Grazer Firma errichtet Wasserstoffanlage in Bergla

Pia ProdingerPia Prodinger
© Mit KI (Gemini) generiert

Das Technologieunternehmen KS Engineers aus Graz wird eine der größten Wasserstoffproduktionsanlagen Österreichs in der Weststeiermark bauen. Die Anlage soll Ende 2027 in Betrieb gehen und bis zu 750 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr erzeugen.

Das Grazer Unternehmen KS Engineers übernimmt den Bau einer großen Wasserstoffproduktionsanlage im weststeirischen Bergla. Gemeinsam mit dem Projektpartner Bosch wird die Firma die Anlage errichten und liefern. Das Projekt der Energie Steiermark trägt den Namen „H2-Hub Bergla“ und hat ein Gesamtvolumen von rund 25 Millionen Euro. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2027 geplant.

Die Anlage soll bis zu 750 Tonnen grünen Wasserstoff für die Wolfram AG produzieren. Alle zentralen Komponenten stammen aus europäischen Lieferketten. Die Energie Steiermark hatte das Projekt bereits Mitte Juni präsentiert.

Transformation vom Automotive- zum Energiesektor

Für KS Engineers, das bisher hauptsächlich im Automotive-Bereich tätig war, bedeutet der Auftrag einen wichtigen Schritt im Industrieanlagenbau. Das Unternehmen beschäftigt rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und vollzieht damit eine Transformation. „Wir kommen ursprünglich aus der hochkomplexen Automotive-Prüftechnik und haben über viele Jahre Know-how im Bereich Wasserstoff, Brennstoffzelle und Elektrolyse aufgebaut. Jetzt übertragen wir dieses Wissen erstmals in eine industrielle Produktionsanlage dieser Größenordnung“, erklärte Geschäftsführer Daniel Kopriva.

Zuletzt realisierte das Grazer Unternehmen mehrere Projekte im Bereich der Elektrolyse-Prüftechnik. Ende des vergangenen Jahres erhielt KS Engineers unter strengsten Geheimhaltungsauflagen einen weiteren Großauftrag: einen Prüfstand, mit dem künftig noch leistungsstärkere Elektrolyseure getestet werden können.

PEM-Technologie mit Bosch-Komponenten

In Bergla wird KS Engineers für die Planung und Realisierung der gesamten Elektrolyse-Anlage verantwortlich sein. Bosch liefert die Elektrolyse-Stacks. Kürzlich wurde die Zusammenarbeit mit dem Konzern aus dem Raum Stuttgart auch formal vertieft: KS Engineers trat der internationalen Bosch-Community „H2EARTBEAT“ bei. Die strategische Initiative vernetzt Kunden und Projektpartner von Bosch mit dem Ziel, gemeinsam Marktpotenziale zu erschließen und den nachhaltigen Erfolg im Wasserstoffmarkt zu fördern.

Technologisch setzt KS Engineers auf eine sogenannte PEM-Elektrolyse (Proton Exchange Membrane). Dabei wird Wasser mithilfe von elektrischem Strom in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Als Kernkomponente kommen vier PEM-Stacks jeweils in der Leistungsklasse von 1,25 Megawatt zum Einsatz. Die Stacks von Bosch gelten als Herzstück der Anlage, in ihnen findet die eigentliche elektrochemische Wasserstoffproduktion statt.

Europäische Wertschöpfung statt China-Abhängigkeit

Bei der Realisierung der Anlage wird bewusst auf regionale und europäische Wertschöpfung gesetzt. Wesentliche Komponenten stammen nicht aus chinesischen Lieferketten: Der PEM-Elektrolyse-Stack wird etwa aus dem Bosch-Werk in Bamberg zugeliefert. Ziel sei es, technologische Abhängigkeiten bei kritischer Energieinfrastruktur zu reduzieren und „europäische Souveränität in strategisch wichtigen Bereichen wie Energieversorgung und Wasserstofftechnologie aufzubauen“, so Kopriva.

Energiesektor kompensiert Automotive-Schwäche

Die europäische Ausrichtung auf den nachhaltigen Energiesektor mache sich in den Auftragsbüchern von KS Engineers mittlerweile deutlich bemerkbar. „Während der klassische Pkw-Automotive-Sektor derzeit stagniert, entwickeln sich andere Segmente - wie eben der Energiesektor - weiterhin deutlich dynamischer. Hier orten wir erhebliche Wachstumspotenziale“, erklärte der Geschäftsführer.

„Im klassischen Automobilmarkt sehen wir aktuell deutliche Zurückhaltung. Gleichzeitig entstehen im Energiesektor enorme Chancen - etwa bei Wasserstoff, Großmotoren oder Energieversorgungslösungen für Rechenzentren“, so Kopriva weiter.

KS Engineers ist ein Anbieter von Prüfständen, Prüftechnik und Lösungen für die Fahrzeug-, Antriebs- und Motorenindustrie sowie für Lösungen am Energiesektor und in der Gebäudetechnik. Das Unternehmen beschäftigt rund 700 Mitarbeiter an insgesamt elf internationalen Standorten - rund 500 davon am Hauptsitz in Graz, die anderen in St. Veit/Glan, München, Stuttgart, Friedrichshafen, Kressbronn, Mannheim, Zürich, Peking, Detroit und Pune in Indien.

Quelle: APA

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