Grüne kritisieren Flächenverbrauch in Wels

Mona HopfingerMona Hopfinger
Erdbeben spaltet Landschaft und Stadt mit großer Zahl 4 im Vordergrund
© Mit KI (Gemini) generiert

Die Grünen Wels üben scharfe Kritik am massiven Wohnbau und an neuen Betriebsansiedlungsgebieten. Der damit verbundene Bodenverbrauch sei nicht durch belegten Wohnungsbedarf gerechtfertigt, so Fraktionsobfrau Miriam Faber.

Die Grünen Wels kritisieren den enormen Flächenverbrauch durch Wohnbauprojekte und Gewerbegebiete in der Stadt. Miriam Faber, Fraktionsobfrau und Sprecherin der Grünen, stellt nicht den Bedarf an Wohnraum infrage, wohl aber die Dimension des aktuellen Baugeschehens. Es gebe keine verlässlichen Erhebungen, die den massiven Wohnungsbau und den damit einhergehenden Flächenverbrauch legitimieren würden.

Faber fordert stattdessen eine Sanierungsoffensive bei bestehenden Gebäuden und einen Fokus auf leistbaren Wohnraum. Ständig werde mit steigendem Wohnungsbedarf argumentiert, eine nachvollziehbare Gesamtbetrachtung fehle jedoch. Die Bevölkerung wolle keine radikalen Veränderungen in der unmittelbaren Nachbarschaft und keine weitere Reduktion wertvoller Grünflächen.

Mehrere Großprojekte in Umsetzung

Mit den Oberfelderhöfen steht ein großes Wohnbauprojekt vor der Fertigstellung. Gleichzeitig verändern sich nahe der Eisenbahnersiedlung große Flächen, und in der Pernau ist ein weiteres gigantisches Wohnbauprojekt geplant. Wachstum dürfe kein Selbstzweck sein, so Faber. Vorhandene Potenziale müssten genutzt werden, bevor weitere Freiflächen verbaut würden.

Wels auf Platz vier bei Bodenversiegelung

Den Grünen ist der hohe Bodenverbrauch in Wels ein besonderer Dorn im Auge. Laut einer WWF-Auswertung aus dem Jahr 2025 belegte Wels unter den 15 größten Städten Österreichs bereits Platz vier bei der Bodenversiegelung. Die Grünen befürchten, dass Wels bei einer neuen Erhebung zumindest wieder auf diesem Rang landen würde – möglicherweise sogar noch weiter vorne.

Wie sich Wels räumlich entwickeln wird, lässt sich bereits heute im 2015 beschlossenen Örtlichen Entwicklungskonzept ablesen. Dort seien enorme Flächen ausgewiesen, die in den kommenden Jahren für Industrie, Gewerbe und Wohnbau in Anspruch genommen werden können. Das kommende ÖEK werde daran grundsätzlich nichts ändern, kritisiert Faber. Es werde bei der Umsetzung etwas strenger, die grundsätzliche Richtung und die bereits vorgesehenen Flächen blieben aber bestehen.

Kritik an fehlendem Umdenken

„Wir können nicht ständig neue Grün- und Freiflächen verbauen und gleichzeitig so tun, als wäre das ohne Folgen“, so Faber. Was heute wie eine einzelne Baufläche erscheine, summiere sich über Jahre zu einem enormen Verlust an Boden. Es gebe keinen politischen Mitstreiter, der dieser Entwicklung wirklich Einhalt gebieten wolle. Ein echtes Umdenken sehe sie in der politischen Landschaft noch lange nicht. Offenbar fehle es an Weitblick und an der notwendigen Vogelperspektive, um die einzelnen Projekte als Teil einer Gesamtentwicklung zu betrachten.

Auch bei großen Wohnanlagen sei langfristiges Denken gefragt. Große Wohnanlagen seien nicht automatisch schlechte Wohnanlagen, so Faber. Wenn aber Instandhaltung, soziale Durchmischung und die Qualität der Freiräume nicht dauerhaft gesichert seien, könnten aus heutigen Neubauten in einigen Jahrzehnten anonyme und vernachlässigte Siedlungen werden. Man sollte aus den Entwicklungen der Vergangenheit lernen, statt dieselben Fehler einfach größer zu wiederholen.

„Wels muss nicht aufhören, sich zu entwickeln. Aber Wels muss endlich anfangen, Entwicklung mit Grenzen zu denken“, fordert Faber. Der Boden sei nicht unendlich – und was einmal verbaut sei, komme nicht einfach zurück.

Quelle: https://ooe.gruene.at/news/kritik-an-bauwahn

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