Güssing: 15 Kitze gerettet – Dürre bedroht Wildtiere

Mathias FischerMathias Fischer
Reh trinkt aus schwarzem Eimer im Garten mit Häusern im Hintergrund
© Stadtgemeinde Güssing

Kitzrettung im Frühjahr und extreme Trockenheit im Sommer stellen die Jägerschaft im Bezirk Güssing vor große Herausforderungen. Während die Zusammenarbeit mit Landwirten 15 Rehkitze vor dem Mähwerk bewahrte, kämpft das Wild nun mit Wasserknappheit.

15 Rehkitze konnten im Frühjahr 2026 im Bezirk Güssing vor dem sicheren Tod durch Mähmaschinen bewahrt werden. Möglich machte das die enge Abstimmung zwischen Landwirtschaft, Jägerschaft und freiwilligen Helfern. Mit Drohnen, Wärmebildkameras und Einsätzen ab 05.00 Uhr morgens wurden die Wiesen vor der Mahd systematisch abgesucht.

Rehkitze flüchten bei Gefahr nicht, sondern ducken sich instinktiv ins hohe Gras – eine Überlebensstrategie, die bei der ersten Mahd zur tödlichen Falle wird. Die Jungtiere wurden nach dem Auffinden vorübergehend in belüftete Boxen gebracht und nach Abschluss der Mäharbeiten wieder freigelassen.

Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg

Entscheidend für den Erfolg war die rechtzeitige Meldung der Mähtermine durch die Landwirte. Die Reviere konnten so die Flächen am frühen Morgen mit Drohnen und Helfern absuchen. Die überwiegende Mehrheit der Betriebe arbeitet verlässlich mit den Revieren zusammen.

Probleme gab es nur in Einzelfällen, wenn Mähtermine kurzfristig ohne Rücksprache verschoben oder vorgezogen wurden. Da die Geiß ihr Junges nach wenigen Stunden zurückholt, kann bereits eine Verschiebung um einen Tag die Schutzmaßnahmen zunichtemachen.

„Diese 15 geretteten Kitze sind kein Zufall, sondern das Ergebnis echter Partnerschaft“, betont Bezirksjägermeisterin Charlotte Klement. Sie dankt den Landwirten für die rechtzeitige Information sowie den Jägern und freiwilligen Helfern, die oft vor Sonnenaufgang im Einsatz seien. Natur- und Tierschutz gelinge dort, wo Landwirtschaft und Jagd Hand in Hand arbeiteten.

Die Bezirkshauptmannschaft Güssing hebt hervor, dass Tierschutz gelebte Verantwortung und gesetzlicher Auftrag zugleich sei. Die Landwirtschaftskammer betont, dass die Kitzrettung zur ordnungsgemäßen Landwirtschaft gehöre und weiterhin auf Information, kurze Wege und moderne Technik gesetzt werde.

Rechtliche Konsequenzen bei Versäumnissen

Einzelne Versäumnisse können nicht nur Tierleid verursachen, sondern auch rechtliche Folgen haben. Das österreichische Tierschutzgesetz verbietet es, Tieren ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen sowie Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten. Wer in Kenntnis eines konkreten Kitzes ohne erneute Absuche mäht, riskiert eine Verwaltungsstrafe im vierstelligen Bereich, im Wiederholungsfall deutlich mehr.

Die Jägerschaft appelliert an jene wenigen Landwirte, die Mähtermine ohne Rücksprache ändern: Ein kurzes Telefonat genüge, um die Arbeit der Helfer nicht ins Leere laufen zu lassen.

Extreme Dürre bedroht Wildtiere

Seit Juli 2026 herrscht im Bezirk Güssing eine außergewöhnliche Dürre. Der Dragenbach, der seit Menschengedenken wasserführend war, ist vollständig ausgetrocknet. Quellen, auf die sich das Wild seit Generationen verlässt, sind versiegt.

Die Folgen sind gravierend: Rehe, Rotwild und Schwarzwild müssen teils mehrere Kilometer zurücklegen, um Wasser zu finden. Dabei überqueren sie stark befahrene Straßen, was zu einer deutlichen Zunahme von Wildunfällen führt. Täglich werden verendete Tiere gemeldet, die der Hitze zum Opfer gefallen sind. Wo kein Gras und keine Feldfrüchte mehr wachsen, weicht das Wild auf Sojabohnen und Waldränder aus – mit der Folge zunehmender Verbissschäden.

Jägerschaft organisiert Wasserversorgung

Die Jagdgesellschaft Güssing hat rasch reagiert: Alle zwei bis drei Tage wird Frischwasser in ausgetrocknete Tümpel eingefüllt. Wo keine natürliche Wasserstelle mehr vorhanden ist, werden Malterkisteln und Tränkebehälter aufgestellt. Das Wasser stammt aus privaten Zisternen und Quellen, die von den Jägern selbst organisiert werden.

Jagdleiter Rainer Schwarz erklärt, die Wasserversorgung des Wildes sei in diesem Sommer zur drängendsten Aufgabe geworden. „Was früher Bach, Tümpel und Quellen von selbst geregelt haben, organisieren wir heute mit Fässern, Kübeln und Malterkisteln – alle zwei bis drei Tage, bei 35 Grad, freiwillig und ohne Aufwandsentschädigung“, so Schwarz. Er appelliert an Gemeinden, Grundeigentümer und die Politik, das Thema Wasserrückhalt im Revier ernst zu nehmen. Biberdämme, Feuchtbiotope und Rückhaltebecken seien in Zukunft überlebenswichtig.

Appell an die Bevölkerung

Die Jägerschaft richtet einen Appell an die Einwohner des Bezirks: Wer in seinem Garten – besonders unter Obstbäumen – Schalen oder Kübel mit Wasser aufstellt, leiste einen wertvollen Beitrag. Das Wild schöpfe in den Nachtstunden. Außerdem wird gebeten, in den Morgen- und Abendstunden auf Spaziergänge in Waldnähe zu verzichten und Hunde nicht frei laufen zu lassen.

Die aktuelle Krise wirft auch eine längst überfällige Frage auf: Die Biberdämme am Dragenbach, die in den vergangenen Jahren permanent abgetragen wurden, hätten heute zumindest Tümpel und kleinere Feuchtbiotope erhalten. Ihre Entfernung sei eine Fehlentscheidung gewesen, die sich erst jetzt in vollem Ausmaß zeige.

Die Jägerschaft im Bezirk Güssing wird das Thema Wasserversorgung weiter im Blick behalten und hofft auf Partner in Landwirtschaft, Gemeinden und Naturschutz.

Quelle: https://www.gussing.at/index.php/news/1199-jahr-der-herausforderungen-fuer-guessings-jaegerschaft

Rehkitz mit Flecken liegt in einem Korb mit hohem Gras, Österreich
© Stadtgemeinde Güssing
Zwei Männer in Jagdbekleidung in einem Feld bei Sonnenuntergang, einer kniet bei einem Fangkorb.
© Stadtgemeinde Güssing

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