Grippeimpfung: Impfstoff fehlt trotz Impfbereitschaft

Die niederösterreichische Ärztekammer schlägt Alarm: Während nur rund zehn Prozent der Bevölkerung zur Grippeimpfung bereit sind, müssen ausgerechnet diese Menschen wegen fehlender Impfstoffe wieder nach Hause geschickt werden. Besonders absurd ist die Lage für 50- bis 59-Jährige.
Dagmar Fedra-Machacek, Kurienobfrau der Ärztekammer Niederösterreich, warnt vor einer Vertrauenskrise beim Impfschutz. Lediglich etwa zehn Prozent der Menschen seien nach Erfahrungen aus den Ordinationen bereit, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Diese impfwilligen Patientinnen und Patienten müssten nun aber frustriert und ungeimpft wieder weggeschickt werden, weil der Impfstoff fehle.
Die allgemeinmedizinische Kassenärztin fordert von ÖGK und Gesundheitsministerin, alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit aus der Bereitschaft zur Impfung auch tatsächlich eine Impfung werde. Genau das geschehe derzeit nicht.
Standardimpfstoff verzögert sich weiter
Selbst wenn der Standardimpfstoff in den kommenden Tagen in Österreich eintreffe, müsse er erst in die Ordinationen verteilt werden. Die seit Anfang Oktober überfälligen Impfungen verzögerten sich damit weiter, während die Grippewelle näher rücke.
Impfstoff liegt im Kühlschrank – darf aber nicht verimpft werden
Besonders absurd sei die Situation für 50- bis 59-Jährige. Der bestellte Standardimpfstoff Influvac tri fehle wegen Lieferschwierigkeiten. Die für diese Altersgruppe zugelassene Alternative Fluad liege in den Kühlschränken der meisten Ordinationen – dürfe im öffentlichen Impfprogramm aber grundsätzlich erst ab 60 Jahren kostenlos verimpft werden. Nur für Menschen mit schwerer Immunsuppression gelte eine Ausnahme.
„Eine gesunde 55-jährige Patientin möchte sich in meiner Ordination impfen lassen. Wir müssen ihr sagen: Der bestellte Impfstoff ist leider noch nicht da. Den Impfstoff im Kühlschrank, der ab 50 Jahren zugelassen ist, darf ich ihr im kostenlosen Impfprogramm leider nicht geben, weil er dort erst ab 60 gratis zur Verfügung steht. Das versteht niemand. Wer heute unverrichteter Dinge nach Hause geht, kommt vielleicht kein zweites Mal“, so Fedra-Machacek.
Forderung nach Öffnung für jüngere Altersgruppe
Die Kurienobfrau fordert eine rasche Öffnung von Fluad im kostenlosen Impfprogramm für die 50- bis 59-Jährigen, soweit die verfügbaren Mengen dies zulassen. Die Versorgung älterer und besonders gefährdeter Menschen müsse dabei gesichert bleiben. Gleichzeitig müsse umgehend geklärt werden, ob zusätzliche Dosen beschafft werden können.
Michael Sokol, Leiter des Impfreferats der ÄKNÖ, bezeichnet eine solche Maßnahme aufgrund der sich frühzeitig ankündigenden Grippewelle als absolut zulässig und notwendig. Fedra-Machacek ergänzt, man könne nicht ständig zum Impfen aufrufen und dann Menschen vertrösten, die diesem Aufruf folgen.
Ärzte fühlen sich als Lückenbüßer
Für Ärztinnen und Ärzte sei es frustrierend, wieder als Lückenbüßer herhalten zu müssen, so Fedra-Machacek. Sie stünden den Patientinnen und Patienten gegenüber und bekämen deren berechtigten Ärger ab, obwohl sie die Situation weder verschuldet hätten noch selbst lösen könnten. Gesundheitsministerium und Sozialversicherung müssten die Bevölkerung klar informieren und rasch für eine Lösung sorgen.
Die Ärztekammer bittet die Bevölkerung um Verständnis: Die Ordinationen seien bereit, aber der bestellte Standardimpfstoff fehle noch. Deshalb müssten Impftermine verschoben werden oder könnten derzeit keine neuen angeboten werden.
Welche Impfungen derzeit verfügbar sind
Das aktuelle Impfangebot im öffentlichen Impfprogramm unterscheidet nach Alter und Personengruppe:
- Kinder und Jugendliche von 2 bis unter 18 Jahren: Der Nasenspray-Impfstoff Fluenz ist verfügbar.
- Menschen ab 60 Jahren: Der Impfstoff Fluad ist verfügbar. Unter 60 Jahren ist er im Programm derzeit nur bei schwerer Immunsuppression vorgesehen.
- Kleinkinder von 6 bis 24 Monaten und Schwangere: Für diese und weitere besonders zu schützende Personengruppen wurden 100.000 Dosen Flucelvax für das öffentliche Impfprogramm gesichert. Ein Großteil davon soll voraussichtlich bis Ende Oktober bei Kinderärztinnen und -ärzten sowie Gynäkologinnen und Gynäkologen eintreffen. In Abstimmung mit dem Land konnte eine kleinere Menge auch an niederösterreichische Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner verteilt werden.
- Alle übrigen Erwachsenen zwischen 18 und 59 Jahren: Der bestellte Standardimpfstoff Influvac tri soll demnächst eintreffen. Ein Termin für die Auslieferung an die Ordinationen steht noch aus.
Patientinnen und Patienten werden gebeten, vor einem Impftermin mit ihrer Ordination abzuklären, ob ein für sie geeigneter Impfstoff verfügbar ist.
Quelle: OTS
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