Global 2000 testet Hausbrunnen auf gefährliche PFAS

Die Umweltschutzorganisation Global 2000 hat eine österreichweite Testaktion gestartet, um private Hausbrunnen auf PFAS zu untersuchen. Hintergrund sind erhöhte Werte der Chemikalie im Brunnenwasser von Mannswörth in Niederösterreich.
Die Umweltschutzorganisation Global 2000 hat am Dienstag eine österreichweite Testaktion ins Leben gerufen, um Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) in privaten Hausbrunnen aufzuspüren. Anlass sind erhöhte Werte der Chemikalie im Brunnenwasser von Mannswörth im Bezirk Bruck an der Leitha. Die NGO weist darauf hin, dass viele Menschen in Österreich ihr Wasser aus Hausbrunnen oder kleinen Versorgungsgemeinschaften beziehen, die ebenfalls belastet sein könnten.
Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei Global 2000, erklärte: „Seit Anfang des Jahres müssen Wasserversorger ihr Trinkwasser auf PFAS kontrollieren. Wer sein Wasser aber aus einem privaten Hausbrunnen bezieht, fällt durch dieses Kontrollnetz. Genau diese Wissenslücke wollen wir schließen.“ Teilnehmer der Studie erhalten eine Laboranalyse der 20 PFAS nach der EU-Trinkwasserrichtlinie zu einem um ein Drittel reduzierten Preis von 234 Euro pro Probe. Die Untersuchung wird vom Umweltanalytik-Labor Institut Dr. Wagner unterstützt und durchgeführt.
Tausende unbekannte Hotspots vermutet
Zu den wichtigsten Quellen lokaler PFAS-Belastungen zählen aktuelle und ehemalige Feuerlöschübungsplätze sowie Flughäfen, Militärstandorte und Industrieanlagen. In Mannswörth erfolgte die Kontaminierung durch Feuerwehrlöschschaum am OMV-Gelände. Fachleute gehen davon aus, dass österreichweit Tausende bisher unbekannte PFAS-Hotspots existieren.
„PFAS-Kontaminationen sind oft unsichtbar. Was man nicht misst, sieht man nicht. Unser Ziel ist es, sichtbar zu machen, wo Belastungen auftreten und wie groß das Problem tatsächlich ist“, so Burtscher-Schaden. Die NGO betonte, dass für drei besonders gefährliche PFAS, die häufig in Löschschäumen zum Einsatz kommen, die gesundheitlichen Risiken besonders gut erforscht seien. In den USA sowie in einigen europäischen Ländern wurden Trinkwassergrenzwerte zwischen zwei und zehn Nanogramm pro Liter festgelegt.
OMV gibt Messdaten nicht preis
In Mannswörth wurden PFAS-Belastungen von bis zu 300 Nanogramm pro Liter gemessen. Welche PFAS in welchen Konzentrationen vorliegen, gab die OMV trotz mehrfacher Anfragen von geschädigten Anrainern und Global 2000 bisher nicht preis, kritisierte die NGO gegenüber der APA. Stattdessen habe die OMV in einem aktuellen Informationsschreiben betont, es bestehe keine „kurzfristig schlagend werdende akute Gesundheitsgefahr“.
Burtscher-Schaden bezeichnete diese Formulierung als irreführend: „Bei PFAS ist die Frage nach einer kurzfristigen akuten Gesundheitsgefahr irreführend.“ Entscheidend sei die langfristige Belastung durch den regelmäßigen Konsum belasteten Trinkwassers. Angesichts einer Gesamtbelastung von bis zu 300 Nanogramm pro Liter sei eine Gesundheitsgefährdung durch die Nutzung als Trinkwasser sehr wahrscheinlich. Wie groß diese sei und welche Folgen im Vordergrund stünden, hänge entscheidend davon ab, welche einzelnen PFAS in welchen Konzentrationen vorliegen.
Für einige der am besten untersuchten PFAS sei eine langfristige Belastung unter anderem mit einer Beeinträchtigung des Immunsystems, der Fruchtbarkeit und einem erhöhten Risiko für Nieren- und Hodenkrebs verbunden. „Genau deshalb ist es unverzichtbar, dass die OMV diese Messdaten offenlegt. Dass sie die Betroffenen und die Öffentlichkeit darüber weiterhin im Unklaren lässt, ist unverständlich und verantwortungslos“, sagte Burtscher-Schaden.
