Grazer Emerald Horizon baut Thoriumreaktor-Prototyp

Pia ProdingerPia Prodinger
© Mit KI (Gemini) generiert

Das Grazer Energie-Technologieunternehmen Emerald Horizon hat den Bau eines Test-Loops für seinen Thoriumreaktor SMRX bei der niederländischen VDL Groep in Eindhoven gestartet. Der Prototyp soll bis 2029 fertiggestellt werden.

Das börsenotierte Unternehmen Emerald Horizon gab am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Graz den offiziellen Baustart für den „Test Loop“ bekannt, das zentrale Element des Thoriumreaktors SMRX. CEO Florian Wagner und Markjan Vermeer, Managing Director von VDL, unterzeichneten den entsprechenden Vertrag. Ab 2031 soll die Serienfertigung anlaufen können.

Wagner stellte erstmals das vollständige Konzept mit vier Komponenten vor: Wärmespeicher, Batteriespeicher, Konverter und Teilchenbeschleuniger zur Neutronenherstellung. Eine zentrale Kontrolleinheit steuert mittels Künstlicher Intelligenz die einzelnen Elemente. Die vier „Arme“ bestehen aus Containern und sind dadurch transportabel. Unterhalb dieser Struktur soll künftig der thoriumbasierte Reaktor im Boden verankert werden. Der Bau dieses „Loops“ beginnt nun in den Niederlanden.

Vom Labor zur Fertigung

Der SMRX gehört zur Kategorie der Small Modular Reactors (SMR), unterscheidet sich aber durch seine modulare, unterkritische Bauweise auf Thoriumbasis. Im „Loop“ zirkuliert flüssiges Trägersalz unter Umgebungsdruck und überträgt Wärme bei Prozesstemperaturen von bis zu 900 Grad Celsius. Die physikalischen Grundlagen wurden in Graz erforscht, nun folgt in den kommenden drei Jahren der Prototypenbau in Kooperation mit VDL Groep.

Wagner bezeichnete diesen Schritt als die „entscheidende Phase zwischen Labor und Fertigung“. Er prognostizierte: „Wenn der SMRX funktioniert, wird Emerald Horizon eines der wertvollsten Unternehmen der Welt.“

Ein SMRX-Modul soll bis zu 25 Megawatt thermische und rund 10 Megawatt elektrische Leistung liefern. Damit könnten etwa 10.000 Haushalte versorgt werden. Der Generator habe eine Lebensdauer von rund 20 Jahren und müsse nicht nachgefüllt werden. Im Gegensatz zu klassischen Atomkraftwerken komme der Reaktor ohne kritische Kettenreaktion aus, wodurch Explosionsrisiko und Kernschmelze ausgeschlossen seien. Statt Uran oder Plutonium wird Thorium eingesetzt. Nach 20 Jahren entstünden lediglich etwa 200 Kilogramm Abfall.

VDL sieht „maximale Chance“ für Erfolg

Hans Priem von VDL bezeichnete das Projekt als „Abenteuer“, das innovative Konzept aus Graz habe nun aber eine „maximale Chance, erfolgreich zu sein“. Als Auftragsfertiger bringe VDL nicht nur Produktionskapazität, sondern auch gemeinsame Entwicklungsarbeit ein. Entwicklungen mit flüssigem Salz zur Energiespeicherung – wie sie bereits im bestellbaren Speicher von Emerald Horizon zum Einsatz kommen – seien eine Lösung für die Zukunft, in der immer mehr Energie benötigt werde, etwa für Datacenters und KI. Markjan Vermeer lobte die Vorarbeit in Graz: „Wir bringen das nun in Serienreife.“

„Energy as a Service“ für Großkunden

Emerald Horizon, 2019 von Florian Wagner und Philipp Pölzl gegründet, verfolgt das Konzept „Energy as a Service“. Kunden zahlen nicht für das Gerät selbst, das nur vermietet wird, sondern ausschließlich für die entnommene Energie. Wagner nannte einen angedachten Preis von rund 8,5 Cent pro Kilowattstunde. Zielgruppe sind vor allem große Unternehmen, Gemeinden oder öffentliche Einrichtungen wie Spitäler. Die Reaktoren sind in erster Linie als Ergänzung zur normalen Energieversorgung gedacht. Weitere Anwendungsgebiete sind neben Datacenters auch die Nahrungsmittel- und Metallindustrie, der Transportsektor – etwa für Schiffsantriebe – oder E-Tankstellen.

Weltweite Zielgruppe, Österreich schwierig

Geografisch sieht Emerald Horizon seine Zielgruppe weltweit. Potenzial gebe es nicht nur in hoch industrialisierten Ländern, sondern auch in Schwellen- und Entwicklungsländern. Für Afrika könnten die Reaktoren eine Lösung sein, da dort die Industrialisierung oft wegen fehlender Stromleitungen nur schleppend vorankomme. Der Thoriumreaktor könne auch „kalt“ starten, also ohne Anschluss an das Stromnetz.

In Österreich selbst dürfte die Vermarktung aufgrund des Verfassungsgesetzes gegen Atomstrom schwierig werden. Ziel von Emerald Horizon und VDL ist es, 2035 bereits an mehreren Standorten Thoriumgeneratoren herzustellen. Genannt wurden die USA, wo das Grazer Unternehmen gerade eine Niederlassung aufbaut, sowie der Mittlere Osten und Asien.

Thorium komme weltweit häufig vor und werde derzeit als Nebenprodukt beim Abbau von seltenen Erden auf Halden gelagert. Es müsse daher mittelfristig nicht einmal abgebaut werden, so Wagner. Chefentwickler Mario J. Müller brachte zur Veranschaulichung einen Monazit-Kieselstein mit etwa zwei Gramm Gewicht mit. Dieser enthalte etwa 0,2 Gramm Thorium, das genug Energie habe, um einen Drei-Personen-Haushalt ein Jahr lang zu versorgen.

Quelle: APA

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