Graz: Plauderbankerl im Augarten lädt zum Gespräch

Im Augarten steht ab sofort eine weiß markierte Bank, die Menschen zu spontanen Gesprächen einladen soll. Die Caritas und die Stadt Graz starten damit ein Pilotprojekt gegen Einsamkeit.
Die Stadt Graz und die Caritas haben im Augarten ein neues Angebot geschaffen: Das sogenannte Plauderbankerl soll Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Die weiß gekennzeichnete Bank nahe dem Pavillon signalisiert allen Besucherinnen und Besuchern, dass hier Platz für spontane Begegnungen ist.
Wer sich auf das Plauderbankerl setzt, zeigt damit, dass er oder sie offen für ein Gespräch ist. Das Angebot richtet sich an alle Menschen – unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebenssituation.
Pilotprojekt soll Erfahrungen sammeln
Zunächst wird das Projekt als Pilotversuch umgesetzt. Die Erfahrungen am Standort Augarten sollen zeigen, wie gut das Angebot angenommen wird. Falls sich das Plauderbankerl bewährt, sind weitere Standorte im Grazer Stadtgebiet geplant.
Das Projekt reagiert auf ein wachsendes Problem: Immer mehr Menschen berichten von Einsamkeit oder dem Wunsch nach mehr sozialen Kontakten. Oft fehle nicht der Wille, sondern lediglich eine Gelegenheit, heißt es. Das Plauderbankerl biete diese Gelegenheit ohne Anmeldung, ohne Verpflichtung und ohne Hürden.
Caritas: „Einsamkeit macht krank“
Caritasdirektorin Nora Tödtling-Musenbichler betonte die Bedeutung des Projekts: „Einsamkeit ist ein Thema, das wir in der Caritas an vielen Stellen wahrnehmen, von den Notschlafstellen über die Schulen bis zu den Pflegewohnhäusern“, sagte sie. Einsamkeit sei mehr als ein unangenehmes Gefühl – sie mache krank, könne arm machen und dazu führen, dass Menschen ganz aus dem allgemeinen Leben verschwinden.
„Das Plauderbankerl ist eine Einladung gemeinsam mit der Stadt Graz, um der Einsamkeit entgegenzuwirken. Es lädt Menschen ein, sich ihren Platz zu nehmen, da zu sein und in Kontakt zu kommen.“
Freiwillige übernehmen die Initiative, um ins Gespräch zu kommen. Das Plauderbankerl setze ein deutliches Zeichen: „In unserer Gesellschaft hat jeder und jede Platz“, so Tödtling-Musenbichler.
Vizebürgermeisterin: „Kleine Ideen bringen Menschen zusammen“
Vizebürgermeisterin Judith Schwentner verwies darauf, dass Einsamkeit längst kein Randthema mehr sei. Sie betreffe junge und ältere Menschen gleichermaßen und habe Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität.
„Deshalb brauchen wir neben großen politischen Maßnahmen auch kleine, einfache Ideen, die Menschen wieder zusammenbringen. Das Plauderbankerl ist genauso eine Idee: Wer hier Platz nimmt, zeigt, dass ein Gespräch willkommen ist.“
Eine lebenswerte Stadt lebe nicht nur von Parks und Plätzen, sondern vor allem von den Begegnungen, die dort stattfinden, so Schwentner.
Freiwillige einmal pro Woche vor Ort
Der Standort Augarten wurde bewusst gewählt – er gilt als beliebter Treffpunkt für Grazerinnen und Grazer unterschiedlichster Generationen. Die Caritas, die bereits seit Jahren das telefonische Angebot „Plaudernetz“ betreibt, betreut auch dieses Projekt.
Freiwillige sind jeweils am Mittwoch von 15.30 bis 16.30 Uhr als Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner vor Ort. Bei Schlechtwetter macht das Projekt Pause. Ergänzend zum Plaudernetz schafft das Plauderbankerl damit einen sichtbaren Ort für persönliche Begegnungen im öffentlichen Raum.
Die Stadt Graz begleitet das Pilotprojekt und wird gemeinsam mit der Caritas evaluieren, wie das Angebot angenommen wird. Bei positiver Resonanz sollen künftig weitere Plauderbankerl an geeigneten Standorten folgen.
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