Gewerkschaft und Industrie fordern Sanierungsoffensive

Mathias FischerMathias Fischer
Michael Schickhofer und Hans-Peter Doskozil vor rotem Hintergrund
© GBH-Presse

Die Gewerkschaft BAU-HOLZ und die Stein- und keramische Industrie verlangen nach der ersten Hitzewelle 2026 eine Beschleunigung der thermischen Sanierung. Förderungen für Klimaanlagen sollen künftig nur noch gemeinsam mit Dämmmaßnahmen vergeben werden.

Die erste Hitzewelle des Jahres 2026 hat die Debatte um klimafitte Gebäude neu entfacht. Die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH) und die Stein- und keramische Industrie sehen in der thermischen Sanierung den wirksamsten Schutz vor extremer Hitze. Eine gut gedämmte Gebäudehülle halte Hitze im Sommer draußen und Wärme im Winter im Gebäude, senke dauerhaft den Energieverbrauch und sichere gleichzeitig Arbeitsplätze in Österreich.

Messungen zeigen deutliche Temperaturunterschiede

Aktuelle Messungen im VIVA Forschungspark, einem der größten Versuchsgelände Europas für vergleichende Baustoffforschung, belegen den Effekt: Bei einer Außentemperatur von 37,4 Grad blieb es in einem gut gedämmten Haus mit 24,5 Grad Raumtemperatur knapp fünf Grad kühler als in einem baugleichen, ungedämmten Gebäude mit 29,5 Grad. Auch im Winter zeigt sich der Unterschied deutlich.

Bei einem simulierten mehrtägigen Heizausfall sank die Temperatur in einem ungedämmten Haus auf rund 10 Grad, während sie in einem vergleichbaren gedämmten Gebäude auch nach zwei Tagen noch bei erträglichen 17 Grad lag. Ein ungedämmtes Haus benötige für ein angenehmes Raumklima rund zweieinhalb Mal so viel Energie wie ein gedämmtes.

Sanierungsrate gesunken, Markt eingebrochen

Die thermische Sanierungsrate ist in Österreich 2024 auf 0,9 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist der Dämmstoffmarkt seit 2021 um rund 30 Prozent eingebrochen. Für die GBH sind das alarmierende Entwicklungen, denn jede nicht durchgeführte Sanierung bedeute weniger Aufträge für heimische Betriebe und weniger Beschäftigung.

Konkrete Vorteile für Haushalte

Die thermische Sanierung bringe den Menschen mehrere direkte Vorteile:

  • Dauerhafte niedrigere Energiekosten
  • Kühlere Wohnungen im Sommer, ohne dass jeder Haushalt eine eigene Klimaanlage anschaffen und betreiben muss
  • Mehr Sicherheit bei Blackouts, Kälte- und Hitzeperioden – ein gut gedämmtes Zuhause kühle im Ernstfall deutlich langsamer aus
  • Gesündere Raumluft und weniger Schimmelrisiko durch stabilere Wandoberflächentemperaturen
  • Stabilere Betriebskosten für Mieterinnen und Mieter, weil energieeffiziente Gebäude weniger anfällig für Preisspitzen bei Energie sind
  • Sichere, regionale Arbeitsplätze statt Wertschöpfung im Ausland

Gebäudehülle vor Klimaanlage

Mit jeder Hitzewelle werde der Ruf nach mehr Klimaanlagen lauter. Für GBH und Stein- und keramische Industrie greift diese Diskussion zu kurz. Bei den Klimaanlagen dürfe nicht derselbe Fehler passieren wie beim Heizkesseltausch: Eine neue Heizung oder Klimaanlage könne ihre volle Wirkung nur entfalten, wenn auch die Gebäudehülle stimme. Andernfalls gehe im Winter Wärme und im Sommer Kälte ungenutzt verloren – das belaste Geldbörse, Stromnetz und Klima gleichermaßen.

Drei zentrale Forderungen

GBH und Stein- und keramische Industrie fordern nachhaltige Investitionen in die thermische Sanierung, insbesondere bei Mehrparteienhäusern sowie leistbaren Wohnungen, wo die Belastung durch Hitze besonders groß sei.

Förderungen für Heizungs- oder Klimaanlagen sollen künftig nur gemeinsam mit Maßnahmen zur Verbesserung der Gebäudehülle gewährt werden. Nur eine gut gedämmte Gebäudehülle mache Heiz- und Kühlsysteme dauerhaft effizient und sorge dafür, dass öffentliche Fördergelder nachhaltig eingesetzt werden. Wien zeige bereits, wie es geht.

Zudem fordern die beiden Organisationen eine gezielte Ausbildung von Fachkräften, damit ausreichend qualifiziertes Personal für die notwendige Sanierungsoffensive zur Verfügung stehe.

Muchitsch und Schmid appellieren an Politik

Josef Muchitsch, GBH-Bundesvorsitzender, betonte: „Die Hitzewellen werden häufiger und stärker. Thermische Sanierungen schützen Menschen vor Hitze im Sommer und vor Kälte im Winter. Gleichzeitig sichern sie Arbeitsplätze und stärken unsere heimischen Betriebe.“ Man dürfe bei den Klimaanlagen nicht denselben Fehler machen wie beim Heizkesseltausch. Jeder Euro, der heute in die thermische Sanierung investiert werde, schütze Menschen, sichere gute Arbeitsplätze und stärke heimische Betriebe.

Robert Schmid, Obmann des Fachverbands der Stein- und keramischen Industrie, erklärte: „Die Lösung gegen zunehmende Hitze liegt nicht in einem höheren Energieverbrauch, sondern in intelligenten Gebäuden. Die günstigste und nachhaltigste Energie ist jene, die gar nicht erst verbraucht werden muss.“ Die Unternehmen investierten seit Jahren intensiv in Forschung und Entwicklung. Die Technologien seien vorhanden. Jetzt brauche es den politischen Willen, die thermische Sanierung deutlich zu beschleunigen.

Quelle: https://baumit.at/news/hitze-thermische

Robert Schmid bei einer Pressekonferenz in Österreich, mit Kameras im Hintergrund.
© GBH-Presse

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