Google-Zentrum: Experte zweifelt an Milliarden-Investition

Mona HopfingerMona Hopfinger
Google-Logo am Gebäude in 320 N Morgan, Chicago
© Allen Boguslavsky / Pexels (Symbolbild)

Ein Experte für Künstliche Intelligenz und Datenanalyse stellt die angekündigten wirtschaftlichen Effekte des Google-Rechenzentrums in Oberösterreich in Frage. Die tatsächlichen Investitionen und Jobzahlen dürften deutlich niedriger ausfallen als versprochen, so der ORF OÖ.

Faruk Bajramovic, Experte für KI und Datenanalyse, bezweifelt die von Google und der Politik genannten Investitionssummen. Die Investitionen würden sich in Grenzen halten, erklärt er gegenüber dem ORF OÖ. Man spreche von maximal 500 Millionen bis zwei Milliarden Euro. Die angekündigten vier Milliarden seien unrealistisch, das zeigten auch Vergleiche zu ähnlichen Projekten. Der Standort Oberösterreich werde zwar gestärkt, der wirtschaftliche Effekt werde aber nicht so groß wie von Google angekündigt.

Das Unternehmen hatte betont, dass Kooperationen mit Fachhochschulen und anderen Unternehmen dem gesamten Bundesland nutzen würden. Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) verwies auf Milliarden-Investitionen, von denen die oberösterreichische Bauwirtschaft und Industrie profitieren würden.

Keine schnellere Internetverbindung für Bevölkerung

Wirtschaftslandesrat Achleitner behauptete, dass auch die Bevölkerung unmittelbar durch das Google-Zentrum von einer schnelleren Internetverbindung und Rechenleistung profitieren würde. „Das kann nicht stimmen, denn es handelt sich dabei um kein österreichisches Datenzentrum, sondern ist in seiner Dimension global. Es würde für 50 Mal Österreich reichen“, widerspricht Bajramovic.

Die in Kronstorf hergestellte Rechenleistung soll Unternehmen weltweit zur Verfügung stehen. Es sei nicht für den Otto-Normal-Verbraucher gedacht, das Rechenzentrum mache das Internet nicht schneller, so der Digitalexperte.

Jobzahlen deutlich überschätzt

100 zusätzliche Jobs sollen alleine im Google-Rechenzentrum geschaffen werden, auch weitere 15.000 Jobs würden von den Aufträgen von Google selbst profitieren. Das könne er sich nicht vorstellen, erfahrungsgemäß werden es maximal 2.000 neue Arbeitsplätze, so Faruk Bajramovic im Gespräch mit dem ORF OÖ.

Hoher Stromverbrauch ohne Preisfolgen

In der Kritik stand auch immer wieder, dass das im Bau befindliche Rechenzentrum vor allem viel Kühlwasser für Computer und Festplatten benötigen würde. Darüber hinaus wurde der erhebliche Energiebedarf bemängelt: Im vollständigen Ausbau würde Googles Anlage den gesamten Haushaltsstromverbrauch Oberösterreichs übersteigen.

Mit höheren Strompreisen aufgrund des steigenden Stromverbrauchs rechnet Bajramovic jedoch nicht. Es gebe Datenzentren in Finnland, Belgien und Irland, da sei es erfahrungsgemäß zu keinen Erhöhungen gekommen. Dies hänge zwar vom Stromanbieter ab, doch eine direkte Verbindung zwischen Strompreis und Stromverbrauch bei Datenzentren gebe es nicht.

Quelle: https://ooe.orf.at/stories/3365542/

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