Grazer Forscher prognostizieren 1,8 Grad Erwärmung bis 2027

Klimaphysiker der Uni Graz haben neue Berechnungen zur globalen Erwärmung vorgelegt. Demnach steigt die Temperatur heuer auf 1,65 Grad über dem vorindustriellen Niveau – 2027 sogar auf 1,8 Grad. Grund ist das Zusammenspiel von El Niño und menschengemachten Emissionen.
Gottfried Kirchengast und Moritz Pichler vom Wegener Center der Uni Graz haben die erwartete globale Erwärmung für die kommenden Jahre neu berechnet. Ihre Prognose: Die durchschnittliche Lufttemperatur weltweit liegt heuer bei etwa 1,65 Grad über dem vorindustriellen Niveau, 2027 werden es rund 1,8 Grad sein.
El Niño verstärkt die Erderwärmung
Verantwortlich für die Rekordwerte ist die Kombination aus menschengemachten Emissionen und der warmen Pazifik-Strömung El Niño, die durch den Klimawandel zusätzlich angeheizt wird. Das Phänomen sorgt derzeit für Wassertemperaturen von über 30 Grad Celsius im Pazifik. Rund um den Jahreswechsel erreicht es seinen Höhepunkt und übertrifft alle bisherigen Ereignisse an Intensität.
An der amerikanischen Westküste sind die Folgen bereits spürbar: In Peru führten heftige Regenfälle zu Überschwemmungen und Erdrutschen, Kalifornien verhängte wegen erwarteter Stürme den Notstand. In Mitteleuropa bleibt die Entwicklung bis Herbst 2027 wirksam.
Extreme Hitze und Dürre auch 2027
„Wegen der El-Niño-bedingten Erwärmungswirkung ist ein weiterer Sommer mit überdurchschnittlicher Hitze und Dürre wahrscheinlich“, erklärt Kirchengast. Normalerweise folge auf eine extreme Situation wie 2026 eine Entspannungsphase. Diesmal könnte El Niño, verstärkt durch den Klimawandel, diese Atempause verhindern.
Besonders stark betroffen ist Afrika: Regional müsse mit Ernteausfällen von über 50 bis 70 Prozent gerechnet werden. „Das ist für die Menschen vor Ort eine Tragödie und wird aufgrund der globalen Verflechtungen auch uns in Europa betreffen“, so Kirchengast.
Berechnung auf Basis aktuellster Daten
Für ihre Prognose haben die Forscher Temperaturdaten bis September 2026, Saisonvorhersagen bis Dezember 2026, Temperaturverläufe starker El-Niño-Jahre seit 1980 und El-Niño-Vorhersagen bis Juli 2027 ausgewertet.
Von den prognostizierten 1,8 Grad Erwärmung im Jahr 2027 gehen bis zu 0,25 Grad auf El Niño zurück. Erstmals trägt der langfristige Antrieb durch menschengemachte Emissionen über 1,5 Grad bei. „Fachlich ist es eindrucksvoll, das alles schon ein Jahr davor zu wissen. Jedoch ist es sehr traurig, auch all die vermeidbar gewesenen Verluste und Schäden kommen zu sehen“, sagt Kirchengast. Klarer könne die Dringlichkeit für Klimaschutz nicht mehr sichtbar werden.
Die Erwärmung fällt damit noch stärker aus als in einer Frühphase des El-Niño-Ereignisses im Juni vorhergesagt. Zum Vergleich haben die Forscher auch Ergebniswerte aus den Berechnungsweisen des europäischen Klimawandeldienstes Copernicus und der Weltmeteorologischen Organisation ermittelt und bereitgestellt.
Der neue Referenzdatensatz ist über das Webportal Graz Climate Change Indicators – ClimateTracer verfügbar: https://climatetracer.earth/de/
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