Graz baut Angebote für seelische Gesundheit aus

Mona HopfingerMona Hopfinger
Grazer Uhrturm mit Menschengruppen, die sich vernetzen, 10. Oktober
© Mit KI (Gemini) generiert

Die Stadt Graz setzt heuer erneut einen Schwerpunkt auf seelische Gesundheit. Mit einem digitalen Stadtplan, neuen Ausbildungsangeboten und den Wochen der Seelischen Gesundheit sollen Betroffene besser unterstützt und Hürden abgebaut werden.

Unter dem Motto „Du bist nicht allein!“ rückt die Stadt Graz gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern die seelische Gesundheit in den Fokus. Ein neuer digitaler Stadtplan bietet erstmals einen umfassenden Überblick über die psychosoziale Versorgungslandschaft in der steirischen Landeshauptstadt. Über einen QR-Code auf einem neuen Folder gelangen Interessierte direkt zu diesem Angebot.

Im Rahmen der Wochen der Seelischen Gesundheit können Grazerinnen und Grazer die Einrichtungen hinter den Logos und Webseiten persönlich kennenlernen. Die Veranstaltungsreihe verbindet Information, Begegnung, Kultur und konkrete Hilfsangebote. Begleitet wird die Initiative von einer breit angelegten städtischen Kampagne über Print, Hörfunk, Out-of-Home und digitale Kanäle.

Neue Ausbildungswege und Angebote

Seit 1. Oktober ist Graz der größte österreichische Ausbildungsstandort für Psychotherapie. Das Masterstudium Psychotherapie ermöglicht erstmals einen gerechteren Zugang zur Ausbildung und stärkt Qualität sowie Professionalität. Zudem wird Raum für Forschung geschaffen.

An Österreichs Schulen beginnt ebenfalls ein neuer Weg: Mit Beginn des neuen Schuljahres sind Schulpsychotherapeutinnen und Schulpsychotherapeuten erstmals in einem Anstellungsverhältnis direkt im System Schule tätig. Zwei dieser Stellen entfallen auf die Steiermark. Der STLP möchte Schulpsychotherapie an weiteren steirischen Schulen etablieren, da psychische Gesundheit dorthin gehöre, wo Kinder und Jugendliche leben, lernen und sich entwickeln.

Kassenfinanzierte psychologische Behandlung

Seit 26. Jänner gibt es erstmals flächendeckende vollfinanzierte klinisch-psychologische Behandlung in Österreich. Personen, die bei der ÖGK, SVS oder BVAEB versichert sind, können sich über die Serviceplattform psyhelp für einen kassenfinanzierten Behandlungsplatz anmelden. Die Plattform übernimmt die Verteilung der Kassenplätze, die für Menschen jeden Alters in ganz Österreich angeboten werden.

Der Verein Achterbahn feiert sein 20-jähriges Bestehen und arbeitet weiterhin an der Ausweitung der Peer-Arbeit in der Steiermark. Ende März startete die EX-IN Ausbildung zur Peer-Arbeiterin oder zum Peer-Arbeiter mit 22 Teilnehmenden in elf Modulen in Graz. EX-IN ist eine spezifische Qualifizierung für psychiatrie-erfahrene Menschen, die auf dem Erfahrungswissen der Teilnehmenden basiert.

Michaela Wambacher wies auf die wichtige Ergänzung des neuen Angebots PsyPoint des Gesundheitsfonds Steiermark hin, zusätzlich zu PsyNot sowie auf die Versorgungsangebote im Rahmen der psychosozialen Dienste der Gesellschaft zur Förderung seelischer Gesundheit.

Welttag der Seelischen Gesundheit

„Lived experiences heard: real voices, real change“ lautet das heurige Motto vom World Health Day am 10. Oktober. Der Welttag betont die Bedeutung, Menschen mit eigener Erfahrung psychischer Erkrankungen aktiv in die Gestaltung von Gesundheitspolitik, Angeboten und Entscheidungen einzubeziehen.

In den kommenden Wochen gibt es vielerorts die Möglichkeit, sich über das Angebot in der Stadt Graz zu informieren und mit Einrichtungen ins Gespräch zu kommen. Besonders der Tag der Seelischen Gesundheit in der Arbeiterkammer bietet durch seinen Messecharakter dafür eine gute Gelegenheit. Auf der Bühne findet ein Podiumsgespräch statt: „Neue Wege, neue Perspektive. Betroffene erzählen von Erkrankungen, Diagnosen, Hilfe und Neuorientierung.“

Veranstaltungen und Aktionen

Die Initiative Psychische Erkrankung und Kino zeigt den Spielfilm „Nur eine Frau - A Regular Woman“ (90 min, DE 2019), der die Geschichte von Hatun Ayhrun Sürücü und ihren Kampf für ein freies, selbstbestimmtes Leben gegen den Widerstand ihrer Familie erzählt. Im Anschluss folgt eine moderierte Podiumsdiskussion mit Renate Hofer (Überlebende eines Femizid-Versuchs), Anton Kiesl (Polizist i.R.) und Christine Hirtl (Mitglied der Geschäftsführung im Frauengesundheitszentrum). Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldungen nimmt stadtrat.krotzer@stadt.graz.at entgegen.
Zum Welttag der Seelischen Gesundheit am 10. Oktober taucht die Stadt den Grazer Uhrturm in grünes Licht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Grün, die Farbe der Hoffnung, zur offiziellen Kampagnenfarbe erklärt.
Das Gesundheitsamt der Stadt Graz und die Einrichtungen der psychosozialen Gesundheit laden am 15. Oktober ab 14.30 Uhr zum Tag der Seelischen Gesundheit in die Arbeiterkammer. Die Botschaft: Psychische Erkrankungen können jeden Menschen treffen, doch niemand muss damit allein bleiben.

Stimmen aus der Stadt

„Wenn es einem Menschen seelisch schlecht geht, darf die erste Herausforderung nicht darin bestehen, herauszufinden, wo es überhaupt Hilfe gibt“, sagt Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer. Es gehe darum, Hürden abzubauen, Angebote sichtbar zu machen und Menschen Mut zu geben, sich Unterstützung zu holen.

Eva Winter, erklärt: „Gute Versorgung beginnt mit Orientierung. Gerade in einer psychisch belastenden Situation braucht es einfache Wege und verständliche Informationen.“ Mit dem Stadtplan könnten Betroffene, Angehörige und Fachkräfte rasch sehen, welche Unterstützung es in Graz gibt.

Clemens Könczöl vom Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) betont: „15 Prozent der Menschen leben mit einer psychischen Störung. In der Steiermark entspricht das 180.000 Menschen, wovon allein 96.000 Menschen von einer Depression betroffen sind.“ Der Bedarf an psychologischer Behandlung sei daher hoch. Der BÖP vermittelt seit heuer über psyhelp kostenfreie Kassenplätze für klinisch-psychologische Behandlung in Österreich.

Quelle: https://www.graz.at/cms/beitrag/10473783/8106610/Du_bist_nicht_allein.html

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