Graz erneuert zentrale Wasserleitung für 27 Millionen Euro

Die Holding Graz modernisiert eine der wichtigsten Verbindungen der städtischen Trinkwasserversorgung. Ein zentraler Bauabschnitt der Transportleitung TL700 in der Puntigamer Straße ist seit kurzem in Betrieb. Die 6,8 Kilometer lange Leitung kann in Spitzenzeiten bis zur Hälfte des Grazer Wasserbedarfs decken.
Vom Wasserwerk Feldkirchen im Süden der Stadt fließt Trinkwasser über die TL700 ins Grazer Stadtgebiet. Normalerweise deckt diese Verbindung rund 15 Prozent des täglichen Bedarfs ab. Bei hohem Verbrauch oder Störungen kann der Anteil auf bis zu 50 Prozent steigen. Die bestehende Leitung stammt aus dem Jahr 1950 und besteht aus Graugussrohren, die zunehmend schadensanfällig wurden.
Abschnittsweise Erneuerung bis Sommer 2027
Die neue Transportleitung mit einem Durchmesser von 700 Millimetern verläuft vom Wasserwerk Feldkirchen bis zur Lagergasse/Karlauergürtel. Bereits 2025 wurde ein Teil der Strecke zwischen Karlauergürtel und Gasrohrsteg verlegt. Der zweite Abschnitt vom Gasrohrsteg bis zum Wasserwerk wurde Mitte Oktober 2026 fertiggestellt und am 21. Oktober in Betrieb genommen.
Zwischen April und Juli 2026 entstand zwischen Puntigamer Brücke und Puchstraße eine neue Verbindungsleitung mit 300 Millimeter Durchmesser. Sie sichert die Versorgung des Grazer Westens und wurde zeitgleich mit einer Fernwärmeleitung koordiniert, um Verkehrsbeeinträchtigungen zu bündeln.
Entlang des rechten Murradwegs wurden auf 2,2 Kilometern nicht nur Wasserleitungen verlegt. Parallel entstanden Infrastrukturen für Strom, Beleuchtung und Telekommunikation. Insgesamt umfasst das Projekt rund 6.800 Meter Transportleitungen, etwa 1.300 Meter Versorgungsleitungen sowie rund 5.000 Meter Leerverrohrungen für Daten- und Stromkabel. Hinzu kommen eine 4,5 Kilometer lange 20-kV-Stromtrasse, eine 3,3 Kilometer lange Glasfasertrasse und eine 3,5 Kilometer lange Beleuchtungstrasse.
Restarbeiten und Blackout-Versorgung
Obwohl die Trinkwasserleitung bereits läuft, stehen bis zur Gesamtfertigstellung im Sommer 2027 noch Wiederherstellungsarbeiten und Kabelverlegungen für eine Blackoutversorgung des Wasserwerks Feldkirchen an. Rund 120 neue Fundamente für Beleuchtungsmasten und Verbesserungen an Radverkehrsanlagen sind Teil der Maßnahmen. Im Bereich Rudersdorf errichtete die Energie Steiermark zudem eine Betonmauer für den Hochwasserschutz.
Recycling und Kreislaufwirtschaft
Die neuen Rohre der Tiroler Rohre GmbH bestehen zu 100 Prozent aus recyceltem Stahlschrott und können nach ihrer Nutzungsdauer wieder vollständig verwertet werden. Auch das alte Material bleibt im Kreislauf: Rund 250 Tonnen Gussmaterial werden beim Rückbau gewonnen, aufbereitet und dem industriellen Wertstoffkreislauf zugeführt. Auf etwa 1.300 Metern folgt die neue Trasse der alten Leitungsführung, wodurch dort der Rückbau möglich wird.
Ausgleichsmaßnahmen für die Natur
Für die neue Trasse müssen rund 80 Bäume weichen. 190 Neupflanzungen sind vorgesehen. Fledermäuse und Reptilien im betroffenen Bereich werden fachgerecht umgesiedelt.
Teil einer langfristigen Strategie
Die Modernisierung der TL700 ist Teil einer breiteren Strategie für die Grazer Wasserressourcen. Neben Feldkirchen bilden die Wasserwerke Friesach und Andritz sowie das Hochschwabgebiet die wesentlichen Säulen der Versorgung. Mit der TL900 aus dem Norden verfügt Graz über eine zweite große Transportleitung. Diese Mehrfachstruktur ermöglicht es, bei Störungen oder Spitzenlasten flexibel zu reagieren.
Bürgermeisterin Elke Kahr betonte: „Eine sichere Trinkwasserversorgung gehört zu den wichtigsten Grundlagen jeder Gemeinde. Die neue Transportleitung aus Feldkirchen sorgt dafür, dass die Versorgung unserer Stadt noch sicherer wird, und stärkt gleichzeitig die Krisenfestigkeit unserer Infrastruktur.“
Vizebürgermeisterin Judith Schwentner hob hervor: „Eine zukunftsfähige Stadt braucht eine Infrastruktur, die verlässlich funktioniert und gleichzeitig nachhaltig geplant wird. Mit der Erneuerung der TL700 stärken wir nicht nur die Versorgungssicherheit für die Grazerinnen und Grazer, sondern nutzten die Bauarbeiten auch, um weitere Leitungen für Energie, Telekommunikation und Beleuchtung zu bündeln. Dass dabei auf Ressourcenschonung und umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen für Natur und Umwelt geachtet wird, macht dieses Projekt zu einem wichtigen Beispiel für eine moderne Stadtentwicklung.“
Holding Graz-CEO Gert Heigl zeigte sich zufrieden: „Die Fertigstellung des Abschnitts in der Puntigamer Straße ist für uns ein besonderer Erfolg. Die neue Leitung bildet ein wichtiges Rückgrat der Grazer Trinkwasserversorgung und wird über Jahrzehnte hinweg einen verlässlichen Betrieb gewährleisten. Umso mehr freut es mich, dass die Arbeiten innerhalb des vorgesehenen Zeitrahmens und in höchster Qualität abgeschlossen werden konnten.“
Die Investition von rund 27 Millionen Euro fließt in den Jahren 2025 bis 2028. Der Abschluss aller Behördenverfahren samt Förderungsabwicklung ist für 2028 vorgesehen.
Quelle: https://www.holding-graz.at/de/sichere-trinkwasserversorgung-fuer-graz
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