Grazer Forscher findet in Meeresschwamm Wirkstoff gegen Entzündungen

Pia ProdingerPia Prodinger
Bunte Fische schwimmen zwischen Korallen im Meer vor Österreich
© EwaStudio, AdobeStock

Ein Naturstoff aus einem australischen Schwamm kann Entzündungsprozesse im Körper umlenken. Das hat ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Universität Graz herausgefunden. Der Wirkstoff verändert das Fettprofil von Immunzellen.

Chronische Entzündungen gelten als wichtiger Auslöser zahlreicher Erkrankungen, darunter Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Gewebeschäden nach Verletzungen oder Infektionen. Während akute Entzündungsreaktionen vom Körper normalerweise selbst reguliert und beendet werden, kann dieser Prozess aus dem Gleichgewicht geraten. In solchen Fällen bleiben Immunzellen dauerhaft aktiv und fördern schädliche Veränderungen im Gewebe, erklärt der Pharmazeut Andreas Koeberle von der Universität Graz.

Ein internationales Forschungsteam konnte nun zeigen, dass ein aus dem Meer stammender Naturstoff gezielt in diese Prozesse eingreifen kann. Dafür synthetisierten die Wissenschaftler die Substanz Cyclosmenospongin, die ursprünglich in einem vor der Küste Australiens vorkommenden Schwamm der Gattung Spongia entdeckt worden war.

Einfluss auf Immunzellen

Laboruntersuchungen ergaben, dass Cyclosmenospongin das Fettprofil menschlicher Immunzellen deutlich verändert. Der Wirkstoff verringerte die Bildung entzündungsfördernder Leukotriene und erhöhte gleichzeitig die Konzentration mehrerer Botenstoffe, die mit dem Abklingen von Entzündungen in Verbindung stehen. Dadurch wird das Stoffwechselprogramm der Immunzellen wesentlich beeinflusst.

Besonders bemerkenswert war für die Forschenden die enge Verbindung zwischen dieser Wirkung und der Fettspeicherung in den Zellen. So reduzierte Cyclosmenospongin die Menge an neutralen Lipiden, Triglyceriden und Cholesterinestern. Den Immunzellen stand dadurch weniger Ausgangsmaterial für die Produktion entzündungsfördernder Signalstoffe zur Verfügung.

Neue Erkenntnisse

Ähnliche Ergebnisse erzielten die Wissenschaftler, indem sie gezielt Enzyme blockierten, die an der Lipidspeicherung beteiligt sind. Dies deutet auf einen bisher unbekannten Zusammenhang zwischen dem Fettstoffwechsel von Immunzellen und der Entstehung von Entzündungen hin.

Die Erkenntnisse könnten neue Ansätze für die Behandlung chronischer oder überschießender Entzündungsreaktionen liefern. An der Studie waren neben Forschenden der Universität Graz auch Wissenschaftler der Universität Innsbruck beteiligt, die verschiedene Varianten des Naturstoffs entwickelten. Die biologischen Untersuchungen wurden unter anderem in Graz und Neapel durchgeführt.

Quelle: https://www.uni-graz.at/de/neuigkeiten/heilsames-meer-forscher-entdeckt-in-schwaemmen-neue-ansaetze-gegen-chronische-entzuendungen

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