Grüne besuchten Betriebe und Projekte im Burgenland

Mathias FischerMathias Fischer
Gruppe von Menschen sitzt im Freien an einem Tisch mit Getränken und Snacks.
© DIE GRÜNEN – Die Grüne Alternative Burgenland – zeleni – zöldek – selene (GRÜNE)

Der Grüne Landtagsklub hat im Rahmen seiner Sommertour drei Bezirke im Burgenland bereist. Klubobfrau Margit Paul-Kientzl und Landtagsabgeordneter Philip Juranich informierten sich über Kreislaufwirtschaft, soziale Initiativen und Energietechnologien.

Neusiedl am See, Mattersburg und Oberpullendorf waren die Stationen der Tour „Grün unterwegs – Zuhören & Z'sammsitzen“. Die Grünen-Vertreter besuchten innovative Unternehmen und soziale Einrichtungen, bei abendlichen Treffen kamen sie mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch.

Kaffeesatz als Rohstoff und Schilfdächer in Neusiedl am See

In Gols präsentierte das Unternehmen BeanSaver seine Arbeit mit wiederverwertetem Kaffeesatz. Das erste Produkt ist ein Ganzjahresdünger, der aus Kaffeesatz, heimischer Schafwolle und Holz besteht. Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft entwickelt die Firma auch Briketts, Öle, Schmiermittel und nachhaltige Kunststoffalternativen.

„Kreislaufwirtschaft zeigt, wie aus vermeintlichem Abfall ein wertvoller Rohstoff werden kann“, sagte Margit Paul-Kientzl. Für eine Umsetzung im großen Maßstab brauche es ein Umdenken entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Unternehmen, Forschung, Sammelstellen und öffentliche Hand müssten eng zusammenarbeiten.

In Weiden am See besichtigte die Delegation die Schilfdachdeckerei Van Hoorne. Der Familienbetrieb verarbeitet Schilf vom Neusiedler See zu langlebigen Dächern. Ein fachgerecht errichtetes Schilfdach kann 50 Jahre oder länger halten, bietet natürliche Wärmedämmung und lässt sich nach der Nutzung wieder in den natürlichen Kreislauf zurückführen. Auch neue Einsatzbereiche wie Schilf in Lärmschutzwänden werden erprobt.

Beim abendlichen Treffen in Winden am See diskutierten die Teilnehmer über Mobilität im ländlichen Raum, Bodenschutz, Begrünung und die finanzielle Situation der Gemeinden.

Beschäftigungsprojekt und Wasserstofftechnologie in Mattersburg

Im Bezirk Mattersburg stand zunächst das gemeinnützige Beschäftigungsprojekt MEIN LADEN auf dem Programm. Langzeitbeschäftigungslose Menschen, Wiedereinsteiger und ältere Personen erhalten dort einen befristeten Arbeitsplatz, sozialpädagogische Begleitung und Unterstützung bei Bewerbungen. Die Tätigkeiten umfassen das Secondhand-Geschäft, Übersiedlungen sowie Haus- und Gartenarbeiten.

Das Projekt verbindet soziale Unterstützung mit Ressourcenschonung: Gespendete Kleidung, Möbel und Hausrat werden sortiert, aufbereitet und weiterverkauft. Im vergangenen Jahr wurden rund 57.000 Kilogramm Kleidung abgegeben.

Anschließend besuchte die Delegation SCIOFLEX Hydrogen. Das Mattersburger Unternehmen untersucht, wie sich Metalle, Kunststoffe und andere Werkstoffe unter Wasserstoffeinfluss verändern. Materialien können dort unter realitätsnahen Bedingungen und bei einem Druck von bis zu 400 bar geprüft werden.

Diese Tests sind unter anderem für Pipelines, Tanks und Ventile wichtig. SCIOFLEX untersucht auch Proben aus bestehenden Gasleitungen und prüft, ob diese künftig für den Transport von Wasserstoff geeignet sind. Das Know-how gewinnt an Bedeutung, weil ein großer Teil des geplanten europäischen Wasserstoffnetzes durch die Umrüstung bestehender Gasinfrastruktur entstehen soll.

„Wir dürfen diesen Technologiezug nicht verpassen“, sagte Philip Juranich. China habe Wasserstoff längst zu einer strategischen Zukunftstechnologie erklärt und baue Forschung, Produktion und Infrastruktur mit hohem Tempo aus. Europa und Österreich bräuchten klare Regeln, Investitionen und starke Forschungsstandorte.

Beim Treffen in Bad Sauerbrunn wurden die letzte Meile im öffentlichen Verkehr, fehlende Radverbindungen, die Streichung der KLAR!-Invest-Förderungen, Lichtverschmutzung und die Sauberkeit öffentlicher Räume diskutiert.

Bio-Produkte, Braukunst und Agri-PV in Oberpullendorf

Im Bezirk Oberpullendorf begleitete auch Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner den Landtagsklub. Erste Station war Bio.k. in Weppersdorf. Der Familienbetrieb stellt seit 1999 biologische Aufstriche her und verarbeitet ausschließlich biozertifizierte Rohstoffe. Das Sortiment reicht von Tomate-Basilikum über Gemüse-Kren bis zu Hummus. Firmeninhaber Franz Dorner tüftelt auch an neuen süßen Kreationen wie Apfel-Zimt oder Haselnuss-Kakao.

In der Brauerei Kobersdorf führte Braumeister Peter Döllinger durch die handwerkliche Produktion. Gemeinsam mit fünf Beschäftigten stellt er acht verschiedene Biersorten her. Dazu gehört auch ein mit Waldblütenhonig verfeinertes Keltenbier für das Schwarzenbacher Keltenfest. Die Brauerei ist biozertifiziert und setzt auf österreichische Rohstoffe, Mehrweg und einen bewussten Umgang mit Ressourcen.

In Neckenmarkt informierte sich die Delegation über ein geplantes Agri-PV-Projekt. Die Anlage könnte nach Angaben der Betreiber jährlich rund 60.000 Megawattstunden sauberen Strom für etwa 12.100 Haushalte erzeugen. Gleichzeitig sollen 80 Prozent der Fläche weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden. Weitere Bereiche sind für Biodiversität, Weingärten, Sträucher und Obstbäume vorgesehen. Voraussetzung für die Umsetzung sind noch die notwendigen Genehmigungen.

Beim abschließenden Treffen im Klosterkeller ging es unter anderem um Ragweed und andere invasive Pflanzenarten, Trockenheit und niedrige Wasserstände. Weitere Anliegen betrafen Verbesserungen am Busbahnhof Weppersdorf, das Anrufsammeltaxi BAST und die Ausstattung der Mittelschule Oberpullendorf.

Quelle: https://burgenland.gruene.at/news/grun-unterwegs-in-neusiedl-am-see-mattersburg-und-oberpullendorf

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