Auch Leitungswasser in Mannswörth belastet
Ein Bewohner hat Ende Mai sein Brunnen- und Leitungswasser auf eigene Kosten testen lassen. Anfang Juni erhielt er das Ergebnis: Nicht nur sein Brunnenwasser ist mit PFAS kontaminiert (102 Nanogramm pro Liter), sondern auch sein Leitungswasser. Demnach sind 19,8 Nanogramm PFAS pro Liter in seinem Leitungswasser enthalten.
Nachdem das private Testergebnis publik geworden ist, gab die Schwechater Gemeinde bekannt, dass bei einer Beprobung des Trinkwassers bei der Wasserversorgungsanlage Schwechat-Mannswörth bereits am 19. März eine PFAS-Konzentration von 0,0037 Mikrogramm pro Liter gemessen wurde. In der kommenden Woche soll eine weitere Beprobung vorgenommen werden. Ergebnisse werden auf der Amtstafel sowie auf der Website der Gemeinde veröffentlicht.
Bürgermeisterin verteidigt Kommunikation
Im März wurden zwei Proben gezogen – eine im Wasserwerk Zainethbrückengasse und eine bei der Drucksteigerungsanlage Rannersdorf/Kledering. Nur bei Letzterer wurde laut dem veröffentlichten Dokument auch auf PFAS getestet. Karin Baier (SPÖ), Bürgermeisterin von Schwechat, verwies im Gespräch mit der APA darauf, dass es sich um „ein gemeinsames Netz“ handle: „Es kann keine falsche Stelle geben, weil es überall gleich sein muss“, das Trinkwassernetz werde mit dem gleichen Wasser versorgt. Die Probestellen würden vom Land Niederösterreich festgelegt.
Als die Causa Mitte Mai aufs Tapet kam, war der Stadtgemeinde aufgrund des Gutachtens vom 19. März bereits bekannt, dass eine PFAS-Konzentration im Trinkwasser vorliegt. Dennoch entstand in der medialen Berichterstattung der Eindruck, dass das Wasser PFAS-frei sei. „Ich habe nie gesagt, dass es nicht drinnen ist“, betonte Baier. Sie sei jedoch auch „nicht gezielt gefragt“ worden und daher „in der Kommunikation vorsichtig gewesen“, um die Menschen nicht zu sehr aufzurütteln. „Ich bestehe darauf, dass unser Trinkwasser eine wirklich gute Qualität hat.“
Generell habe die Bürgermeisterin eigenen Angaben zufolge auch „kein Problem“ mit einer Bürgerversammlung zum Thema PFAS. Eine regelmäßige schriftliche Information erachtet sie jedoch als sinnvoller, da zum jetzigen Zeitpunkt noch zu wenig Wissen vorhanden sei, um das fachlich transportieren zu können.
AGES testete 1.571 Trinkwasserproben
Die Agentur für Gesundheit- und Ernährungssicherheit (AGES) hat in den Jahren 2021, 2022, 2023, 2024 und 2025 das österreichische Trinkwasser auf PFAS getestet. Insgesamt 1.571 Trinkwasserproben wurden auf 20 PFAS gemäß der EU-Trinkwasserrichtlinie untersucht und der Summenparameter der 20 PFAS errechnet.
0,5 Prozent aller Proben (entspricht acht Proben) wiesen eine Konzentration über dem zulässigen Höchstgehalt für Trinkwasser in der Höhe von 0,10 Mikrogramm bzw. 100 Nanogramm pro Liter auf, mit einem Maximum von 1,46 Mikrogramm Summe der 20 PFAS. 338 Proben (21,5 Prozent) wiesen Konzentrationen bis 0,01 Mikrogramm bzw. zehn Nanogramm pro Liter auf. In 142 Proben (neun Prozent) lagen die Gehalte für die PFAS-Summe zwischen 0,0101 und 0,10 Mikrogramm pro Liter. Bei rund einem Drittel (488 Proben) wurden Konzentrationen über der Bestimmungsgrenze gemessen.
Quelle: APA
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