Grüne beenden Sommertour durch das Burgenland

Mathias FischerMathias Fischer
Gruppe von Menschen vor dem Schild "Bad Tatzmannsdorf" in Österreich
© DIE GRÜNEN – Die Grüne Alternative Burgenland – zeleni – zöldek – selene (GRÜNE)

Der Grüne Landtagsklub hat seine achttägige Sommertour durch alle sieben Bezirke des Burgenlandes abgeschlossen. Die letzten drei Tage führten Klubobfrau Margit Paul-Kientzl und Landtagsabgeordneten Philip Juranich in den Süden des Landes, wo sie Betriebe, Energieprojekte und kulturelle Einrichtungen besuchten.

Die Abschlusstage der Sommertour „GRÜN unterwegs – Zuhören & Z'sammsitzen“ konzentrierten sich auf die Bezirke Oberwart, Güssing und Jennersdorf. Im Bezirk Oberwart begleitete auch Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner die Delegation. An jedem Abend fanden Z'sammsitzen statt, bei denen Bürgerinnen und Bürger ihre Anliegen vorbringen konnten.

Bio-Pilze und öffentlicher Verkehr in Oberwart

In Oberschützen stand zunächst KiMa organics auf dem Programm. Philipp Maitz züchtet dort seit 2022 Bio-Pilze für die Gastronomie. Der gelernte Elektroniker hat sich das nötige Wissen selbst angeeignet. Auf einem Substrat aus Eichensägemehl und Sojahülsen produziert er täglich zwischen zehn und 70 Kilogramm verschiedener Pilzsorten, darunter Shiitake, Austernpilze und Igelstachelbart.

Bei den Verkehrsbetrieben Burgenland in Oberwart informierten die Geschäftsführer Johannes Jandrisevits und Wolfgang Werderits über die Elektrifizierung der Busflotte und Barrierefreiheit. Das Unternehmen beschäftigt rund 340 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und betreibt 70 Fahrzeuge auf 26 Buslinien. Für E-Busse stehen mittlerweile 14 Ladestationen zur Verfügung.

Weitere Stationen waren Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der burgenländischen Volksgruppen sowie ein Besuch bei Radio MORA, dem mehrsprachigen offenen Radio. Thematisiert wurde auch die jüngste Neuregelung des Volksgruppenrechts, wonach alle sechs anerkannten autochthonen Volksgruppen Österreichs künftig im Verfassungsrang genannt werden.

Beim Z'sammsitzen im Arkadenheurigen Dazumal in Bad Tatzmannsdorf wurden bessere Busverbindungen, sichere Fußwege, mehr Grün in den Gemeinden und die Sichtbarkeit der Volksgruppen diskutiert.

„Tage wie der heutige zeigen mir, wie viel Herz und Tatkraft die Süd-Burgenländer:innen mitbringen“, sagte Haider-Wallner. Besonders beeindruckt habe sie die Bereitschaft vieler Menschen, für ihre Region mitzuarbeiten.

Energiemodell und Streuobst in Güssing

Im Bezirk Güssing besuchte die Delegation das Europäische Zentrum für Erneuerbare Energie. Die Einrichtung entwickelt seit 1996 regionale Konzepte zur Energieeinsparung und Nutzung erneuerbarer Energie. Grundlage ist das international bekannte „Modell Güssing“, bei dem Energie dezentral mit vor Ort verfügbaren erneuerbaren Ressourcen erzeugt wird.

In Strem wurde die dortige Biogasanlage besichtigt, wo Gras, Mais und andere pflanzliche Rohstoffe vergoren werden. Das Biogas wird in Strom und Wärme umgewandelt, die Gärreste dienen als Dünger.

„Regionale Selbstversorgung mit erneuerbarer Energie ist ökologisch sinnvoll, spart Emissionen und hält die Wertschöpfung vor Ort“, betonte Juranich. Zudem verringere sie die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten.

Im Streuobst-Kompetenzzentrum in Burgauberg-Neudauberg stand der Erhalt alter Obstsorten im Mittelpunkt. Mehr als 300 Apfelsorten wurden in der Region bereits kartiert, darunter seltene wie Schafnase und Siebenschläfer. Im vergangenen Jahr wurden rund 45.000 Kilogramm Obst verarbeitet. Das Zentrum ist mit einer mobilen Saftpresse im ganzen Burgenland unterwegs.

Beim Z'sammsitzen im conClusius in Güssing beschäftigten vor allem anhaltende Trockenheit, sinkende Wasserstände und der Ausbau erneuerbarer Energie die Gäste.

Bioweinbau und historische Mühle in Jennersdorf

Der letzte Tourtag führte zum Bioweinbau Oberkofler in Weichselbaum. Patrizia Falkensteiner und David Oberkofler kamen aus Südtirol ins Südburgenland und bauten ihr mehrfach ausgezeichnetes Bio-Weingut auf. Eine wichtige Rolle spielen sogenannte PIWI-Reben, pilzwiderstandsfähige Sorten, die den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln deutlich reduzieren.

Nachdem Hagel zwei Jahre hintereinander große Teile der Ernte vernichtet hatte, begann die Familie mit dem Anbau kälteresistenter Olivensorten. Eine große Herausforderung bleibt die von der Amerikanischen Rebzikade übertragene Goldgelbe Vergilbung. Wegen der Rebenkrankheit musste eine fünf Jahre alte Anlage vollständig gerodet werden.

In Windisch-Minihof besichtigte die Gruppe die Jost-Mühle. Die 1903 in Betrieb genommene Wassermühle war bis 1998 in Verwendung und gilt heute als letzte funktionsfähige Wassermühle der Region. Kultur- und Landschaftsvermittlerin Eveline Schlager führte durch die historische Anlage, die als Lohnmühle ein wichtiger Bestandteil der örtlichen Versorgung war.

„Die Jost-Mühle ist ein Stück lebendige Geschichte“, sagte Paul-Kientzl. Das Wissen über frühere Arbeits- und Lebensweisen sei Teil der burgenländischen Identität.

Beim abschließenden Z'sammsitzen beim Kreuzstadl in Mogersdorf dominierte die drohende Schließung des Lenzingwerks in Heiligenkreuz die Diskussion. Weitere Themen waren Mobilität im ländlichen Raum, Kanalgebühren, die eingestellte Bahnstrecke zwischen Friedberg und Oberwart sowie klimafitte Gemeinden.

Acht Tage durch sieben Bezirke

Mit dem Besuch im Bezirk Jennersdorf endete die Sommertour 2026. An acht Tagen bereiste der Grüne Landtagsklub alle sieben Bezirke des Burgenlandes und besuchte landwirtschaftliche Betriebe, soziale Projekte, innovative Unternehmen und kulturelle Einrichtungen.

„Wir haben das Burgenland in diesen acht Tourtagen von Nord bis Süd bereist und dabei die unterschiedlichsten Menschen getroffen“, resümierten Paul-Kientzl und Juranich. Die Begegnungen und offenen Gespräche seien unglaublich bereichernd gewesen. Zahlreiche konkrete Anliegen würden nun in die Arbeit im Landtag einfließen.

Quelle: https://burgenland.gruene.at/news/grun-unterwegs-in-oberwart-gussing-und-jennersdorf

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