Grazer Jugendliche erforschen ihre Familiengeschichten

Im Museum für Geschichte in Graz zeigt eine Ausstellung, wie Schülerinnen und Schüler aus sechs Schulen ihre eigenen Familiengeschichten untersucht haben. 45 Interviews in zehn Sprachen sind entstanden.
Im Rahmen eines Forschungsprojekts haben Jugendliche aus sechs Grazer Schulen ihre Familiengeschichten dokumentiert. Die Ergebnisse präsentiert die Ausstellung „Unsere Geschichte(n)“ von 16. bis 27. September 2026 im Museum für Geschichte in der Sackstraße.
Das Sparkling-Science-Projekt „Das Gedächtnis des Klassenzimmers. Multidirektionales Erinnern in Grazer Schulen (MEiK)“ beschäftigt sich mit der Frage, welche Erzählungen im Familiengedächtnis von Jugendlichen existieren und ob diese im Geschichtsunterricht Berücksichtigung finden. Seit 2022 wird im sogenannten Historiker:innenstreit 2.0 diskutiert, ob die auf den Holocaust fokussierte Erinnerungskultur in Österreich und Deutschland noch den Realitäten einer migrationsgeprägten Gesellschaft entspricht.
45 Interviews in zehn Sprachen
Schülerinnen und Schüler der MS Straßgang, MS St. Leonhard, MS/BG/BRG Klusemann, des Akademischen Gymnasiums, des BG/BRG Oeversee und des Sacré Coeur wurden zu Forschenden. Sie wählten jeweils ein Familienmitglied aus und führten mit professioneller Ausrüstung lebensgeschichtliche Interviews. Insgesamt entstanden 45 Gespräche in zehn Sprachen, die die Vielfalt der Grazer Klassenzimmer widerspiegeln.
„Das Projekt ermöglicht es, dass Jugendliche durch ihre Mitwirkung am Forschungsprozess selbstständig Handlungsmacht entfalten“, betont Georg Marschnig vom Arbeitsbereich Geschichtsdidaktik der Universität Graz. Mit den gesammelten Geschichten könne ein buntes und vielschichtiges Bild der Grazer Bevölkerung entwickelt werden. Die Geschichten stünden gleichberechtigt nebeneinander, ohne auf- oder abgewertet zu werden.
Erinnerungsobjekte und Videoausschnitte
Die Ausstellung gliedert sich in die Themenbereiche „Prägende Momente“, „Glaube und Werte“, „Graz“, „Kindheit“ und „Familie“. Gezeigt werden ausgewählte Videoausschnitte sowie Erinnerungsobjekte, die von den interviewten Familienmitgliedern während der Gespräche präsentiert wurden. Auch die Jugendlichen selbst reflektieren ihre Erfahrungen im Projekt.
Gerald Lamprecht, Leiter des Centrums für Jüdische Studien an der Universität Graz, beschreibt: „Die Klassenzimmer und Wohnzimmer der Familien wurden zu Werkstätten, in denen vielfältige Erzählungen erhoben wurden.“ Ein Farbsystem kennzeichnet die beteiligten Schulen, Schülerinnen und Schüler sowie Familienmitglieder und führt durch die Ausstellung.
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung gefördert. Neben Marschnig und Lamprecht sind Melanie Göttfried, Maria Pasaricek und Esraa Shehata an dem Forschungsvorhaben beteiligt.
Quelle: https://www.uni-graz.at/de/neuigkeiten/junge-perspektiven-auf-die-vergangenheit
Worüber spricht Graz morgen?
Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.
Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.