr verzeichnet wurden, liege der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre bereits bei 32 Hitzetagen. Im Rekordjahr 2024 wurden sogar 48 Hitzetage registriert.

Die Folgen seien für die Landwirtschaft längst spürbar. Frost, Hagel, Sturm, Dürre und Starkregen hätten allein im Burgenland in den vergangenen zehn Jahren Schäden von rund 250 Millionen Euro verursacht. Diese Zahlen zeigten klar: Der Klimawandel sei längst keine abstrakte Zukunftsfrage mehr. Er treffe die Bäuerinnen und Bauern unmittelbar – wirtschaftlich, existenziell und Jahr für Jahr stärker, betont Winkler.

Rund acht von zehn Ackerbaubetrieben im Burgenland seien mittlerweile gegen Wetterrisiken wie Hagel, Dürre oder Frost versichert. Ebenso wichtig wie Risikovorsorge seien Klimaschutz und der verantwortungsvolle Umgang mit landwirtschaftlichen Böden.

Quelle: https://www.wko.at/bgld/news/getreideernte-2026-geringere-ertraege-angespannte-marktlage

Worüber spricht Eisenstadt morgen?

Bald verfügbar: Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.