Gewaltambulanz Graz expandiert nach Leoben

Die Gewaltambulanz der Med Uni Graz weitet ihr Angebot aus. Ab dem ersten Quartal 2027 soll am LKH Hochsteiermark in Leoben eine telemedizinisch unterstützte Ambulanz in Betrieb gehen, wie am Mittwoch bekannt gegeben wurde.
Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt können sich an der Gewaltambulanz der Med Uni Graz ihre Verletzungen kostenlos und gerichtsverwertbar dokumentieren lassen. Diese Anlaufstelle wird nun erweitert: Im ersten Quartal 2027 soll die erste telemedizinisch unterstützte Ambulanz am LKH Hochsteiermark in Leoben starten.
Objektive Befunde und eine zeitnahe Dokumentation sind nach Körperverletzungsdelikten oder sexuellen Übergriffen entscheidend. Werden Verletzungen nicht oder zu spät festgehalten, fehlen diese Beweise in späteren Gerichtsverfahren. Die Gewaltambulanz am Diagnostik- und Forschungsinstitut für Gerichtliche Medizin bietet körperliche Untersuchungen und Dokumentationen unabhängig von Alter, Geschlecht oder einer polizeilichen Anzeige an.
Telemedizin für ländliche Regionen
Sarah Heinze, Leiterin des Instituts für Gerichtliche Medizin, erklärte das Konzept: „Kein Fall von körperlicher Gewalt soll unerkannt oder ungenügend dokumentiert bleiben, egal ob hier in Graz oder in der ländlichen Region.“ An Orten, wo die Gerichtsmedizin nicht innerhalb von 60 Minuten erreichbar ist, sollen Ärzte vor Ort in Klinikambulanzen eingesetzt werden. Diese werden von Gerichtsmedizinern telemedizinisch durch die Untersuchung geführt.
Die Gerichtsmedizin aus Graz ist dabei online zugeschaltet, während die Untersuchung in der Obersteiermark durchgeführt wird. Untersuchungsbefunde, Laborergebnisse und fotografische Dokumentationen werden verschlüsselt an die Gewaltambulanz übertragen. Für das Pilotprojekt „Forensic Petra“ wurde eigens eine Software entwickelt. Bis Jänner 2027 soll alles einsatzbereit sein, parallel laufen Schulungen für die Mediziner vor Ort.
Land Steiermark fördert Projekt
Andrea Kurz, Rektorin der Med Uni Graz, betonte: „Gewalt ist kein Randthema, sie findet häufiger statt, als wir es wahrhaben möchten. Menschen, die Gewalt erlebt haben, sollten bestmöglich unterstützt werden.“ Mithilfe von Telemedizin würden Hürden abgebaut und gerichtsmedizinische Expertise dorthin gebracht, wo sie am dringendsten benötigt wird.
Das Land Steiermark hat das Projekt seit 2024 mit rund 640.000 Euro gefördert, wie Soziallandesrat Hannes Amesbauer (FPÖ) bei der Projektpräsentation hervorhob. „Es darf für die Qualität der medizinischen Versorgung keinen Unterschied machen, wo jemand zuhause ist“, so der Landesrat. Er bezeichnete das Vorhaben als „Vorzeigeprojekt für den modernen Opferschutz“.
Rechnungshof begrüßt Gewaltambulanzen
Im Sommer 2025 machte der Rechnungshof auf den drohenden Fachkräftemangel in der österreichischen Gerichtsmedizin aufmerksam. Ausdrücklich begrüßt wurden die Gewaltambulanzen an den gerichtsmedizinischen Instituten der Medizinischen Universitäten Graz und Wien. Aus Sicht des Rechnungshofs sind diese Einrichtungen zweckmäßig, insbesondere im Hinblick auf effektive Strafverfolgung, Verfahrensbeschleunigung und Opferschutz. Die beiden Gewaltambulanzen werden von Justiz-, Frauen-, Sozial- und Innenministerium gemeinsam finanziert.
Quelle: APA
Worüber spricht Leoben morgen?
Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.
Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.