Grüne Jugend Burgenland besuchte Budapest

Die Grüne Jugend Burgenland hat vier Tage in der ungarischen Hauptstadt verbracht. Im Mittelpunkt der Bildungsreise standen die jüdische Geschichte der Stadt und die Auseinandersetzung mit der Erinnerungspolitik unter Viktor Orbán.
Die Grüne Jugend Burgenland war vier Tage lang in Budapest unterwegs. Die Reise diente der politischen Bildung und der Beschäftigung mit Geschichte, Erinnerungskultur und aktuellen politischen Entwicklungen in Ungarn.
Jüdisches Viertel und Spuren der Shoah
Die Gruppe hielt sich hauptsächlich im jüdischen Viertel von Pest auf. Dort verbrachte sie die Abende zwischen Synagogen im ehemaligen Ghetto und in Ruinenbars. Der Kontrast zwischen dem heutigen Leben und den Verbrechen der Vergangenheit sei dadurch besonders spürbar geworden.
Vor dem Zweiten Weltkrieg lebte in Budapest eine der größten jüdischen Gemeinden Europas. Nach der deutschen Besetzung im März 1944 und der Zusammenarbeit ungarischer Pfeilkreuzler mit den Nationalsozialisten verschärfte sich die systematische Verfolgung. Im Herbst 1944 entstand das Budapester Ghetto, in dem zehntausende Menschen unter katastrophalen Bedingungen eingesperrt waren. Tausende wurden direkt an den Ufern der Donau von den Pfeilkreuzlern erschossen. Das Denkmal "Schuhe am Donauufer" erinnert an diese Verbrechen.
Kritik an ungarischer Geschichtspolitik
Die Jugendorganisation besuchte das House of Terror, das sich im ehemaligen Hauptquartier der Pfeilkreuzler und später der kommunistischen Geheimpolizei befindet. Das Museum thematisiert sowohl die faschistische Herrschaft als auch die kommunistische Diktatur.
Der Besuch habe zu einer kritischen Diskussion über die heutige ungarische Geschichtspolitik geführt. Das Museum vermittle den Eindruck zweier nahezu gleichwertiger Terrorregime. Die Verantwortung ungarischer Täter während des Holocaust werde relativiert, Ungarn vor allem als Opfer fremder Besatzungsmächte dargestellt.
Die Verbrechen der Pfeilkreuzler seien von ungarischen Faschisten aktiv mitgetragen worden. Diese Eigenverantwortung trete in der offiziellen Erinnerungspolitik Viktor Orbáns, der bis zur vergangenen Wahl die Schirmherrschaft über das Museum innehatte, häufig in den Hintergrund. Stattdessen dominiere eine nationale Opfererzählung, die historische Verantwortung verwische.
Anschließend besuchte die Gruppe den Memento Park, in dem Denkmäler aus der kommunistischen Zeit aufgestellt sind. Der Ort ermögliche eine kritische Auseinandersetzung mit Propagandainstrumenten im öffentlichen Raum.
Antifaschistische Erinnerung als Auftrag
Die Bildungsreise habe gezeigt, wie eng Geschichte, Erinnerung und Gegenwart miteinander verbunden seien. Erinnerungspolitik sei nie neutral, sondern immer Ausdruck gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzungen.
Für die Grüne Jugend bedeute antifaschistische Erinnerung, historische Verantwortung anzuerkennen und die Perspektiven der Opfer sichtbar zu machen. Der Holocaust, die Verbrechen der Pfeilkreuzler und die Repressionen der kommunistischen Diktatur dürften weder gegeneinander aufgerechnet noch für aktuelle politische Narrative instrumentalisiert werden.
Die Reise habe gezeigt, wie wichtig politische Bildung vor Ort sei – gerade dort, wo Geschichte bis heute den öffentlichen Raum und gesellschaftliche Debatten präge.
Quelle: https://burgenland.gruene.at/news/bildungsreise-der-grunen-jugend-burgenland-nach-budapest
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