Grazer Chemiker erhält erstmals vergebenen Innovationspreis

Pia ProdingerPia Prodinger
DNA-Forschung und Produktionsflow mit Europa-Hauptsitz und Nordamerika-Karte
© Mit KI (Gemini) generiert

Der Chemiker und Unternehmensgründer Peter Sagmeister aus Graz wurde am Donnerstagabend mit dem neu geschaffenen „ASciNA Tech Innovation Award“ ausgezeichnet. Der mit 7.000 Euro dotierte Preis würdigt seine am MIT entwickelte Technologie für genetische Arzneimittel.

Der Verein „Austrian Scientists and Scholars in North America“ und die TU Wien haben am Donnerstagabend erstmals den „ASciNA Tech Innovation Award“ vergeben. Die Auszeichnung ging an Peter Sagmeister, einen Grazer Chemiker und Unternehmensgründer. Die Preisübergabe fand im Rahmen der „Technology Talks Austria“ in Wien statt. Mit der neuen Kategorie erweitern ASciNA und das Wissenschaftsministerium ihre jährlich vergebenen Preise.

Technologie vom MIT für genetische Medikamente

Ausgezeichnet wird Sagmeister für eine Technologie, die er am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge entwickelt hat. Die Innovation soll genetische Arzneimittel schneller und effizienter einsetzbar machen. Gemeinsam mit seinen MIT-Kollegen Cedric Devos und Aniket Udepurkar plant Sagmeister die Gründung des Biotech-Unternehmens „Bizon Labs“. Der Chemiker selbst ist seit Mitte des Vorjahres wieder in Österreich.

Das Unternehmen will Lipid-Nanopartikel herstellen und skalieren. Diese Partikel dienen als Transportmittel für genetische Wirkstoffe wie mRNA, siRNA oder DNA, die gezielt in Zellen eingebracht werden. Weltweit befinden sich bereits mehr als 1.500 solcher Wirkstoffe in klinischer Entwicklung. Ihre verlässliche und skalierbare Herstellung gilt laut Aussendung als eine der größten technischen Hürden auf dem Weg vom Labor zum Patienten.

Vom Grazer Doktoranden zum MIT-Forscher

Sagmeister, geboren 1993, studierte Chemie und arbeitete als Doktorand sowie Postdoc-Forscher an der Universität Graz und am Grazer Research Center Pharmaceutical Engineering. Von März 2024 bis Juli 2025 forschte er als Postdoctoral Associate am MIT, wo er automatisierte Plattformen für mRNA-beladene Lipid-Nanopartikel entwickelte und an kontinuierlichen, datenbasierten Produktionsverfahren für Arzneimittel arbeitete.

Seit rund eineinhalb Jahren treiben Sagmeister, Devos und Udepurkar – beide Kollegen haben belgische Wurzeln – die Kommerzialisierung ihrer bereits zum Patent angemeldeten Technologie voran. Ein Hauptsitz in Europa ist geplant. „Das Unternehmen wird im vierten Quartal oder ersten Quartal des nächsten Jahres in Europa gegründet, da es uns wichtig ist, den Standort zu stärken“, sagte Sagmeister im Vorfeld der Preisverleihung zur APA. Der Wissenschafter ist Autor von mehr als 30 Publikationen und Miterfinder von vier Patenten.

Architektur statt nur Zusammensetzung

„Viele Unternehmen verändern die Bestandteile der Lipid-Nanopartikel und hoffen auf eine bessere Verteilung und Wirkung im Körper. Wir verfolgen einen anderen Ansatz: Statt nur die Bestandteile zu verändern, kontrollieren wir die Architektur der Partikel bereits während ihrer Herstellung“, erklärte Sagmeister. Nicht nur die Zusammensetzung, sondern auch die Architektur eines Lipid-Nanopartikels sei entscheidend dafür, wohin er sich im Körper verteilt und wie gut er wirkt. Dazu zählen Größe, Form und Struktur ebenso wie die Menge des genetischen Wirkstoffs, die er transportiert.

Über die präzise Kontrolle der Bildung der Lipid-Nanopartikel könne man die Produktion flexibel skalieren, „von einer einzelnen Dosis für eine personalisierte Therapie bis hin zu hunderttausenden Dosen für größere Patientengruppen“.

Transatlantische Zusammenarbeit als Vorbild

Der „ASciNA Tech Innovation Award“ zeichnet Innovatorinnen und Innovatoren aus, die wissenschaftliche Erkenntnisse in zukunftsweisende, praktisch anwendbare Technologien übersetzen. Er richtet sich an Einzelpersonen und Teams, die derzeit in Nordamerika tätig sind oder dort innerhalb der vergangenen fünf Jahre tätig waren und die entweder aus Österreich stammen oder durch Ausbildung, Biografie oder berufliche Tätigkeit eng mit Österreich verbunden sind. Kriterien sind die technologische Entwicklungsstufe, das Potenzial für Skalierung und eine überzeugende wirtschaftliche oder gesellschaftliche Wirkung.

Der Preisträger stehe für wissenschaftliche Exzellenz, unternehmerischen Mut und den Willen, eine vielversprechende Technologie aus dem Labor in die praktische Anwendung zu bringen, so Alexandra Lieben, Präsidentin von ASciNA. Das 2002 in Washington, D.C. gegründete Netzwerk hat rund 1.400 Mitglieder weltweit. Sagmeisters Projekt zeige zudem beispielhaft, welches Potenzial in transatlantischer Zusammenarbeit liegt.

Peter Ertl, Vizerektor der TU Wien, ergänzte laut Aussendung: Gerade mit Blick auf aktuelle geopolitische Spannungen und zunehmende Unsicherheit würden verlässliche persönliche Netzwerke über den Atlantik Vertrauen schaffen, Wissen und Kooperationen in Bewegung halten und auch in Krisenzeiten eine stabile Grundlage für eine gemeinsame technologische Zukunft bilden.

Weitere ASciNA-Preise im November

Die bereits lange etablierten ASciNA-Preise, der „Junior Principal Investigator Award“ (10.000 Euro) und „Young Scientist Award“ (7.500 Euro), werden Mitte November überreicht. „Im Gegensatz zu den ASciNA Awards, die junge Wissenschafterinnen und Wissenschafter auszeichnen, haben wir beim Tech Innovation Award keine Altersbegrenzung. Innovation kann jederzeit stattfinden“, so Lieben zur APA.

Quelle: APA

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